Enttäuschter Glaube, enttäuschtes Gebet … echter Glaube, echtes Gebet

In diesem Beitrag möchte ich Sie ein wenig an meinem Leben teilhaben lassen. Als bewusste Christin lebe ich schon seit vielen Jahren mit Jesus Christus. Ich nehme ernst, was in der Bibel steht, beziehe Gott in meinem Leben in meine Entscheidungen mit ein, versuche, mit seiner Hilfe so zu leben, wie es gut ist und seinem Willen entspricht – und ich bete. Ohne Gebet ist eine Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht möglich, denn Gebet ist das verbindende Kommunikationsmittel.

Die Bibel ist darum auch voll von Geschichten über betende Menschen, Gedanken und Hinweisen, mit welcher Haltung man vor Gott treten kann und soll und von Gebeten selbst, die Menschen in verschiedenen Situationen gebetet haben, z.B. den Psalmen. So wie Gott in biblischen Zeiten mit den Menschen in Verbindung getreten ist, so möchte er es auch heute tun. Das glaube ich und davon bin ich überzeugt.

Ich habe in den vielen Jahren meines Christseins schon viele gute Erfahrungen mit dem Gebet gemacht. Ich habe erlebt, wie sich Dinge auf einmal gefügt haben oder sich Türen öffneten, die vorher verschlossen erschienen. Gebete wurden erhört und ich fühlte mich auf der Siegerseite des Lebens. Ich habe aber auch schmerzhafte Erfahrungen mit nicht erhörten Gebeten gemacht. Weiterlesen

„Das ist ja ein unerhörtes Gebet“ – kann man falsch beten?

Beten kann jeder! Und doch tun sich viele schwer damit. Beim Beten kann man eigentlich nichts falsch machen. Und doch kann man Beten lernen. Die Hürde zum persönlichen Beten soll ganz gering sein, einfach anzufangen ist das beste Rezept, denn Beten ist ja die Vertiefung in der Beziehung mit Gott. Und dazu gibt es wunderbare Hilfen. Doch genauso, wie einige Sätze Beziehungen verbessern und vertiefen können, zerstören andere Sätze Beziehung komplett und man muss mit Mühe das Vertrauen wiedergewinnen. Gott dürfen wir alles sagen, und doch gibt es unerhörte Gebete, die Gott gerade deswegen nicht erhört, weil sie unerhört sind. Weiterlesen

Gottes Reich mit Taten der Liebe verkündigen

Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. (Matthäus 10,7)

Dieser Bibelvers ist Teil einer längeren Rede Jesu, in der er die Jüngerinnen und Jünger aussendet, um zu predigen und zu sprechen; wir fassen diesen Auftrag unter den Begriff Mission (lat. Missio, Absendung) – das klingt nicht in allen Ohren gut. Da kommen schnell unangenehme Erinnerungen an die Geschichte hoch. Da fallen uns schnell Zwang und Druck ein, mit denen man Missionierungen unter anderem auch mit dem Schwert in der Hand betrieben hat. Weiterlesen

Schwerter zu Pflugscharen

Und Gott wird Recht sprechen zwischen den fremden Völkern und richten zwischen vielen Völkern. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern umschmieden, kein fremdes Volk wird mehr gegen ein anderes sein Schwert erheben, und niemand wird mehr Kriegshandwerk lernen. (Jesaja 2,4)

Mein Schwiegervater war der Maler und Grafiker Herbert Sander aus Potsdam. 1980 entwarf er einen Aufnäher, der drei Worte aus diesem Bibeltext verwendete: „Schwerter zu Pflugscharen“.

„Schwerter zu Pflugscharen“ kommt in der Bibel gleich mehrfach vor: In der Jesaja-Prophetie, im Buch Micha und im Buch Joel. Daran können wir sehen, dass der Spruch im alten Israel ausgesprochen populär war. Nicht nur wir modernen Menschen sehnen uns nach einer friedlichen Welt. Die Sehnsucht nach einem Ende von Krieg und Gewalt ist Jahrtausende alt. Weiterlesen

War Jesus liberal?

Ein sehr bekannter Theologe und Kirchenmann des 20. Jahrhunderts, Ernst Käsemann, hat diese Frage Ende der Sechzigerjahre so gestellt und beantwortet: „Der Ruf der Freiheit“, erschienen bei Mohr-Siebeck, Tübingen 1968, Seite 19ff. Ich stelle sie uns heute auch und suche sie auf meine Weise zu beantworten.

Jesus zeigt in vielen Worten und Handlungen, wie Er seinen Ruf der Freiheit in die Tat umsetzt. Ich nenne als erstes Beispiel sicher das berühmteste: das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lukas 10,25-37; Markus 12,28-34; Matthäus 22,35-40). Die jüdischen Tempel-Bediensteten, Priester und Levit, lassen den unter die Räuber Gefallenen unbeachtet liegen und ziehen weiter ihres Weges von Jericho hinauf gen Jerusalem. Wer kümmert sich um ihn und versorgt ihn? Ein Samariter! Das ist die Spitze des Gleichnisses. Weiterlesen

Die Kirche in der VUCA-Welt

1. Manchmal hat man den Eindruck, die Herausforderungen für die Kirche in Deutschland seien nicht nur groß, sondern einzigartig. So manche Reaktionen auf die Studie Projektion 2060, die das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Mai vorgelegt hat, legten diese Einschätzung nah. Die koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland bestätigte frühere Langzeitstudien. Sie zeigt, wie sehr „Kirche im Umbruch“ ist „Zwischen demografischem Wandel und nachlassender Kirchenverbundenheit“. Mir scheint, dass in den öffentlichen Reaktionen viel von der Stimmungslage und der Unsicherheit in unseren Gemeinden und der Kirche insgesamt aufscheint. Weiterlesen

Auf Gottes Wort hören

Denkt daran, meine lieben Schwestern und Brüder: Jeder Mensch soll schnell bereit sein zuzuhören. Aber er soll sich Zeit lassen, bevor er selbst etwas sagt oder gar in Zorn gerät. (Jakobus 1,19)

Wie viel Zeit braucht man, um eine Predigt zu schreiben? Diese Frage interessiert immer wieder, ob Konfirmandin oder Rentner. Und manchmal wird die Antwort gleich mitgeliefert: „Das müssen Sie doch einfach so können; das machen Sie doch schon so lange.“

Nein, das geht nicht mal eben so. Ich spreche immer davon, dass ich eine Woche lang mit der Predigt schwanger gehe. Montags wird der Text gelesen, das Wort Gottes gehört, und dann in der Woche ausgiebig darüber nachgedacht. Weiterlesen

Kirche und Kunst sind nicht zu trennen

Kirche und Kunst sind untrennbar miteinander verbunden. Woran liegt das? „Kirche“ gäbe es nicht ohne die Präsentation ihrer Botschaft in der Welt. Und das beginnt mit den Gebäuden. Welche Botschaft verkünden die großen gotischen Kathedralen? Und welche Nachricht will eine kleine barocke Dorfkirche vermitteln? Wie sprechen Ort, Gestalt und Raum unserer Apostelkirche zu uns, und wie die der Stiepeler Dorfkirche?

Der Kölner Dom als gotisches Beispiel macht mich klein. „Du bist“, sagt der Dom zu mir, „ein Christlein, ein unscheinbarer christlicher Wanderer und Sucher unter dem hohen Himmel eines gewaltigen Gottes. Komm in den Dom, hier bist du klein, aber sicher. Gott ist groß.“ Die kleine, hell ausgemalte barocke Dorfkirche im bayerischen Schwaben erzählt Geschichten. Setz dich und schau auf die Wände und an die Decke, da sind Geschichten, die du kennst und in denen du vorkommst. Das Sonnenlicht im Kirchenraum ist ein Symbol für Gottes behütende Klarheit. Fühl dich geborgen und schützend wahrgenommen. Weiterlesen

Sing ein Lied!

Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. (Apostelgeschichte 16,25)

Nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf, weil mich so vieles wach hielt und ich in Sorge war, ob ich wohl alles so würde regeln können, dass es gut wird, laufe ich also etwas drömelig zur Arbeit mit Blick auf den Boden und lese plötzlich: Sing ein Lied. Ich habe keine Ahnung, wer das mit Kreide auf den Gehweg geschrieben hat, aber da stand es: Sing ein Lied. Ein Stückchen weiter stand die Aufforderung: Schau dich um.

Ich weiß nicht, ob es noch mehr Aufforderungen gab oder in welche Richtung ich hätte weiterlaufen müssen, um mehr zu lesen, ich habe auch beide Aufforderungen nur gelesen und nicht befolgt, aber – die Idee ein Lied zu singen, hat mich zumindest nicht losgelassen. Ich habe mich nämlich auf dem Rest des Weges gefragt, ob sich etwas in mir verändern würde, wenn ich jetzt einfach mal lossingen würde, anstatt weiter zu grübeln. Weiterlesen

Es gibt viel zu tun und einiges zu lassen

Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,15)

„Früher war alles besser!“ Dieser Satz ist natürlich Blödsinn, aber früher war vieles anders. Zum Beispiel gehörten zu Urlaubsfahrten mit dem eigenen PKW stets insektenverschmierte Scheiben. Das Getreide auf dem Feld, an dem wir wohnten, war so hoch, dass wir uns darin als Kinder verstecken konnten und an den Rändern wuchsen Korn- und Mohnblumen und Margeriten. Es gab viele verschiedene Schmetterlingsarten und reichlich Raupen. Deutlich weniger Menschen als heute besaßen ein eigenes Auto. Heute stehen vor manchem Einfamilienhaus bis zu drei Autos.

Anfang Mai titelten viele Zeitungen „Eine Million Arten vor dem Aussterben – Sehr viele Pflanzen und Tiere könnten für immer verschwinden“. Der Bericht des Weltbiodiversitätsrates ist alarmierend. Unzählige Arten von Tieren und Pflanzen sind bereits für immer verschwunden. Viele Lebensräume sind nicht mehr intakt. Weiterlesen