Dank des Heiligen Geistes verbunden

Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit. (Johannes 14,16)

Wie können wir mit jemanden im Kontakt bleiben, der nicht mehr erreichbar sein wird? Mit jemanden, der uns verlässt und an einen Ort geht, wo es keine Post, kein Telefon, kein Internet, keinen Satellitenempfang gibt und zu dem wir keinen Zugang erhalten? In unserer heutigen Zeit ist ein solches Szenario fast unvorstellbar, vielleicht noch, weil ein Mensch untertaucht – oder wir denken an unsere Toten, die wir auch nicht erreichen können. Weiterlesen

Bereit für die Nachfolge

Ihr werdet mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, und dieser Geist wird euch die Kraft geben, überall als meine Zeugen aufzutreten. (Apostelgeschichte 1,8)

Es muss eine ziemlich belastende Zeit gewesen sein damals für die Jünger*innen. Ein ständiges hin und her der Gefühle. Jesus, ihr Lehrer und Freund, hatte ihnen nicht nur von einem neuen Leben erzählt, er hatte sie auch immer schon ein Stückchen daran teilhaben lassen.

Immer wieder holte er für sie „den Himmel auf die Erde“, wenn sie beieinander waren und er ihnen Geschichten von Gottes Liebe erzählte, wenn sie miterleben durften, wie er anderen wieder auf die Füße half, wenn sie sahen, dass Traurige langsam ihre Lebensfreude zurückfanden oder sie Zeugen wurden, wie Menschen, die vorher niemand beachtet hatte, plötzlich mit Achtung und Respekt behandelt wurden. Und auch sie selbst fühlten sich ja angenommen, so wie sie waren; und so wollten sie mit Jesus einen neuen Weg gehen. Weiterlesen

Bei Gott ist alles etwas anders

Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt… Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. (1. Korinther 2,6f.)

Als wir uns Weihnachten zum Gottesdienst trafen, da sagte sie, kaum, dass ich sie begrüßt hatte: Es tut mir leid! Ich habe es nicht geschafft, mich für diesen Gottesdienst besonders fein zu machen.

Ganz betroffen schaute ich an mir herunter, stellte fest, dass ich auch nur sonntäglich gekleidet war, und dann blickten wir gemeinsam auf unsere schöne Krippe, wo das Jesuskind lieb lächelnd in seiner Krippe lag, und lächelten auch. Denn so schön diese Holzfiguren auch sind, so edel sie irgendwie herüberkommen und so sauber auch das Stroh aussieht, das wir um die Krippe herum gelegt hatten: das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott zu uns auf die Erde nicht in großartiger Herrlichkeit kam, nicht im Sonntagsstaat oder Festtagskleidung, sondern in den Schmutz und Dreck unserer Welt. Weiterlesen

Ich will noch ins Licht!

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Unter normalen Umständen, also wenn es genauso laut auf dem Uniklinik-Campus gewesen wäre wie sonst, unter normalen Umständen hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gehört. Drei Mitarbeitende saßen im Freien und unterhielten sich und als ich vorbeikomme, höre ich, wie einer sagt: Am einfachsten ist es doch, wenn man immer die Wahrheit sagt.

Ich wollte schon vorbeilaufen ohne mich einzumischen, aber das habe ich dann doch nicht geschafft, bin also einen Schritt zurück, habe die drei Jungs angegrinst und gesagt: Genau! Klasse. Die Wahrheit ist immer gut!

Der, der das gesagt hatte, grinst zurück und sagt: ja, ne? Die Angst ist nämlich eine dunkle Macht – Ich habe keine Angst! Hast du Angst? Weiterlesen

Ein ganz besonderer Weg

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich. (Johannes 14,6)

Nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums wendet sich Jesus unmittelbar vor seiner Passion in einer Abschiedsrede an seine Jünger. Er kündigt seinen Abschied an mit den Worten: „Wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.“ Der Jünger Thomas antwortet fragend: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Darauf dann die Antwort Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Thomas stellt hier Jesus die Grundsatz-Frage nach der Orientierung des Lebens. „Wohin gehst du? Wohin sollen wir gehen, Jesus?“ Und Jesu Antwort ist von ebenso grundsätzlicher Bedeutung. Sie ist keine Ortsangabe für das eigene Lebensziel. Jesu Antwort meint vielmehr: „Verlasst euch in allen Wohin-Fragen des Lebens auf mich. Ich selbst bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Ich selbst bin die Antwort auf die Wohin-Fragen eures Lebens.“ Weiterlesen

Zur Familie Gottes gehören | In Zeiten von Corona #12

Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. (Psalm 147,11) – Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. (Markus 3,35) | Herrnhuter Tageslosung für den 28. März 2020

„Liebe das Mutterherz, solange es noch schlägt, ist es gebrochen, so ist es zu spät“ – das stand auf einem Holzbildchen in der Küche meines Elternhauses. Kitschiges Naturmotiv mit Grabhügel, Urlaubsmitbringsel aus Österreich – und für mich Quelle so mancher Not.

Du brichst deiner Mutter das Herz, wenn du… – wie oft hatte ich das gehört. Wenn ich als kleines Mädchen zu anderen Kindern nach Hause zum Spielen gehen wollte, aber meine ängstliche Mutter vor Sorge fast starb, ob ich den Weg dahin überleben würde , oder wenn ich als Jugendliche in die Disko wollte und meine Mutter Panik hatte vor Drogenhändlern, die mich anfixen würden oder wenn es keine Eins geworden war in der Klassenarbeit – immer hatte ich meine Mutter fast auf dem Gewissen. Ihren Stress betäubte sie mit Tavor, und ich war schuld, dass es ihr so schlecht ging. Das wirst du noch bereuen – meinte meine Oma, die bei uns wohnte – und zeigte auf das Holzbildchen in der Küche. Weiterlesen

Blick nach vorn

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

„Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht um; wer sich umdreht oder lacht…‟ Wie oft habe ich als Kind mit anderen zusammengesessen und dieses Spiel gespielt. Und ich weiß noch sehr genau, wie schwer das war, sich nicht umzudrehen. Manchmal hat man versucht, nach links oder rechts hinten zu blinzeln oder vorsichtig mit einer Hand zu tasten, ob der Plumpsack vielleicht doch hinter einem liegen geblieben ist.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes: Dieses Bild, nicht zurückzublicken, wird öfter in der Bibel verwendet. Zum Teil auch in durchaus bekannteren Geschichten und Worten. In dieser Geschichte bei Lukas, aus der unser Vers stammt, bittet jemand, der Jesus nachfolgen will, um die Erlaubnis, zunächst noch seinen Vater zu beerdingen und Jesus antwortet: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ (Lukas 9,59-60).

Einem anderen, der sagt, dass er sich nur eben noch von seiner Familie verabschieden möchte, antwortet er mit dem eingangs zitierten Satz: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Das sind ziemlich heftige Worte und dieser Umgang mit den Menschen, die zu ihm kommen, die bereit sind, alles andere stehen und liegen zu lassen, um mit ihm zu ziehen, dieser Umgang ist alles andere als einfühlsam oder gar seelsorgerlich. Weiterlesen

War der Apostel Paulus intolerant?

War der Apostel Paulus intolerant? Das ist eine sehr schwierige Frage, die mancherorts diskutiert wird. Ich nähere mich ihr mit äußerster Vorsicht und Umsicht. Ist man sich doch im Urchristentum schon darüber klar, wie schwer „der liebe Bruder Paulus“ zu verstehen ist (vgl. 2. Petrus 3,15f.). Aber wir haben ja aus der Aufklärung gelernt, dass es unsere Aufgabe ist, das Schwierige einfach zu sagen. Weiterlesen

Der schöne Achim oder: Warum ich Pfarrerin wurde

Vermutlich kennen Sie den „schönen Achim“ nicht.

Heute ist er längst ein bisschen übergewichtig und der coole Pferdeschwanz einem Kurzhaarschnitt gewichen, der lichte Stellen besser überdeckt. Er spielt auch nicht mehr Gitarre in der Schülerband, sondern ist Berufschullehrer in der Nähe von Köln.

Aber damals, als es ernst wurde mit den wegweisenden Entscheidungen für mein Leben – da war der schöne Achim das Alpha-Männchen unser Jahrgangsstufe. Und ich war – ein Omega-Weibchen: uncool auf allen Ebenen, etwas dicklich und mit zu kurzen Beinen für die In-Jeans, mit fisseligem Haar statt langer Mähne. Wenigstens hatte ich keine Pickel, Gott sei Dank… Weiterlesen