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Lasst uns dankbar feiern!

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! (Galater 4,6)

Liebe Geschwister, liebe Gratulantinnen und Gratulanten! Denn das ist ja klar: heute feiern wir nicht einfach Gottesdienst, sondern heute feiern wir Geburtstag im Gottesdienst. Drei Wochen lang haben wir uns dieses Jahr darauf vorbereitet, es ging so schnell wie selten – kaum war der erste Stollen probiert, die ersten Fenster geputzt und geschmückt, hatte man im Vorbeilaufen das ein oder andere Geschenk ergattert, da ist auch schon der 4. Advent und zeitgleich der 24. Dezember, Heiligabend – also alles auf den Punkt.

Geburtstag ist! Jesus feiert und wir sind alle eingeladen und werden im Anschluss an diesen Gottesdienst ja auch noch weiter feiern, mancher und manche dann vielleicht erst so richtig. Weiß man‘s? Wie seid ihr heute hier? Glücklich, dass es endlich so weit ist? Dass nachher noch etwas für euch abfällt? Das ist ja das Schöne an diesem besonderen Geburtstag. Man selbst wird auch beschenkt und beschenkt andere, damit die Freude ausgebreitet wird. Oder ist irgendwer ganz geschafft? Eben weil es in diesem Jahr so schnell ging. Man kaum das erste Türchen des Kalenders geöffnet hatte und prompt schon Weihnachten vor der Tür stand?

Vielleicht erging es euch auch wie der Tochter einer Kollegin. Da beginnt der Adventskalender immer am 1. Advent. Konsequent. Anders als bei meinen Eltern. Da begann er auch am 1. Advent – aber nur, wenn der vor dem 1. Dezember lag, ansonsten klassisch am 1. Dezember. Nun, der Tochter ging es dieses Jahr anders. Gab es doch in diesem Jahr erst am 3. Dezember etwas zu entdecken. Hatte sie ein bisschen Pech – finde ich. Vielleicht freut sie sich jetzt besonders und hofft auf Entschädigung.

Vielleicht sind die meisten aber auch ganz entspannt. Gut trainiert durch die letzten Jahre, haben alles, was sie vorhatten, gut gemeistert, wirklich alles ist fertig und gleich müssen nur noch die Lichterkette im Baum angeschaltet oder die Kerzen entzündet werden. Und das Essen steht auch schon vorbereitet da. Vielleicht fühlt sich der ein oder die andere wirklich als Gast und ist entspannt, weil eingeladen; und man sich um nichts zu kümmern braucht oder es auch nicht konnte.

Davon träume ich immer so ein kleines bisschen, dass ich nur Gast bin. Ich fühle mich immer mitverantwortlich, dass diese Geburtstagsfeier am heutigen Tag auch wirklich schön wird. Ich habe mich jedenfalls bemüht: Zuhause habe ich versucht, es schön zu machen. Als ich die Predigt schrieb, hatte ich schon vage Vorstellungen vom Essen. Unser Baum ist in diesem Jahr, ganz nachhaltig, eine Holzleiter. Für manche habe ich Geschenke besorgt und wir haben hier für euch die Krippe aufgebaut und es schön gemacht. Eigentlich kann jetzt gefeiert werden. Kann.

Denn dann kam die Geburtstagsrede in Form des vorgeschlagenen Predigttextes und ich war für einen Moment aus jeder Feierstimmung raus. Etwas holperig und trocken kommt er nämlich daher, so gar nicht feierlich. Nun gut. Nicht alle sind begnadete Geburtstagsredner, Paulus vielleicht auch nicht, aber…

Jetzt lasse ich ihn erst einmal zu Wort kommen und dann schauen wir. Zunächst hören wir aus dem Brief an die Galater, aus dem 4. Kapitel, die Verse 4 bis 7:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

So ist er, der Paulus. Ein bisschen trocken und sehr genau. Nicht wirklich poetisch; und nur selten versetzt er einen in große Feierlaune, selbst wenn er es will. Ich glaube, er kann nicht so richtig ausgelassen sein. Dabei ist das, was er uns zu sagen hat, durchaus ein Grund, diesen Geburtstag noch viel größer zu feiern. Jesus zu feiern – und dann auch das, was wir bekommen. Denn dank Jesus hagelt es auch für uns Geschenke.

Seine Rede beginnt zunächst schön: Als die Zeit erfüllt war, genau zum richtigen Zeitpunkt, dann, als es richtig war, als alle erwartet und darauf gewartet haben, genau dann kam er: Jesus. Gesandt von Gott, geboren von einer Frau. Die Details lässt Paulus aus.

Dass die Geburt in großer Not geschah, in einem Stall, fernab von jedem Luxus, davon schweigt Paulus. Er spricht auch nicht von dem vielen Licht, dass da plötzlich war, und den vielen Besuchern im Stall. Die ersten Gratulanten: Engel, die jubilieren, Hirten, die aus dem Schlaf von ihren Herden weggeholt wurden, viel später dann die drei Weisen, die das Kostbarste bringen, was man sich damals denken konnte. Nicht das Praktischste, aber doch vielleicht vorausschauend.

Paulus hält nichts von diesen Details. Genau wie er ist, ist ihm nur wichtig, dass Jesus unter ganz normalen Bedingungen geboren wurde. Menschlichen Bedingungen und damit als Jude auch an alle Weisungen, Paulus nennt sie das Gesetz, gebunden war. An alle Gebote und Verbote, so wie das jeder fromme Jude und jede fromme Jüdin zu tun hatte; jedenfalls die, die ein gottesfürchtiges Leben führen wollten.

Keine Ausnahme für Jesus, obwohl er von Gott gesandt ist. Und dass für ihn keine Ausnahme gilt, das ist gewollt. Denn, so erklärt Paulus, weil Jesus den Fluch des Gesetzes trug, hat er diesen gebrochen. Das ist höchst theologisch formuliert. Mit schlichten Worten bedeutet es: Jesus hat die Macht des Gesetzes, also die Unfreiheit der Thora, gebrochen, weil er für uns ans Kreuz gegangen ist.

Er hat all unsere Verfehlungen, all unsere Schuld, die durch die Gebote und Verbote offenbar wurden, auf sich genommen, sie ans Kreuz gebracht und gesühnt. Seither gilt: Wer an ihn glaubt, wer ihm nachfolgt, der erlangt nicht nur Vergebung, wenn ernsthaft darum gebeten wird, sondern der wird auch frei von den Geboten und gewinnt das ewige Leben. Der wird ein Kind Gottes und ausgestattet mit dem Geist Gottes, der uns ganz vertrauensvoll Gott als unseren Vater ansprechen lässt und uns zu Miterben im Reich Gottes macht. Toll!

Angenommen, nur mal angenommen, ich dürfte die Geburtstagsrede heute halten, dann hätte sie sicher so oder ähnlich geklungen:

Liebe Mitfeiernde, ich freue mich sehr, dass wir heute wieder einmal zusammen feiern können. Unser Geburtstagskind ist ja ein ganz Besonderes. Nicht nur die Umstände seiner Geburt waren außergewöhnlich, ich erzähle Euch ja nichts Neues, wenn ich noch einmal darauf hinweise, dass die ganze Welt aus den Fugen geraten ist, der Himmel jubilierte, Menschen ihre Arbeit verließen, als er das Licht der Welt erblickte, nein, auch unser eigenes Leben wurde durch ihn verändert.

Auch wenn seine Eltern nicht nur Freude mit ihm hatten, sondern auch manchen Kummer aushalten mussten – sie hatten viele Sorgen um sein Leben – so hat er doch vielen Menschen das Leben, hat ihnen Heil und Heilung geschenkt, und das auch uns. Sein Geschenk, ach was, seine Geschenke an uns: die Welt wurde heller. Menschen fanden einen Sinn für ihr Leben, andere wurden heil, Wunder waren möglich. Wer ihm vertraut, wer ihm nachfolgt, der bekommt das ewige Leben, der wird auferstehen, wie er es tat. Seit seiner Geburt war und ist er für uns da. Immer noch, viele von uns spüren das ja auch, deshalb macht das Feiern auch solche Freude.

Wir schauen nicht nur zurück, wir dürfen auch einen Blick in die Zukunft riskieren. Er hat sich für uns eingesetzt. Ist für uns ans Kreuz gegangen, hat unsere Schuld getragen und trägt sie noch. Versöhnt uns immer wieder mit Gott, der sich nicht nur zu seinem Sohn bekennt, sondern auch uns alle so als seine Kinder angenommen hat. Wir dürfen Vater zu ihm sagen.

Also lasst uns feiern und dankbar sein. Uns ist die Freiheit geschenkt, wir sind nicht sklavisch an die Gebote gebunden – sondern durch den Geist Gottes haben wir die Freiheit, Jesus und seinem Weg nachzufolgen. Wer an ihn glaubt, dem wird das ewige Leben geschenkt. Lasst uns gemeinsam mit Jesus die Welt ein wenig heller machen, lasst uns seine gute Botschaft in die Welt tragen, lasst uns seinen Geburtstag gut und schön feiern. Lasst uns dankbar dafür sein, dass für uns, fast möchte ich sagen: als seine Geschwister, so viel abfällt. Freiheit, Wunder, Begleitung, Lebenssinn und ewiges Leben.

Herzlichen Glückwunsch, Jesus. Halleluja! Amen.

Friederike Seeliger