Zeit der Sehnsucht

Heile mich, HERR, dann bin ich geheilt, hilf mir, dann ist mir geholfen! (Jeremia 17,14)

Magst du den Herbst? Die Zeit der Farbenfröhlichkeit, in der der Himmel oft in intensivstem Blau strahlt, in der die Blätter der Bäume zu leuchten beginnen – mit einem Wind, der überall noch einmal Leben hineinpustet – und einem Wald, der nicht aufhört zu duften – eine Zeit, in der alle Sinne angesprochen werden?

Oder ist es für dich vielleicht auch die Zeit, in der du schmerzhaft spürst, dass die Tage wieder kürzer werden, dass Dunkelheit und Kälte zunehmen? Und wächst dann vielleicht in dir zugleich die Sehnsucht nach etwas, das du nicht greifen kannst, oder sogar ganz konkret die Sehnsucht nach einer Zeit, die vergangen ist, vielleicht auch nach Personen, die nicht mehr da sind? Weiterlesen

Zum Erntedankfest 2021

Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)

In diesen Tagen, die so gefüllt waren mit Wahlversprechen der vielen Parteien, mit unterschiedlichsten Inhalten, da könnte man vielleicht darauf kommen, auch diesen Satz wie eine Art Wahlslogan zu lesen. Nur dass er eben nicht von einer Partei stammt, sondern von Gott selbst. Und zwar in einer Situation, in denen sich die Menschen ziemlich gebeutelt und ratlos fanden. Vielleicht ganz ähnlich so, wie sich manche von uns auch heute fühlen.

Eine große Flut war über die Menschen hereingebrochen. Menschen, Tiere und Pflanzen, Gebäude und vieles mehr waren Wassermengen zum Opfer gefallen. Wenn wir uns die Bilder der Hochwasserkatastrophe vor einigen Wochen vor Augen führen, bekommen wir vielleicht eine Ahnung von dem, was damals wohl geschehen sein könnte. Viel Leid, große Zerstörung und ein mühseliger, langsamer Wiederaufbau… Und mitten in diesem Chaos meldet sich Gott nun mit seinem Versprechen, mit seiner Zusage. Weiterlesen

Gute Wünsche für die Sommerzeit

Am Morgen, als es noch dunkel war, verließ Jesus die Stadt. Er ging an einen einsamen Ort und betete dort. (Markus 1,35)

Es ist Sommerzeit – eine Zeit mit ganz spezifischen Geräuschen, Vogelgezwitscher vor allem morgens und abends und mit dem Zirpen von Grillen, eine Zeit voll duftender Rosen und dem besonderen Geruch, wenn Regen auf warmen Boden fällt… Eine Zeit, in der wir uns danach sehnen, hinaus in die Natur zu kommen, am liebsten natürlich an den Ferienstrand oder in die Berge. Aber ich glaube, auch wenn man zu Hause bleibt, gibt es viele Möglichkeiten, den Sommer zu genießen und Orte zu finden, an denen man abschalten und sozusagen die Seele baumeln lassen kann – auch hier, mitten in der Stadt. Wie wichtig diese sogenannten „Auszeiten“ sind, hat uns auch Jesus schon vorgelebt. Weiterlesen

Der Apostel Paulus war ein Körnerpicker wie wir alle

„Der Apostel Paulus war ein Körnerpicker wie wir alle“ – was soll das heißen? Ein einziges Mal wird Paulus im Neuen Testament so genannt, „Körnerpicker“, griechisch spermológos. Das berichtet oder denkt sich der Evangelist Lukas, des Apostels erster Biograph, aus und erzählt lebendig davon in seiner Apostelgeschichte, im Kapitel 17. Davon will ich jetzt berichten, so kurz es geht.

Als der Apostel Paulus in die berühmte Stadt Athen gekommen war, um hier Jesus Christus zu verkündigen und wo sein missionarischer Erfolg fast gleich Null gewesen ist, versäumte Lukas die Gelegenheit nicht, die Kenntnisse des Apostels in der jüdischen und hellenistischen Tradition auf diesem besonderen Terrain auszubreiten. Und der Evangelist weiß, warum! Auf der Agorá, dem Forum, dem Markt Athens, stellten weise Häupter wie Sokrates und andere ihre philosophischen Fragen und versuchten die Bürger zum Nachdenken zu bringen. Weiterlesen

Vieles ist möglich, wenn uns Gottes Wort nahe ist

Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5. Mose 30,14)

Am heutigen Sonntag geht es um die Ernsthaftigkeit im Glauben. In unserem Bibelvers meint das, Gottes Wort zu leben. Ich persönlich denke immer, dass ich das tue. Aber dann lese ich ein Gleichnis und mir fällt auf, dass ich mich meistens in der Position des Schwachen oder Ungläubigen wiederfinde. Der seinen Besitz nicht abgeben will. Der Vorurteile hat. Der sich selbst zu wichtig nimmt. Vielleicht lehne ich mich weit aus dem Fenster, aber ich behaupte, das geht uns allen oft so.

Wir kennen Gottes Gebote. Wir kennen Jesu Gleichnisse. Und wir wissen, was uns das Wort sagt. Wir wissen, was eigentlich richtig wäre. Aber wir wissen auch, das entspricht nicht der Natur des Menschen. Wir sind es gewohnt zu kämpfen, um mehr zu haben, weiter zu kommen, höher zu steigen. Dabei bleibt ganz oft die Menschlichkeit auf der Strecke. Denn um Menschlichkeit geht es in allen diesen Stellen. Das klingt hart, oder? Weiterlesen

Weinklang

Jesus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. (Johannes 15,1+5)

Erntedank – wir sehen auf die Ernte des Jahres und erinnern uns daran, dass Gott die Erde mit allem was darauf ist, geschaffen hat, damit seine Schöpfung auf ihr Bestand hat. Schöpfungszeit – wir loben Gott, den Schöpfer, und bedenken, wie wir seine Schöpfung erhalten können. „Weinklang“ – so sind die Gedanken der Schöpfungszeit in diesem Jahr überschrieben. Weiterlesen

Dankbarkeit

Ich bin so… antriebslos, hat er gesagt, als er nach seinen Untersuchungen völlig geschafft in meinem Büro sitzt. Weißt Du, ich habe so gar keine Lust mehr… zu nichts… eigentlich noch nicht einmal zum Wegfahren. Und während er das sagt, schaut er mich ganz traurig an. Du kennst mich doch. Sonst mache ich doch auch mal ein paar Witzchen, schreibe etwas Lustiges, aber nichts. Geht nicht. Ich weiß nicht…

Beide schauen wir betröppelt aus der Wäsche, so hätte es meine Großmutter formuliert. Beide hängen wir unseren Gedanken nach, schweigen gemeinsam. Und dann sage ich, ja, das geht mir auch so. Alles ist im Moment irgendwie anders. Die Zeit rast ohne das wirklich etwas passiert. Ich fühle mich auch sehr angestrengt im Moment, die Zeit ist schwer. Weiterlesen

Ein Perspektivwechsel für unser Morgen

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2, irgendwo in China entstanden aus einer unheimlichen Begegnung zwischen einem nicht so weisen Menschen und einem seltsamen Tier, hat den menschlichen Körper gekapert. Und das so effektiv, dass es binnen weniger Monate weit über vier Millionen Menschen weltweit befallen und eine kaum abzuschätzende Zahl von ihnen getötet hat. Es manipuliert Menschen in ihrem Innersten und zwingt sie, ein anderes Leben zu führen, als ihnen lieb ist. Sars-CoV-2 hat sich gerade zum Herrscher über die Welt aufgeschwungen. Weiterlesen

Wie ein Lachen

Wie ein Lachen, wie ein Vogelflug steigt ein Lied zum Himmel auf. Und ich staune, mir wird leicht; Gottes Flügel tragen weit. (Birgit Kley)

Auch kalendarisch hat der Sommer begonnen. Die Sonne scheint, es wird immer wärmer, alles blüht in satten Farben, alle Büsche und Bäume sind grün. Und… die Sommerferien beginnen. Eigentlich ist es die Zeit, auf die wir uns meistens freuen, denn wir verbinden sie mit Urlaub, auf Reisen gehen, etwas anderes erleben, eine Auszeit nehmen, die Seele baumeln lassen, sich erholen. Doch für die meisten Menschen haben sich die Urlaubspläne verändert, der ursprünglich geplante Urlaub kann doch nicht angetreten werden, manche Ziele haben sich geändert, manche von uns bleiben auch Zuhause. Weiterlesen

Viele Wahrheiten – ein Gott | In Zeiten von Corona #18

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! Herr, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. (Psalm 89,16) – Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8-9) | Herrnhuter Tageslosung für den 3. April 2020

Wo es Kinder des Lichts gibt, muss es auch Kinder der Finsternis geben? Die Kirchengeschichte zeigt, dass man diese Konsequenz nur allzu oft mit logischer Folgerichtigkeit und mit grausamen Folgen gezogen hat. Die ersten Opfer solcher Auslegung unserer Tageslosung waren die Jüd*innen; welche Blutspur das nach sich zog, ist bekannt. Später wurden unzählige Männer und Frauen von den unterschiedlichsten Inquisitoren gefoltert und gequält, damit ihr dunkles Wesen ans Licht gezerrt würde. Weiterlesen