Bei Gott ist alles etwas anders

Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt… Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. (1. Korinther 2,6f.)

Als wir uns Weihnachten zum Gottesdienst trafen, da sagte sie, kaum, dass ich sie begrüßt hatte: Es tut mir leid! Ich habe es nicht geschafft, mich für diesen Gottesdienst besonders fein zu machen.

Ganz betroffen schaute ich an mir herunter, stellte fest, dass ich auch nur sonntäglich gekleidet war, und dann blickten wir gemeinsam auf unsere schöne Krippe, wo das Jesuskind lieb lächelnd in seiner Krippe lag, und lächelten auch. Denn so schön diese Holzfiguren auch sind, so edel sie irgendwie herüberkommen und so sauber auch das Stroh aussieht, das wir um die Krippe herum gelegt hatten: das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott zu uns auf die Erde nicht in großartiger Herrlichkeit kam, nicht im Sonntagsstaat oder Festtagskleidung, sondern in den Schmutz und Dreck unserer Welt. Weiterlesen

Nehmt die Hoffnung mit!

Wir haben gerade Weihnachten gefeiert. Hoffentlich hatten Sie ein paar schöne Tage, auch wenn sie sicherlich ganz anders waren als in den Jahren zuvor. Aber jetzt ist Weihnachten vorbei. Viele Menschen haben schon den Weihnachtsbaum nach draußen gestellt und die Dekoration weggepackt bis zum Ende dieses Jahres. Das neue Jahr 2021 hat angefangen. Heute ist jedoch noch einmal ein besonderer Tag: der Königstag. Normalerweise ziehen an diesem Tag die Sternsinger durch die Straßen und schreiben den Segen an die Türen. Weiterlesen

Weihnachten bedeutet, sich mutig auf den Weg zu machen

Alle waren sie unterwegs – alle Jahre wieder eine Zeit im Ausnahmezustand, mit dem Ziel, dass es stimmungsvoll, gemütlich, besinnlich sein sollte. Wohin sind wir auf dem Weg? Es war klar, es würde nicht so sein wie immer. Nicht: „Alle Jahre wieder!“ Die vergangenen Monate und auch das, was uns in Corona-Zeiten zukünftig erwartet, machen deutlich: es ist alles anders und es wird zukünftig alles anders sein.

Die Weihnachtszeit ohne gesellige Weihnachtsbäckerei, Familien-Freund*innentreffen,  Weihnachtsmarktseligkeit. Kein Weihnachten in großer, geselliger Runde mit vielen Geschenken – die persönlich an so viele liebe Menschen nicht überreicht werden konnten… Kirche voll besetzt an Heiligabend – den Weg könnt ihr euch sparen! Gibt es nicht! Volltönendes „O du fröhliche …“ „Stille Nacht“ gibt es dort nicht! Es war nicht mehr so, wie es immer war… Was bleibt von Weihnachten, wenn sich alle Seligkeit, aller heiliger Schauer nicht wie sonst einstellen, weil es nicht so ist wie bisher? Weiterlesen

Mein Wunsch: Frieden auf Erden!

Weihnachten wird als das große Fest des Friedens gefeiert. Doch was bedeutet die Hoffnung von Weihnachten in einer friedlosen Welt? Was würde fehlen, wenn es Weihnachten nicht gäbe? Und welche Provokation bedeutet Weihnachten? Auch, wenn die Engel auf den Feldern Bethlehems den „Frieden auf Erden“ ausrufen, verweist dieser weihnachtliche Frieden auf den andauernden Skandal, dass diese Sehnsucht auch im 21. Jahrhundert an vielen Orten der Erde noch immer unerfüllt ist, obwohl alle Mitglieder der Staatengemeinschaft mit der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen feierlich eine universale Ächtung des Krieges ausgesprochen und auf den Einsatz jeder Art von militärischer Gewalt verzichtet haben.

Was ist Frieden? Wie wird Frieden? Wo in unserer Bibel Frieden steht, da finden wir in der hebräischen Bibel das Wort Schalom. Und davon singen und reden die Engel der Weihnacht, wenn sie verkünden: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden (Schalom) auf Erden!“ (Lukas 2,14). Weiterlesen

Weihnachten: Geschichten und Symbole, die uns bewahren

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt!“ lautet eine alte Prophezeiung der Bibel (Jesaja 60,1). Die Weihnachtszeit ist diesmal anders, stiller… Ich persönlich vermisse die fünf lauten Paukenschläge, mit denen alljährlich das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach beginnt. Und ich denke an die Chorsängerinnen und Chorsänger, die warten und hoffen auf eine Zeit, in der sie wieder gemeinsam singen dürfen. An diesem Weihnachten sehne ich mich besonders nach den alten Bräuchen, Geschichten und Symbolen, die uns bewahren. Weiterlesen

Jauchzet, frohlocket?

Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan! (Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, BWV 248)

Zum Jauchzen und Frohlocken ruft uns die erste Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach auf. In jedem Jahr gehört für mich dieses Bachstück zur Einstimmung in diese besondere Zeit des Advents und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest einfach dazu. Advent heißt Ankunft. In der ersten Kantate geht es um die Zeit vor Jesu Geburt. Die Christenheit preist seine Ankunft („Jauchzet, frohlocket“) mit Pauken und Trompeten und jubelndem Eingangschor. Doch können wir das so einfach, wenn wir uns am Ende dieses Jahres ansehen, was uns das Jahr 2020 so alles gebracht hat? Weiterlesen

Neugier, Vertrauen, Demut

…und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Matthäus 2,11)

Nun sind sie also endlich angekommen, die drei Weisen aus dem Morgenland. Wahrscheinlich konnten sie auch gar nicht pünktlich sein, der Stern, der ihnen den Weg gewiesen hat, der erschien ja wohl erst mit Jesu Geburt und im gleichen Moment als sie ihn entdeckten, haben sie sich auf den Weg gemacht. Als Kind hatte ich immer ganz herrschaftliche Vorstellungen von diesen Königen, wahrscheinlich, weil sie auch immer im vollen Prunk dargestellt werden. Jedenfalls habe ich mir immer sehr stattliche Männer vorgestellt, die wunderschön und sehr teuer angezogen waren, mit Kronen auf dem Kopf, weil für Kinder Könige ja immer Kronen tragen und natürlich erschienen sie mir irgendwie gewaltig. Herrschaftlich und gewaltig, irgendwie besonders. Weiterlesen

Lasst uns Weihnachten im Herzen tragen

Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hesekiel 37,27)

Der Heilige Abend ist ein ganz besonderer Tag, das spüren auch die, die besonders lebhaft beteuern, dass er ein Tag wie jeder andere sei. Ist er nicht. Der 24. Dezember ist etwas Besonderes, das weiß ich seit ich auf der Welt bin, naja, vielleicht erst ein, zwei oder drei Jahre später. In einem Pfarrhaushalt groß geworden, war dieser Tag einer der schönsten und arbeitsreichsten.

Zu Hause war dann immer viel zu tun. Das Weihnachtszimmer war schon mit einem Betttuch verhangen, selbst durchs Schlüsselloch konnte man nicht mehr spinksen, aber überall drumherum war noch viel zu tun. Weiterlesen

Für den kleinen Frieden braucht es dich und mich

Vielleicht treibt auch Sie diese Frage heute um: Wie komme ich eigentlich selbst an der Krippe an, wie kann die Weihnachtsgeschichte auch mich berühren, hier, mitten im Ruhrgebiet? Es ist diese Frage nach der Bedeutung von Weihnachten für uns heute, die ich in einem Bild der Künstlerin Beate Heinen wiederentdecke. Es trägt den Titel: „Die Heiligen Drei Könige“. Das Bild zeichnet Spuren der biblischen Geschichte und unseres Alltags. Eine Straße, ein von Menschen überfüllter Bürgersteig. Um sie herum: Bilder einer Großstadt. Autos. Eine Straßenlaterne, beleuchtete Fenster. Hochhäuser. Leuchtreklame für Whisky und Coca Cola. Irgendein Club muss in der Nähe sein.

Wie reagieren die drei Könige auf dieses Umfeld? Staunen sie oder wundern sie sich? Ist es Faszination oder Ablehnung, die aus ihren Augen spricht? Drohen sie unterzugehen am linken unteren Bildrand? Oder lassen sie alles wie einen Film an sich vorüberziehen? Weiterlesen

Macht hoch die Tür

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; der halben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat. (Georg Weissel 1642, Evangelisches Gesangbuch Nr. 1)

Es ist Advent, Zeit der Ankunft. Wir sind eingeladen, unser Leben zu öffnen, damit es heil werden kann. Dem Gebäck und vorweihnachtlichen Treiben zum Trotz bleibt die Adventszeit eine Bußzeit, eine Umkehrzeit, eine Zeit, im eigenen Leben aufzuräumen, auszumisten, Platz zu machen. Unsere Gesellschaft hat den Sinn dafür weitgehend verloren, denn sie hat Weihnachten vorgezogen. Weiterlesen