Ostern heißt: den Neustart wagen

Noch mal von vorne beginnen, durchstreichen und vergessen können, was gewesen und schiefgelaufen ist. Manchmal wünscht Mensch sich nichts sehnlicher als das. Zum Beispiel dann, wenn eine Beziehung zu scheitern oder eine Freundschaft in die Brüche zu gehen droht. Wie schön wäre es, wenn wir in solchen Situationen einfach auf den Reset-Knopf drücken oder an der Stelle anknüpfen könnten, wo alles noch gut und schön war. Weiterlesen

Heilige Mutter Gottes, vertreibe Putin!

Am 21. Februar 2012 drang die Frauen-Punk-Band Pussy Riots in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche in den Altarraum ein und führte ein „Punk-Gebet“ auf. Das Gebet richtete sich gegen die enge und korrupte Verbindung von Staat und Kirche in Russland und gipfelte in dem lauten Ruf: „Heilige Mutter Gottes, vertreibe Putin!“

Der Auftritt dauerte genau 41 Sekunden, dann griff die Polizei ein und verhaftete die Frauen. Die russisch-orthodoxe Kirche verurteilte den Auftritt und unterstütze das Strafverfahren gegen die Band. Die Band habe religiöse Gefühle verletzt. Jekaterina Samuzewitsch, Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina wurden im Sommer 2012 wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu je zwei Jahren Haft und Arbeitslager verurteilt. Weiterlesen

Ein neuer Blick auf unsere Verwundbarkeit

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Korinther 12,9)

Es ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis, die wir aus der Corona-Pandemie ziehen: dass sie uns unsere Verwundbarkeit vor Augen geführt hat und weiterhin zeigt. Jedem und jeder einzelnen, aber auch uns als gesamter Gesellschaft. Wir alle haben diese Verwundbarkeit in den vergangenen eineinhalb Jahren in vielfältiger Weise hautnah erleben müssen:

durch die Angst vor eigener Infizierung, vielleicht durch eigene Erkrankung,
durch die Angst, andere anzustecken,
durch die Sorge um die alten Eltern oder andere Weggefährt*innen,
durch die Trauer um die, die durch das Virus verstorben sind,
durch verstörende Bilder aus anderen Ländern, in denen das Virus noch ganz anders tobt. Weiterlesen

Afghanistan zeigt, wohin eine Politik ohne Demut führen kann

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petrus 5,5)

1989 – ich erinnere mich noch an das Aufatmen, als die Sowjetunion ihre widerrechtliche Besetzung Afghanistans zehn Jahre nach ihrem Einmarsch beenden musste. Es war das Aufatmen über die Grenzen der scheinbar Übermächtigen Nachbarn, der in seinem Hinterhof keinen Widerspruch duldete. Der Rückzug war Teil des Zerfalls der Sowjetunion und ihres überlebten staatssozialistischen Systems. Doch was für eine seltsame Koalition errang in den nächsten Jahren die Macht mit den von den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien und Pakistan unterstützten islamischen Guerillas, den sogenannten Mudschahedin? Weiterlesen

Verletzlich sein

Verletzlich sein

wahrnehmen, zulassen,
nicht nur stark sein und selbstbewusst,
zu sich stehen, Schmerzen ertragen,
sich eingestehen,
das Bild, das ich von mir habe
und das ich anderen zeige,
ist nur ein Teil von mir. Weiterlesen

Die Richtung bleibt

„Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ (Sprüche 31,8)

Was für ein diakonischer Spruch – der Monatsspruch für diesen Monat Mai aus dem biblischen Buch der Sprüche. Das trifft doch voll das Selbstverständnis vieler, die sich in Kirche und Diakonie engagieren. Dabei ist es egal, ob sie das beruflich oder ehrenamtlich tun. Entsprechend wird in der Konzeption unseres Essener Kirchenkreises schon in der Präambel betont: advocacy oder Anwaltschaft ist ein grundlegendes Ziel unseres Handelns. Denn, so die Begründung: „In [Jesus Christus] ist deutlich, dass Gottes Nähe und Zuwendung besonders den Entrechteten und Hilfsbedürftigen gilt. Ihnen zur Seite zu stehen ist Gottes besonderer Auftrag an uns.“ Weiterlesen

Alles geregelt?

Als Oma mit 106 Jahren starb, da sagte Irmgard allen, die es hören wollten oder nicht: „Ich habe meine Beerdigung geregelt! Ihr müsst euch um nichts kümmern!“ Sehr bestimmt sagte sie das – so, dass ich mich gar nicht traute, nachzufragen, auch zu fragen, ob nicht vielleicht ich…

So schrecklich lange kannten wir uns noch nicht. Sie war angeheiratete Verwandtschaft, aber ich hatte sie in mein Herz geschlossen. Ich mochte sie, weil sie so emanzipiert war mit ihren über achtzig Jahren, weil sie aufgeschlossen war, sich für alles interessierte und weil sie manchmal für mich eintrat gegen ihren Großcousin, meinen Mann, den sie gernhatte und für den sie da war, seit er auf der Welt war. Weiterlesen

Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden

Die Weisheit spricht: Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit. (Sprüche 8,23.29-30; in Auswahl)

Als Kind zog ich mit meinem Bruder regelmäßig zum Spielen in den Wald. Mit unserem Freund erkundeten wir jeden Winkel. Irgendwann wollten wir uns unsere eigene „Bude“ bauen. Einen Rückzugsort, wo wir ganz für uns waren. Erste Versuche auf und sogar unter der Erde haben Ältere kaputtgemacht. Dann aber fanden wir eine hohe Buche. Auf die kam man nur, wenn man erst auf einen kleinen Nachbarbaum kletterte und dann einen Ast als Brücke hinlegte. Da kam kein anderer hin. Weiterlesen

Gottes bedingungsloses ‚Ja‘

Wie gerne hätten wir auch in diesem Jahr einen ökumenischen Gottesdienst zum Buß- und Bettag gefeiert! In vielen Gemeinden sind diese Gottesdienste eine gute alte Tradition. Deshalb schadet es nicht, wenn wir uns noch einmal erinnern: diese ökumenischen (!) Gottesdienste am Buß- und Bettag blühten in besonderer Weise auf und wurden zum Symbol ökumenischer Solidarität, als der evangelische (!) Buß- und Bettag 1994 zugunsten der Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag aufgehoben wurde. Damals zu spüren: „das ist auch unseren katholischen Geschwistern nicht gleichgültig“, das war eine Wohltat. Weiterlesen

Eigentlich ganz einfach – und doch so schwer

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott, der Herr, von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)

Der Prophet Micha spricht das aus, was ich eigentlich weiß. Das, was mir als Christin klar sein müsste: Du weißt, was du tun sollst. Du bist Gottes geliebtes Kind. Er liebt dich, so wie du bist. Dessen kannst du gewiss sein. Du wirst geliebt. Immer und überall. Das macht dich frei und gibt dir Kraft: Gib seine Liebe weiter.

Liebe üben. Klingt ganz einfach, ist aber so schwer: Gottes Wort halten, immer und überall. Seine Gebote als ständige Richtschnur nehmen. Die Verantwortung, die Gott uns vor die Füße legt, übernehmen und dann nach besten Wissen und Gewissen, mit Glauben und Gottvertrauen das Leben gestalten. Weiterlesen