Am 6. September wurde in Sachsen-Anhalt gewählt. Das Ergebnis ist da, und es tut weh. Ich spreche zu Ihnen als Diakoniepfarrer unserer Stadt. Als Diakonie und Evangelische Kirche blicken wir heute mit großer Sorge auf die politische Entwicklung in unserem Land. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei hat über 40 Prozent der Stimmen bekommen. Viele von uns, die täglich für die Schwächsten in unserer Gesellschaft arbeiten, fühlen heute Enttäuschung oder gar Angst. Doch genau deshalb stehen wir hier. Unser Einsatz ist wichtiger denn je! Unser Aufschrei ist wichtiger denn je! Weiterlesen
Schlagwortarchiv: Solidarität
Happy Birthday, Grundgesetz!
Heute feiern wir den 77. Geburtstag unseres Grundgesetzes. 77 Jahre Freiheit. 77 Jahre Menschenwürde. 77 Jahre Demokratie in Deutschland. Ich spreche heute zu Ihnen als Superintendentin der Evangelischen Kirche in Essen und als Sprecherin der Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt.
Wer sind wir, die Allianz? Wir sind ein Bündnis der Zivilgesellschaft in Essen. Gegründet im Jahr 2016 – in einer Zeit, in der viele Geflüchtete nach Deutschland kamen und manche versuchten, Ängste gegeneinander auszuspielen. Damals haben wir gesagt: Nicht mit uns. Weiterlesen
Gewalt kommt nicht in die Tüte
In meiner Eigenschaft als Superintendentin der Evangelischen Kirche in Essen bin ich in diesem Jahr Schirmfrau der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Darüber freue ich mich außerordentlich! Mein Dank gilt allen, die sich für diese Initiative eingesetzt haben und weiterhin engagieren – insbesondere den Bäckereien, die dieses Thema in unsere Stadt tragen.
Denn eines ist klar: es ist heute kein Tag zum Feiern, sondern ein Tag, der unsere Verantwortung für Frauen und ihr Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit deutlich macht – heute und auch in Zukunft. Weiterlesen
Zehn Jahre „Wir schaffen das“
„Wir schaffen das!“ ist in diesen Tagen medial wieder in aller Munde. Der Ausspruch stammt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz am 31. August 2015 im Hinblick auf die extrem hohe Zahl von Flüchtlingen in Europa in 2015 und 2016 und deren Aufnahme in Deutschland. Wörtlich sagte die Bundeskanzlerin: „Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“ Ihr Satz hat eine unglaubliche Karriere gemacht.
Um zwei Extreme aus der Anfangszeit zu benennen: Der Journalist Deniz Yükcel erklärte die Worte der Kanzlerin im Februar 2020 „zum schönsten Kanzlersatz seit Willy Brandts ‚Mehr Demokratie wagen‘.“ Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD für die Bundestagswahl 2017, hingegen verkündete schon im Oktober 2015 “Wir wollen das gar nicht schaffen“. Weiterlesen
Luft holen! Fünf Jahre nach der ersten Corona-Toten in Essen
„Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik“ ist das Motto für die evangelische Fastenaktion „Sieben Wochen Ohne“ 2025. Seit Aschermittwoch lassen sich Christen auf diese Woche bis Ostern begleiten, anregen, irritieren, um neu auf ihr Leben zu schauen.
Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass vor fast genau fünf Jahren in Essen die erste Tote zu beklagen war, die an oder mit COVID-19 gestorben ist. Da blieb einem Menschen im wahrsten Sinnen die Luft weg – und unsere Gesellschaft stand vor der Gefahr, in Panik zu geraten. Ich bin überrascht und auch befremdet, wie wenig die Corona-Pandemie und der Umgang mit ihr nach fünf Jahren öffentlich bedacht werden. Weiterlesen
Ein Fenster zur Welt
Vor dreißig Jahren, am ersten Freitag im März 1995, habe ich als junge Vikarin den Weltgebetstag der Frauen kennengelernt. Damals kamen die Texte für den Gottesdienst aus Ghana. Seitdem hat mich die Begeisterung für diese weltweit größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen nicht mehr losgelassen.
Es geht hier um viel mehr, als nur um einen Gottesdienst einmal im Jahr. Es geht auch darum, den Blick zu weiten und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe in all diesen Jahren Länder und Kulturen kennengelernt, mit denen ich mich sonst vermutlich nie beschäftigt hätte, wie zum Beispiel Surinam oder Vanuatu. Hintergrundinformationen gehören immer dazu und auch Lieder erklingen in landestypischen Melodien. Manchmal kann man auch besondere Spezialitäten kosten. Weiterlesen
Zum Wochenende: Geh aus, mein Herz, und suche Freud
Geh aus, mein Herz, und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit. (Paul Gerhardt 1653, EG 503)
Ein Lied,
eine Melodie,
Hoffnungsbilder,
die ermutigen sollen.
Gerade in einer Welt,
in der vieles schief läuft,
sich immer noch wenige
auf Kosten anderer
ein schönes Leben machen.
Damals wie heute. Weiterlesen
Karfreitag: Die Opfer in unsere Mitte holen
Karfreitag erinnern wir uns als Christinnen und Christen an den gewaltsamen Tod Jesu. Sein Tod wird in der Bibel ausführlich beschrieben und dokumentiert. Verhaftung, Verhör, Demütigung, Tod werden klar als Unrecht benannt. Weiterlesen
Frieden auf Erden???
7:1! Das ist nicht das Torverhältnis, mit dem der FC Bayern München am letzten Oktoberwochenende seinen Gegner in der Bundesliga besiegte. Nein, es war das mengenmäßige Verhältnis von zwei Demonstrationen, die am gleichen Wochenende zur Frage des laufenden Nahost-Krieges in München stattfanden. Wohlgemerkt, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Pro-Palästina-Demonstration waren sieben Mal mehr als die der Israel-Solidaritäts-Demonstration: 7000 zu 1000 Personen.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir in Deutschland ein gravierendes Problem mit Antisemitismus bzw. Antizionismus haben. Und dafür gibt es wesentlich mehr Anzeichen als die ungleiche Zahl von Personen, die in München auf die Straße gegangen sind. Weiterlesen
Zum Erntedankfest 2021
Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)
In diesen Tagen, die so gefüllt waren mit Wahlversprechen der vielen Parteien, mit unterschiedlichsten Inhalten, da könnte man vielleicht darauf kommen, auch diesen Satz wie eine Art Wahlslogan zu lesen. Nur dass er eben nicht von einer Partei stammt, sondern von Gott selbst. Und zwar in einer Situation, in denen sich die Menschen ziemlich gebeutelt und ratlos fanden. Vielleicht ganz ähnlich so, wie sich manche von uns auch heute fühlen.
Eine große Flut war über die Menschen hereingebrochen. Menschen, Tiere und Pflanzen, Gebäude und vieles mehr waren Wassermengen zum Opfer gefallen. Wenn wir uns die Bilder der Hochwasserkatastrophe vor einigen Wochen vor Augen führen, bekommen wir vielleicht eine Ahnung von dem, was damals wohl geschehen sein könnte. Viel Leid, große Zerstörung und ein mühseliger, langsamer Wiederaufbau… Und mitten in diesem Chaos meldet sich Gott nun mit seinem Versprechen, mit seiner Zusage. Weiterlesen