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Nun lass doch mal gut sein!

Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte. (1. Mose 2,3)

Ich glaube, jetzt ist mal genug, dachte Gott und lehnte sich zurück. Das reicht so. Obwohl, vielleicht sollte ich die Sonne noch ein Stück wegrücken von der Erde. Nicht, dass das mal zu heiß wird. Aber dann müsste ich alles neu zurechtrücken, also der Kreis der Erde um die Sonne, den Abstand zum Mond. Ach nein, das geht schon so.

Obwohl, da bei den Sternen – sind das genug? Und müssten die nicht ein bisschen heller sein? Wenn die Menschen erst einmal lernen, sich selbst Licht anzumachen, dann sehen sie die Sterne vielleicht nicht mehr. Und die sind schon sehr schön. Ach, ich finde, dieser Himmel, der ganze Kosmos, das sieht richtig gut aus.

Ich glaube das lasse ich so. Und schau mal, wie wunderbar all diese Tiere sind – und so viele. Das habe ich gut gemacht. Hm – vielleicht noch ein kleines Einhorn? Das sähe bestimmt auch schön aus, vielleicht in Weiß mit einer regenbogenfarbenen Mähne – ach, lass mal gut sein. Das können sich die Menschen ja auch in ihrer Phantasie vorstellen.

Ob der Wal ein bisschen zu groß geraten ist? Und ob es vielleicht zu viele Insekten sind? Das krabbelt ganz schön da – und etwas weniger Mücken und Wespen – ach, lass mal gut sein, so ist es schon in Ordnung.

Obwohl, wenn ich ehrlich sein soll – ich finde es nicht nur gut, nein – ich finde es sehr gut. Gerade auch die Menschen – die sind so wunderbar verschieden. Da haben sie etwas zum Nachdenken, darüber, wie ich wohl aussehe und bin – das kriegen sie nie raus, sie sind ja alle mein Ebenbild. Doch – ist gut so und schön, sich einfach anzuschauen. Heute mache ich mal nichts, ich lass es jetzt mal gut sein.

Gott machte es sich bequem, sie legte sich in die Hängematte und schaukelte sanft über der Erde. Ein bisschen döste sie zwischendurch – es war anstrengend, so viel zu schaffen, zu gestalten, nachzudenken.

Aber hey – was da nicht alles aus einem Gedanken geworden war. Ein Gedanke an Leben, an eine ganze Welt, ein Universum – oder vielleicht doch mehrere? Immer wieder schreckte Gott hoch – weil da dann nochmal ein Gedanke war – oder weil vielleicht doch etwas noch aufgeräumt werden musste. Und – er konnte nicht einfach aufhören. Es ginge doch sicher noch besser. Wenn ich mich noch mal richtig anstrengen würde…

Aber es war so gemütlich hier – und der Blick auf die Erde so schön. Es war wirklich gut. Obwohl… Schluss jetzt, unterbrach er sich energisch, es muss auch mal gut sein. Und die Menschen, die können ja auch noch etwas tun.

So ruhte Gott – eine ganze Weile ruhte Gott einfach aus, machte Pause und hörte auf, dauernd Neues zu erschaffen. Die Schöpfung schien ihr auch einfach fertig zu sein – das war gut so, wie es war – und sie würde sich ohnehin verändern im Laufe der Zeit. Und sechs Tage – das reicht ja wohl.

Doch dann, dann kam da noch ein wichtiger Gedanke: Das ist es: ich muss einen Ruhetag schaffen. Obwohl… das ist Quatsch, ich ruhe schon, ich muss den Tag nicht schaffen, ich muss es einfach lassen, Neues zu erschaffen. Ich muss mich einfach unterbrechen und damit aufhören – schon habe ich einen Ruhetag, einen Schabbat ins Leben gerufen. Erst nach diesem Ruhetag, nach dem siebten Tag, ist die Schöpfung fertig. Zu aller Arbeit, zu allem Schaffen gehört die Ruhe dazu – sonst wird nichts fertig.

Und dieser siebte Tag, das ist mein Tag. Sollten die Menschen mich nicht in den Tieren, dem Wasser, dem Himmel, den Pflanzen finden – dann werden sie mich am Ruhetag finden. Dieser Tag ist heilig, weil ich dort bin, ich, Gott. Vielleicht kommen die Menschen und besuchen mich – oder suchen nach mir an diesem Tag.

Und sie werden mich finden. Nicht in dem, was sie dauernd tun und schaffen, sondern dort, wo sie damit aufhören – so wie ich heute. Sie werden sehen, wie schön es ist, wenn sie einfach nur hinschauen und gar nichts tun, sondern etwas lassen, zur Ruhe kommen. Nicht immer mehr, sondern immer weniger. Wenn sie wie ich ihr Tun unterbrechen, dann sind sie bei mir.

Vielleicht nehmen sie sich die Zeit, für sich etwas Gutes zu tun – so wie ich heute in meiner Hängematte. Vielleicht aber brauchen sie auch mal Zeit um nachzudenken, sich in Ruhe zu erinnern oder etwas Neues zu entdecken oder anderen zu begegnen. Das würde gut passen zu meinem Ruhetag.

Aber – ein bisschen muss ich auch aufpassen, dass die Menschen sich wirklich unterbrechen, wirklich Pause machen, Luft holen und sich nicht wieder zuwerfen mit allem, was von außen kommt. Dass sie sich trauen, mal nichts zu tun und zu leisten oder zu erleben. Dass sie vielleicht sogar das Smartphone mal weglegen. Ja, ich glaube, das gehört auch dazu: dass nicht auch noch die Freizeit stressig wird und es keine eigene To-Do-Liste für freie Tage gibt.

Vielleicht sollte ich noch ein paar Hängematten aufhängen, hier zwischen den Bäumen oder oben zwischen die Sterne, ich könnte ihnen einen Kaffee kochen oder ein Bier vorbeibringen.

Ich könnte ihnen zusingen: Du bist gut genug! Obwohl, dann tue ich da ja doch schon wieder etwas – vielleicht fällt den Menschen auch so ein, wie sie den heiligen Tag nutzen können. Schön wäre es, sie würden sich umschauen in meiner Welt, sie würden nach mir suchen und mir zuhören.

Umgekehrt könnte auch ich selbst natürlich manchmal an ihren Hängematten vorbeigehen, mich kurz zu ihnen setzen, ihnen zuhören oder mal übers Haar streichen und ihnen sagen: Du bist wunderbar. Jetzt lass es mal gut sein. Denn du bist gut genug.

Vielleicht können sie ja deshalb nichts lassen, sondern müssen immer mehr tun – weil sie denken, dass sie nur dann gut sind, gut genug sind. Aber ich habe sie ins Leben gerufen und wenn ich finde, dass das gut war – warum können sie das nicht auch so sehen?

Ich liege hier, schaue sie mir an und freue mich über sie, über jede und jeden einzelnen. Manchmal ärgere ich mich, wenn sie Blödsinn machen, sich zu wichtig zu nehmen, vor allem mächtig sein wollen. Aber an meinem Ruhetag, und wenn ich genau hinschaue, entdecke ich so viel Schönes. Deshalb brauchen auch die Menschen einen Ruhetag.

So, jetzt lasse ich es mal gut sein – auch mein Nachdenken. Oder ach nein, eines noch, aber wirklich das Letzte: Ich will darauf achten, dass die Geschichte von der Schöpfung mit dem Ruhetag, mit meinem Ruhetag endet. Und wenn das nicht hilft – dann gibt es ein Gebot – damit sie endlich mal Ruhe geben und es endlich mal gut sein lassen.

Monika Elsner

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