Die große Hoffnung

Am vergangenen Sonntag, dem 1. Advent, endete mein Berufsleben. Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, Ewigkeitssonntag und Advent: Das ist mein Thema seit Wochen schon. In unserem Kirchenjahr feiern wir, dass die Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung und mit seinen Menschen, auch mit uns, ein Ziel hat. Also nicht Wiederkehr des immer Gleichen, kein Kreislauf, sondern eine Geschichte mit einem guten Ausgang. Weiterlesen

Es kommt noch etwas nach

Schon lange war die Mutter erkrankt, schwer erkrankt; und die Kinder kümmerten sich wirklich gut um sie. Sie musste nicht mehr selber einkaufen oder die Wohnung putzen, nach der Arbeit kam die Tochter und kümmerte sich um alles, half mit dem Sauerstoffgerät und der Bruder und sie überlegten immer wieder, wie sie der Mutter eine Freude machen konnten.

Und dann kam das, womit alle schon gerechnet hatten, was bei dieser Erkrankung auch nicht aufzuhalten war, die Mutter musste ins Krankenhaus, lag auf der Intensivstation und die Ärzte machten keine Hoffnung. Entscheidungen standen an, die die Familie im Vorfeld schon miteinander besprochen hatte, aber es fiel schwer, sehr schwer. So am Rande des Lebens, so mit der Endgültigkeit konfrontiert, trotz ärztlicher Begleitung und Freunden an der Seite, dem Wissen dass, egal was man jetzt noch macht, es der Mutter nicht besser gehen wird, man nicht helfen kann, dass die Mutter es auch so wollte, wenn es keine Hoffnung auf Besserung gibt. Weiterlesen

Paulus hätte sich gefreut

Gott ist mein Zeuge: Kein Wort, das ich euch sage, ist Ja und Nein zugleich! Denn Jesus Christus, der Sohn Gottes … war nicht Ja und Nein zugleich. In ihm ist das reine Ja Wirklichkeit geworden. (2. Korinther 1,18f.)

Zuverlässigkeit ist eine ganz wichtige Tugend. Das geht Paulus auch schon so. Die Situation damals: Paulus hatte der Gemeinde in Korinth zugesagt, dass er sie besuchen wolle, vielleicht sogar für „einige Zeit … vielleicht sogar den Winter über“. Aber es gab Auseinandersetzungen um richtiges Verhalten. Dazu hat Paulus dann einen deutlichen Brief geschrieben, der nicht bei allen gut ankam. Seine Autorität wurde in Frage gestellt. Wie kommt der eigentlich dazu? Dann verzichtete Paulus lieber auf den Besuch. Er befürchtete, dass der Streit sich ausweiten könne. Dabei wurmt ihn ein Vorwurf besonders. Einige in Korinth sagen, dass Paulus unzuverlässig sei, der redet heute so und morgen so. Weiterlesen

Gebet – unbezahlbar

Wenn ich an das Gebet denke in dieser Zeit, dann bin ich so dankbar, dass ich so zu Gott sprechen kann. In unvorstellbar kurzer Zeit hat ein Virus unsere Welt vollständig aus den Angeln gehoben. Was haben plötzlich die Sorge um meine Gesundheit, die Isolation und existenzielle Ängste in dieser Krise für eine Macht. Wie gern würden wir einfach zur Tagesordnung übergehen und können es nicht.

Wie hat es da Bonhoeffer in seinem Lied beschrieben, „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“, Worte, die plötzlich eine ganz neue Tiefe und Bedeutung bekommen, wie sehr wünschen wir uns das. Ist es da nicht wertvoll bzw. unbezahlbar, im Gebet dieses alles an unseren Vater im Himmel abgeben zu können? Weiterlesen

Dankbarkeit

Ich bin so… antriebslos, hat er gesagt, als er nach seinen Untersuchungen völlig geschafft in meinem Büro sitzt. Weißt Du, ich habe so gar keine Lust mehr… zu nichts… eigentlich noch nicht einmal zum Wegfahren. Und während er das sagt, schaut er mich ganz traurig an. Du kennst mich doch. Sonst mache ich doch auch mal ein paar Witzchen, schreibe etwas Lustiges, aber nichts. Geht nicht. Ich weiß nicht…

Beide schauen wir betröppelt aus der Wäsche, so hätte es meine Großmutter formuliert. Beide hängen wir unseren Gedanken nach, schweigen gemeinsam. Und dann sage ich, ja, das geht mir auch so. Alles ist im Moment irgendwie anders. Die Zeit rast ohne das wirklich etwas passiert. Ich fühle mich auch sehr angestrengt im Moment, die Zeit ist schwer. Weiterlesen

Sabbat oder Sonntag?

Wie verbringen Sie Ihren freien Tag in der Woche, den Sonntag? Wahrscheinlich haben Sie auch – wie wir fast alle – Mosaikstücke des jüdischen Sabbats und des christlichen Sonntags. Fangen wir mit den Bibeltexten an:

2. Mose 20,8ff: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles was darinnen ist und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“ Weiterlesen

Gott sagt meiner Angst Bescheid | In Zeiten von Corona #13

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142,4) – Gelobt sei Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller Bedrängnis (2. Korinther 1,3-4) | Herrnhuter Tageslosung für den 29. März 2020

Über die Angst weiß ich Bescheid, seit es mich gibt. Gezeugt von einem Mann, den sie mit 16 Jahren von der Schulbank weg in den Krieg geschickt hatten und herangereift im Leib einer Frau, die zahllose Bombennächte in Kellerlöchern verbracht hatte – hat sich die Angst in meine neuronalen Netze eingezeichnet, bevor ich geboren wurde.

Ich wuchs heran in dem Kokon der neurotischen Ängste meiner Mutter. Ich habe sie bei unzähligen Arztbesuchen begleitet, weil jedes kleinste Unwohlsein für sie die Gewissheit bedeutete, lebensbedrohlich erkrankt zu sein, und über den Teppich im Wohnzimmer durften wir nicht laufen, denn die Fransen mussten exakt ausgerichtet dort liegenbleiben, wo sie sie nach ihren Kämmaktionen positioniert hatte. Das endete erst, als mein Vater einen Teppichboden verlegte. Weiterlesen

Über die Verletzlichkeit menschlicher Beziehungen | In Zeiten von Corona #3

Der Herr wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde. (2. Könige 13,23) – Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (Römer 11,29) | Herrnhuter Tageslosung für den 19. März 2020

Die Corona-Krise erinnert uns an unsere Verletzlichkeit. Was wir gerade erleben, lässt uns spüren, dass wir Naturwesen sind – gemacht aus vergänglichem Staub, wie es in der Bibel ausgedrückt wird. Jederzeit kann es zu Ende sein, jederzeit kann es mich treffen, ich kann es nicht wirklich beeinflussen, was auf mich zukommt.

Unsere Tageslosung spricht nun davon, dass Gott sich mit dem endlichen Staub-Wesen Mensch verbindet; eine liebevolle Bindung eingeht. Weiterlesen

Warum ich dankbarer leben will

„Denn alles, was Gott geschaffen hat,  ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet“ (1. Timotheus 4,4-5).

Erntedank hat in erster Linie etwas mit Danken zu tun und in den vergangenen Jahren war das bei mir auch so, aber in diesem Jahr ist irgendwie alles anders. In diesem Jahr hat dieses Fest, das wir am kommenden Sonntag feiern und das ich eigentlich so liebe – einfach auch, weil ich die Farben im Oktober so gern habe, das Gelb, Orange und Rot, das satte Grün und auch das Braun – in diesem Jahr hat Erntedank bei mir auch etwas mit Scham und Schämen zu tun.

Angefangen hatte es ganz unscheinbar vor Wochen. Mir war alles zu viel, irgendwie ging mir alles auf die Nerven. Angefangen von dem ganzen Nippes, der sich im Laufe eines Lebens so ansammelt, Bücher, Kleidung usw. Also habe ich beschlossen, etwas zu ändern, klagen kann ich ja, aber dabei wollte ich nicht stehen bleiben. Und deshalb habe ich für mich die Parole ausgegeben, dass ich zu Hause bei mir selbst anfangen wollte. Generalstabsmäßig anfangen wollte, nicht nur halbherzig wie sonst. Weiterlesen

Der Mensch denkt und Gott lenkt

„Naaa… was möchtest du denn mal werden?“ fragt die ältere Dame und tätschelt dem kleinen Jungen die Wange. „Lokomotivführer!“ strahlt er. So war das damals zu Zeiten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Anno 1960.

Ja, damals musste man sich bei der Berufswahl auch oft noch nach den Wünschen der Eltern richten. Heute ist der Traumberuf des Lokomotivführers mit einer viel umfangreicheren Ausbildung verbunden. Heute – im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung – ist die Welt viel kleiner geworden und die Auswahl der Berufe viel größer und komplexer. Weiterlesen