Beste Nachricht

Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. (Kolosser 2,14)

Dass sie mir die Geschichte erzählt hat, ist schon lange her, das, worum es in der Geschichte geht, noch viel länger. Aber ich hatte mir vorgenommen, es nicht zu vergessen, und bis heute ist mir das auch, dreißig Jahre lang, gelungen. Ich war Pastorin im Hilfsdienst in Düsseldorf und war unter anderem für den Arbeitsbereich Geburtstagsbesuche verantwortlich, die habe auch brav gemacht. Das war sogar oft ganz schön.

Bei einem dieser Besuche kamen das Geburtstagskind und ich auf den Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Sie erzählte ganz stolz von ihrem Vater und schüttelte zeitgleich den Kopf über dessen Zeitgenossen. Doch, man hätte manches von dem, was damals passierte, wissen können. Ihr Vater jedenfalls wusste manches und habe versucht Leid zu lindern und jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen zu helfen. Und dann erzählte sie, was für ein korrekter und liebenswerter Mensch ihr Vater war. Er hatte nämlich, und sie hatte es eben auch nicht vergessen, in seinem Testament festgelegt, dass alle, die ihm etwas schuldeten, im Falle seines Todes auf der Stelle schuldenfrei seien. Weiterlesen

Auferstehung

Und unsere Hoffnung steht für euch auf festem Grund, weil wir wissen: Wie ihr das Leiden teilt, so teilt ihr auch die Tröstung. (2. Korinther 1,4-7)

Als Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren gekreuzigt wurde, da brach dieses schreckliche Ereignis denen, die ihn liebten, das Herz. Alles, woran sie geglaubt, was sie gehofft hatten – es lag vor ihren Augen brutal und unwiederbringlich in Scherben. Nackte Gewalt beendete den Traum vom besseren Leben, von einer gerechten und friedlichen Welt. Nackte Gewalt zerstörte, was sie liebten.

Ich glaube, in diesem Jahr hören wir die Erzählung von dieser Katastrophe anders als in der Vergangenheit. Die täglichen Bilder und Berichte aus der Ukraine gehen uns unter die Haut. Wir erleben mit, was es heißt, wenn eine Hoffnung zerplatzt und die rohe Gewalt herrscht. Der europäische Frieden, an den viele von uns glaubten – die neue Welt, auf die wir nach dem Mauerfall hofften – das alles wurde von diesem Krieg regelrecht platt gemacht. Weiterlesen

Ostern heißt: den Neustart wagen

Noch mal von vorne beginnen, durchstreichen und vergessen können, was gewesen und schiefgelaufen ist. Manchmal wünscht Mensch sich nichts sehnlicher als das. Zum Beispiel dann, wenn eine Beziehung zu scheitern oder eine Freundschaft in die Brüche zu gehen droht. Wie schön wäre es, wenn wir in solchen Situationen einfach auf den Reset-Knopf drücken oder an der Stelle anknüpfen könnten, wo alles noch gut und schön war. Weiterlesen

Ostern heißt: Gott kommt bei mir an

Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! (Lukas 24,36)

Die Erfahrung des Karfreitags liegt ihnen noch schwer auf dem Herzen und im Magen. Damit sind sie noch lange nicht fertig. Die Niedergeschlagenheit ist mit Händen zu greifen: mutlos, kraftlos, verängstigt sind sie, als die Jünger aus Emmaus zu ihnen kommen und erzählen, dass Jesus sie begleitet hat. Ganz nah, ganz leibhaftig. Und so kommt Jesus anschließend auch in unserem Bibelwort zu ihnen und spricht in diese ängstliche Stille hinein: „Friede sei mit euch.“ Weiterlesen

Das Wort vom Kreuz

Gott, sammle du meine Tränen in deinen Krug. (Psalm 56,9)

Am Sterben Jesu gibt es nichts schönzureden. Es war ein grausames Sterben, auch wenn Hinrichtungen zur Zeit Jesu so üblich waren.

Schönzureden gibt es dabei nichts. Weil jede und jeder von uns ahnt, dass die Erfahrung des Endes, das damals gewesen ist, genau die Erfahrung ist, die wir heute im Leben auch machen. Es gibt diese Momente, an denen einfach etwas zu Ende ist. Und zwar erst einmal ohne Licht am Ende des Tunnels, ohne Silberstreif am Horizont, ohne Hoffnung. Es sind in diesen Tagen die Kriege dieser Welt, die uns genau in diese Szene setzen. Bei denen wir hilflos mit ansehen müssen, wie das, was da passiert, uns den Boden unter den Füßen wegzieht. Weiterlesen

Martin Luthers Vater unser-Lied

Sieben Jahre vor seinem Tod 1546 hat der Reformator Martin Luther ein Lied zum weltumspannenden Herren-Gebet Vater unser gedichtet und komponiert, das seinesgleichen sucht. Felix Mendelssohn Bartholdy ist von der Melodie und den Strophen so angetan gewesen, dass er Sonaten-Variationen für Orgel für jede einzelne der neun Strophen komponierte. Wer sich ernsthaft mit diesem wunderbaren Lied auseinandersetzen möchte, der schlage unser Evangelisches Gesangbuch EG 344 auf. Weiterlesen

Bei Gott ist alles etwas anders

Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt… Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. (1. Korinther 2,6f.)

Als wir uns Weihnachten zum Gottesdienst trafen, da sagte sie, kaum, dass ich sie begrüßt hatte: Es tut mir leid! Ich habe es nicht geschafft, mich für diesen Gottesdienst besonders fein zu machen.

Ganz betroffen schaute ich an mir herunter, stellte fest, dass ich auch nur sonntäglich gekleidet war, und dann blickten wir gemeinsam auf unsere schöne Krippe, wo das Jesuskind lieb lächelnd in seiner Krippe lag, und lächelten auch. Denn so schön diese Holzfiguren auch sind, so edel sie irgendwie herüberkommen und so sauber auch das Stroh aussieht, das wir um die Krippe herum gelegt hatten: das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott zu uns auf die Erde nicht in großartiger Herrlichkeit kam, nicht im Sonntagsstaat oder Festtagskleidung, sondern in den Schmutz und Dreck unserer Welt. Weiterlesen

Bilder und Kirche

Ist unsere Zeit eine Zeit der Bilder geworden? Ja und Nein! Für die drei Buch-Religionen Judentum, Christentum und Islam zielen die Bilder ins Zentrum des Glaubens. Das ist ein weites Feld (Fontane).

Im Urchristentum galt das jüdische Bilderverbot ganz ohne Wenn und Aber (vgl. dazu auch meinen Beitrag „Der Apostel Paulus war ein Körnerpicker wie wir alle“ in diesem Blog). Das blieb im Prinzip so, bis die Kirchen aus einer verfolgten zu einer staatlich anerkannten Kirche geworden war, also im ersten Drittel des 4. Jahrhunderts unter Kaiser Konstantin. In Rom gab es freilich in den Katakomben schon im 3. Jahrhundert Ansätze zu einer Grab- und Friedhofs-Kunst. Dies ist weitgehend Symbolkunst. Berühmtestes Beispiel ist der Fisch, griech. Ichthys. Die griechischen Buchstaben bedeuten im Einzelnen: Jesus, Christus, Gottes, Sohn, Retter. Der gute Hirte und andere Szenen aus der Heilsgechichte. Weiterlesen

Kaum zu glauben!

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. (Johannes 21,12)

Nachdem Jesus auferstanden ist, zeigt er sich immer wieder seinen Jüngern. So auch an jenem Tag, als sieben von ihnen am See Tiberias fischen sind, ihnen aber nichts ins Netz gehen will. Da kommt ein Mann auf sie zu und sagt ihnen, sie sollen die Netze nochmal auf der anderen Seite auswerfen. Und es stimmt! Plötzlich fangen sie so viele Fische wie selten. Mit einem Mal erkennen die Jünger: das ist Jesus! Freudig eilen sie ihm entgegen. Und wie Jesus es immer getan hat, isst er mit ihnen und teilt mit ihnen das Brot.

Wie schwer fällt es uns – aber auch den Jüngern damals – einfach zu glauben ohne jeglichen Beweis. Aber versetzen wir uns mal in die die Lage der Jünger und Jüngerinnen damals. Sie erleben hautnah mit, wie Jesus ermordet wird. Und dann plötzlich soll da wieder Hoffnung sein? Jesus ist gar nicht tot, sondern ist auferstanden? Das ist schwer zu glauben. Dann zeigt sich Jesus seinen Jüngern auf dem See Tiberias. Aber etwas scheint anders, sie erkennen den Freund nicht sofort. Etwas hat ihn verändert: der Tod, das Erlebte? Wir wissen es nicht genau. Weiterlesen

Der Ruf gilt uns

Fürchtet euch nicht! Jesus lebt. Er ist auferstanden. (Markus 16,6)

Es war ein fürchterlicher Tag gewesen, den die Frauen, den Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome erlebt hatten: Die Verurteilung und dann die Kreuzigung ihres Freundes Jesus. Der Tod des Menschen, den sie so sehr liebten und den sie dann so schrecklich leiden sahen und verloren glaubten. Es war dunkel in ihnen drinnen und dann wurde es Nacht. Der Schlaf ist zwar irgendwann gekommen, hat aber keine Erholung gebracht. Weiterlesen