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Aus begrabener Hoffnung wird neuer Mut

Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, der gekreuzigt wurde. Gott hat ihn von den Toten auferweckt, er ist nicht hier.  Seht: Hier ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten. (Markus 16,6)

Drei Frauen auf dem Weg zum Grab Jesu, ausgestattet mit wertvollen Ölen, um den nach der jüdischen Tradition gebotenen Liebesdienst, die Totensalbung vorzunehmen, treffen nach dem Bericht aus dem Markusevangelium auf einen jungen Mann in weißer Kleidung, einen Boten Gottes im ansonsten leeren Grab. Dieser versucht, sie zu beruhigen und macht ihnen deutlich, dass ihr pietätvolles Handeln angesichts des bereits vollzogenen Handeln Gottes keinen Sinn mehr macht.

Gottes Tun steht im Mittelpunkt dieser Osterbotschaft: Er hat Jesus auferweckt, der nicht mehr im Grab liegt. Weil das kaum vom Verstand erfasst werden kann, zitterten die Frauen vor Angst und, entgegen dem Auftrag, den der Engel ihnen gegeben hatte, sagten sie niemandem etwas.

„Entsetzt euch nicht!“, „Fürchtet euch nicht!“ Mit diesen Worten beginnt in so mancher Geschichte der Bibel eine komplette Umkehr der Situation, eine entscheidende Wende. Ein „Fürchtet euch nicht“ kündigt für die Israeliten, die vor den Ägyptern durch das Schilfmeer fliehen, die Rettung vor ihren Verfolgern an. Gottes „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ hört das Volk Israel am Ende des Babylonischen Exils und wagt schließlich den Neuanfang in seiner alten Heimat.

„Fürchte dich nicht“, wendet sich der Engel an die junge Maria, deren Leben ab diesem Augenblick einen ganz neuen Weg nimmt. „Fürchtet euch nicht“, verkündet der Engel den Hirten auf den Feldern vor Bethlehem, „euch ist heute der Heiland geboren“. Eine entscheidende Veränderung kündigt sich an – aber dennoch sollen wir uns nicht fürchten.

Was uns Angst macht, ergibt sich meist aus Veränderungen des Gewohnten, Beziehungen, Verbindungen werden neu gefasst. Das Vertraute, in dem wir uns „blind“ zurechtfinden, verändert sich, wir spüren Zukunftsangst. Auch Veränderungen zum Guten sind ein Abschied und können als schmerzhaft empfunden werden. Auch die Frauen am Grab kamen mit begrabener Hoffnung – der, auf den sie gebaut hatten, war hingerichtet worden – und haben die ihnen verkündete neue Zukunftsperspektive – Jesus ist auferweckt – nicht sofort als Mut machend einordnen können.

Gott stärkt auch heute unseren Glauben. Er möchte uns daran beteiligen, unsere Ängste zu überwinden. Er hat uns nicht ganz furchtlos gemacht, aber er möchte uns neuen Mut machen. Mit der Ermutigung „Ihr braucht nicht zu erschrecken“ möchte uns Gott die Angst vor Veränderung nehmen, er möchte uns gestärkt in die Zeit gehen lassen. Gott weiß, was wir brauchen. Er ist bei uns, begleitet uns, wo immer wir sind.

Nein, Jesus liegt nicht mehr im Felsengrab. Lassen Sie uns diese Botschaft in diesen Tagen feiern und besonders am Ostersonntag in der Osternacht gemeinsam ausrufen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Uwe Paulukat