Am 6. September wurde in Sachsen-Anhalt gewählt. Das Ergebnis ist da, und es tut weh. Ich spreche zu Ihnen als Diakoniepfarrer unserer Stadt. Als Diakonie und Evangelische Kirche blicken wir heute mit großer Sorge auf die politische Entwicklung in unserem Land. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei hat über 40 Prozent der Stimmen bekommen. Viele von uns, die täglich für die Schwächsten in unserer Gesellschaft arbeiten, fühlen heute Enttäuschung oder gar Angst. Doch genau deshalb stehen wir hier. Unser Einsatz ist wichtiger denn je! Unser Aufschrei ist wichtiger denn je! Weiterlesen
Schlagwortarchiv: Gewalt
Christlicher Realismus
Wie lernen Schauspieler Texte? Indem sie sie zerteilen. Es braucht dann nur noch Stichwörter, um die Texte lebendig werden zu lassen. Nicht anders funktioniert unser Denken. Ein Stichwort poppt in uns auf, und sofort läuft eine Geschichte ab. Oft können wir sie bewusst kaum aufhalten.
Die Frage ist also, welche Stichwörter zu welchen Geschichten sind in unserem Kopf. Um meinem Denken nicht ausgeliefert zu sein, habe ich es mir angewöhnt, kurze Texteinheiten auswendig zu lernen. Indem ich auf sie zurückgreife, gebe ich meinem Denken eine Richtung, die mir guttut. Weiterlesen
Gewalt kommt nicht in die Tüte
In meiner Eigenschaft als Superintendentin der Evangelischen Kirche in Essen bin ich in diesem Jahr Schirmfrau der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Darüber freue ich mich außerordentlich! Mein Dank gilt allen, die sich für diese Initiative eingesetzt haben und weiterhin engagieren – insbesondere den Bäckereien, die dieses Thema in unsere Stadt tragen.
Denn eines ist klar: es ist heute kein Tag zum Feiern, sondern ein Tag, der unsere Verantwortung für Frauen und ihr Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit deutlich macht – heute und auch in Zukunft. Weiterlesen
Befreiung. Vergebung. Frieden.
Israelsonntag. Meine spontane Reaktion ist: Ich mache im Gottesdienst einfach etwas anderes. Bloß dieses Thema nicht. Vermintes Gelände. Kann ich dazu irgendetwas sagen, ohne dass ein Shitstorm mich trifft? Woher auch immer? Aber dann: Meine Furcht vor dem Thema zeigt ja eigentlich – dass wir drüber reden müssen. Gerade WEIL es so schwierig ist.
Und ich sah ein Interview mit Joachim Gauck bei Markus Lanz. Lanz fragt ihn nach seiner Position nach Israel. Gauck holt tief Luft. Er sagt, dass es natürlich nicht geht, was Israel in Gaza macht. Er sagt aber auch: Diese Worte presse ich aus mir hervor, ich bringe es kaum über die Lippen. Man sieht, wie er körperlich damit ringt, es auszusprechen. So geht es mir auch. Ich presse es aus mir heraus: Kritik an Israel. Weiterlesen
Achtzig Jahre nach Kriegsende: Erinnerung an das Massaker der SS in Sant’Anna di Stazzema
Viele gute und nachdenkliche Veranstaltungen wird es zum 8. Mai geben. Wenn ich noch könnte, hätte ich gerne eine Veranstaltung gemacht mit einem schrecklichen Inhalt. Es handelt sich um das Massaker, das SS-Einheiten zum Kriegende im toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema durchführten. Weiterlesen
Das Kriegsende in Essen, Teil 3: Die Kreissynode vom 13. Mai 1945
Schon unmittelbar nach Kriegsende, am 13. Mai 1945, tagte in Essen die Kreissynode der Essener evangelischen Kirchengemeinden. Es war vermutlich die erste Versammlung einer evangelischen Synode in Deutschland nach Ende der Naziherrschaft. Am 27. April 1945, also noch vor der endgültigen Kapitulation des Deutschen Reiches, wurden die Kirchengemeinden zu dieser Synode eingeladen. Weiterlesen
Das Kriegsende in Essen, Teil 2: Von der Einkesselung des Ruhrgebiets bis zu den ersten Tagen unter alliierter Militärregierung
Begonnen hatte die Einkesselung des Ruhrgebietes mit den beiden Rheinübergängen der amerikanischen, bzw. amerikanisch britischen Armeen: am 9. März in Remagen und am 24. März mit der verlustreichreichen Luftlandeoperation der 17. Airbone Division bei Wesel. Das Ruhrgebiet sollte nun vom Süden und vom Westen her im Norden eingekesselt werden. Weiterlesen
Das Kriegsende in Essen, Teil 1: Bis zur Einkesselung des Ruhrgebiets
Schon am 11. September 1944 hatten amerikanische Truppen im Westen die Grenze des Deutschen Reiches überschritten. Aachen fiel als erste deutsche Großstadt in die Hände der Alliierten. Im Oktober 1944 erreichte die Rote Armee in Ostpreußen die Reichsgrenze. Weiterlesen
Glaubwürdigkeit ist das Schwerste – Zum 80. Todestag von Dietrich Bonhoeffer
1. „14.4.1943. Liebe Eltern! Vor allem müsst Ihr wissen und auch wirklich glauben, dass es mir gut geht. Leider kann ich es Euch erst heute schreiben, aber es war wirklich die ganzen zehn Tage so.“
So unspektakulär, so privat beginnt der erste Brief Dietrich Bonhoeffers aus der Militärabteilung des Gefängnisses Berlin-Tegel. Dorthin war er nach seiner Verhaftung am 5. April 1943 gebracht worden. Er wäre sicher überrascht gewesen, hätte ihm damals jemand gesagt, welche Wirkungen seine Briefe an seine Eltern und an seinen besten Freund Eberhard Bethge einmal haben würden. Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Alter von 39 Jahren wegen seiner Beteiligung an der Vorbereitung des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. In diesem Jahr gedenken wir seines 80. Todestages. Weiterlesen
Das Schaf am Strand

Ein Schaf! Am Strand! Wie kommt ein Schaf in diese Umgebung? Ich habe nachgeforscht: Es gibt tatsächlich Schafe, die in der Nähe des Meeres oder sogar an Stränden leben. Sie fressen salzhaltige Pflanzen und Gräser und kommen mit dem rauen Klima gut klar: zum Beispiel das Texel-Schaf oder das Gotland-Schaf, das Salzwiesenschaf und auch die Heidschnucke.
Nur: Die sehen alle ganz anders aus als unser Schaf auf dem Foto. Sie haben einen dunklen Kopf – oder überhaupt dunkles Fell. Und sie sehen deutlich zerzauster aus. Klar, Sie müssen ja auch tagein-tagaus dem rauen Klima und vor allem den Winden trotzen. Unser Schaf dagegen ist ein ganz normales Wiesenschaf aus dem Binnenland. Weder ist es die rauen Winde gewöhnt noch die harten Pflanzenstängel und Gräser, die an der Küste wachsen. Nachdenklich sieht es uns an. Als wollte es sagen: Ich habe auch keine Ahnung, wie ich hierher verschlagen wurde. Weiterlesen