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Frieden auf Erden???

7:1! Das ist nicht das Torverhältnis, mit dem der FC Bayern München am letzten Oktoberwochenende seinen Gegner in der Bundesliga besiegte. Nein, es war das mengenmäßige Verhältnis von zwei Demonstrationen, die am gleichen Wochenende zur Frage des laufenden Nahost-Krieges in München stattfanden. Wohlgemerkt, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Pro-Palästina-Demonstration waren sieben Mal mehr als die der Israel-Solidaritäts-Demonstration: 7000 zu 1000 Personen.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir in Deutschland ein gravierendes Problem mit Antisemitismus bzw. Antizionismus haben. Und dafür gibt es wesentlich mehr Anzeichen als die ungleiche Zahl von Personen, die in München auf die Straße gegangen sind.

Schon wieder die alte Leier? Ja und nein, denn das Problem war in Deutschland nie verschwunden und zeigt sich gegenwärtig in teils neuem Gewand. Vor allem aber: Judenfeindschaft ist eine Erscheinung, die uns als politische Bürger dieses Staates und als Christenmenschen in den Kirchengemeinden dringend etwas angeht.

Schaut man sich die Parolen und Argumente an, die auf Pro-Palästina-Demonstrationen vorgebracht werden, so hört man Sätze wie „Free Palestine“ oft – wenn die Polizei nicht hinhört mit dem Zusatz „from the river to the sea“. Auf deutsch: Befreit Palästina vom Fluss – gemeint ist der Jordan – bis zum Meer – also, dem Mittelmeer. Die Rede ist also vom gesamten Staatsgebiet Israels inklusive des besetzten Westjordanlandes.

In früheren Zeiten lautete die gleiche Parole: Treibt die Juden ins Meer!   Beide Forderungen haben dasselbe Ziel: Die vollständige Auslöschung des jüdischen Staates und die physische Vernichtung aller Jüdinnen und Juden. Also nichts anderes als die Fortführung des Völkermordes, den deutsche Nationalsozialisten in den Gaskammern von Auschwitz und anderswo begangen haben!

Nur zur Erinnerung: Die Hamas hat am 7. Oktober 1400 Juden und Jüdinnen auf grausame Weise ermordet und viele Menschen in den Gaza-Streifen entführt. Das schlimmste Massaker seit der Shoa.

Wie kann es zu solchen Ungeheuerlichkeiten kommen?

Das hat viel mit der Geschichte des Christentums, aber auch mit der Geschichte der Deutschen und Europäer zu tun. „Die Juden haben unseren Christus getötet“, war der Slogan, der den jüdischen Gemeinden durch das gesamte Mittelalter hindurch entgegengeschleudert wurde. Also nahm man in unzähligen Pogromen Rache an „den“ Juden. Verbunden waren diese Exzesse z.T. mit der Vorstellung, erst nach dem völligen Verschwinden der Juden, sei eine vollständige Erlösung der Christen möglich.

Eine Vorstellung, die die Nazis übernommen haben. Für sie war die Herrschaft der arischen Rasse erst nach der Vernichtung des „Weltjudentums“ vorstellbar. Hitler hatte übrigens sehr gute Kontakte zu antisemitischen Arabern unter Führung des Muftis von Jerusalem, al-Husseini, wo die Vernichtungsphantasien der Nazis auf fruchtbaren Boden fielen.

Die Hamas und andere radikal-islamistische Organisationen sind die Kinder dieses Gedankenguts. Sie befürworten den Gottesstaat, wie im Iran, der sie stützt und finanziert, und wollen die Gottesherrschaft im Nahen Osten und darüber hinaus durchsetzen. Die Hamas bringt Andersdenkende um und ist an keinerlei humanistische Vorstellungen gebunden.

Sie baut ihre Zentralen und Kommandostände unter Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen und benutzt die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilde, was ein Verstoß gegen das internationale Kriegsrecht ist. Ihre Tunnel beherbergen gut gefüllte Lager an Lebensmitteln und Kraftstoff, während die eigene Bevölkerung dem Elend ausgesetzt ist. Die Hamas nimmt bewusst den Tod der eigenen Bevölkerung in Kauf und instrumentalisiert ihn für ihre Zwecke.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen bei uns in Deutschland – aber auch an vielen anderen Stellen in der Welt – nicht in der Lage sind, sich ein ausgewogenes Bild des Konfliktes zu verschaffen. Mehr noch, wie viele Menschen auf die Propaganda der Hamas, die ihre eigene Bevölkerung in Gaza doch selbst als Geiseln nimmt, hereinfallen und ganz offensichtliche Fakten bewusst ignorieren.

Israel wird als entmenschlichte Bestie dargestellt, dabei geht die Aggression und die Bestialität genau umgekehrt von der Hamas aus. Was freilich nicht bedeutet, dass es auf israelischer Seite nicht einiges zu kritisieren gäbe. Aber, der Staat Israel befindet sich in einem Dilemma: Er ist an das humanitäre Völkerrecht gebunden, aber um seine Existenz zu verteidigen, ist er gezwungen, einen Krieg zu führen, in dem er in Situationen kommt, in denen er das Völkerrecht gar nicht beachten kann.

Die Hamas trägt die Hauptverantwortung dafür!

Was bedeutet das alles für uns als politische Bürger der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere als evangelische Christen in Essen?

Zum einen, auf der religiösen Ebene, dies: Nach der unseligen Geschichte christlicher Judenfeindschaft durch die Jahrhunderte ist es zu einer Besinnung und Umorientierung in vielen christlichen Kirchen gekommen. Israel, der Staat Israel, wird als „bleibendes Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk“ (Beschluss der Synode der Ev. Kirche im Rheinland, 1980) erkannt. Daran gilt es zu erinnern. Das muss unser Handeln als Christen leiten.

Zum anderen, auf der politischen Ebene: Wir sind den Menschenrechten verpflichtet, überall! Dort, wo Menschen getreten, entrechtet und gequält werden, müssen wir unsere Stimme erheben, überall. Wir müssen aber auch bereit sein, zu kämpfen für den Erhalt von politischen Systemen, die sich dieser Grundlage der Menschenrechte und Demokratie verpflichtet fühlen, überall!

Das stellt eine besondere Verpflichtung dar, der es zu entsprechen gilt, auf dem Katernberger Markt und auf allen Plätzen unserer Stadt! Wir dürfen nicht schweigen!

Gunter Schwachenwalde

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