Sinnbild des Leidens, Sinnbild des Lebens

Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. (Markus 14,36)

Oh nein, nicht das auch noch! Ich kann nicht mehr! Es reicht! Lass diesen Kelch an mir vorübergehen! Diese Stoßseufzer lassen tiefe innere Not ahnen, verbunden mit dem Wunsch, davon verschont zu werden. Diese Worte sind uns durchaus vertraut und auch die damit einhergehenden Gefühle. Ursprünglich aber stammen sie aus dem Mund Jesu. Das verwundert vielleicht. Wir kennen Jesus als jemanden, bei dem viele Menschen Hilfe gesucht und gefunden haben. Hoffnung und Zukunft, das Leben hat er vielen geschenkt. Weiterlesen

Der Ruf gilt uns

Fürchtet euch nicht! Jesus lebt. Er ist auferstanden. (Markus 16,6)

Es war ein fürchterlicher Tag gewesen, den die Frauen, den Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome erlebt hatten: Die Verurteilung und dann die Kreuzigung ihres Freundes Jesus. Der Tod des Menschen, den sie so sehr liebten und den sie dann so schrecklich leiden sahen und verloren glaubten. Es war dunkel in ihnen drinnen und dann wurde es Nacht. Der Schlaf ist zwar irgendwann gekommen, hat aber keine Erholung gebracht. Weiterlesen

In deine Hände

Sie kamen an den Ort, der Schädelhöhe heißt; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. (Lukas 23,33)

Diese Welt ist nun einmal nicht so, wie wir sie uns wünschen. Und Karfreitag ist so ein Tag, der uns einlädt, genau hinzusehen, hinzuhören und sich mit Haut und Haaren den Dingen zu stellen. Was es auch immer sei. Lukas erzählt die Ereignisse dieses Tages so, dass man mitgenommen wird in diese unnachahmliche Stille, die damals über dem Hügel vor der Stadt lag. Er nimmt uns mit an diesen unwirklichen Ort, Golgatha – Schädelstätte. Der Name ist Programm. Hier haben sich schon so manche Geschichten abgespielt. Es ist kaum in Worte zu fassen, was hier geschieht. Unmenschlichkeit in allen nur denkbaren Schattierungen. Weiterlesen

Auf einem Esel

Es ist eine Woche vor Ostern und bestimmt sehen Sie auch diesem Fest mit gemischten Gefühlen entgegen. Was wird möglich sein? Wen werden wir besuchen dürfen? Noch eine Woche, in der viel geschehen kann…

So war das damals auch. Jesu letzte Woche, in der sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Sie beginnt damit, dass Jesus mit seinen Freund*innen nach Jerusalem aufbricht. Und das spricht sich schnell herum: Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen. Weiterlesen

Kleines Osterfest

Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,23-24)

Es ist immer ein schlimmer Moment, wenn man auf einmal merkt, dass zwei Seiten, die ein Ganzes ergeben haben, nicht mehr zusammenpassen. Menschen, die sich einmal geliebt haben, merken: es geht nicht mehr. Ein gemeinsames Leben ist nicht mehr möglich. Wenn ein Streit so nachhaltig gewesen ist, dass der Bruch in der Beziehung einfach nicht mehr repariert werden kann. Vielleicht hat man vertraut, dass Gott seinen Segen dazugibt. Aber jetzt ist alles dahin. Weiterlesen

Verräter!

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. (Johannes 13,21)

Als die Welt noch in Ordnung war, man noch ins Stadion durfte, dicht an dicht dort stand; als Schalke gegen Bayern spielte und Manuel Neuer das Spielfeld betrat, da wurden die Menschen in der Nordkurve unruhiger als sie eh schon waren, man hörte lautes Pfeifen, Buh-Rufe und zwei Kinder schrien immer wieder „Judas“.

Frank stand auch da. Wie ich ihn kenne – na, eigentlich kenne ich ihn so nicht, wir haben erst einmal gemeinsam dort gestanden und da hat meine Anwesenheit ihn sicher stark gebremst. Also wie ich es mir aus Erzählungen zusammenreime, schreit und pfeift auch mein Mann, weil er schon befürchtet, dass die Bayern seine Schalker Jungs gleich schlagen, aber: er ist auch irritiert. Die Judas-Rufe lassen ihn aufhorchen und, wie er mir abends beim Heimkommen berichtet, auch nachfragen. Zwei Kinder, die „Judas“ rufen, wissen die, was sie da tun? Er fragt also: „Warum schreit ihr Judas?“ und prompt wird ihm geantwortet: „Der hat uns verraten!“ Weiterlesen

Tochter Zion

Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! (EG 13, Strophe 1)

Mir fehlt das Singen sehr! Wie gerne singe ich die vielen schönen Advents- und Weihnachtslieder in unseren Gottesdiensten. Leider ist das ja momentan nicht erlaubt. Deshalb singe ich sie nur zuhause; alleine, mit meinem Mann – und manchmal auch mit den Söhnen, wenn sie zu Besuch kommen. Dass ich diese Freude nicht mit vielen anderen teilen kann, tut mir weh. Denn diese Freude, die sich in den Texten und Melodien ausdrückt, ist für mich ein großer Schatz auf dem Adventsweg – dem Weg durch unsere Herzen hin zu unserem Gott. Weiterlesen

Durch die Augen eines Kindes

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Sacharja 9,9)

Wahrscheinlich ist es Ihnen aufgefallen, dass unser Predigttext Jesu Einzug in Jerusalem voraussagt. Einen Text, der uns von Palmsonntag vertraut ist. Dabei ist heute der Erste Advent. Was hat denn dann Palmsonntag mit der Adventszeit zu tun? Na ja, in beiden geht es um eine lang ersehnte Ankunft. Jesus wird lange erwartet, als Retter, als Heiland. Früher und oft auch heute. Weiterlesen

Es kommt noch etwas nach

Schon lange war die Mutter erkrankt, schwer erkrankt; und die Kinder kümmerten sich wirklich gut um sie. Sie musste nicht mehr selber einkaufen oder die Wohnung putzen, nach der Arbeit kam die Tochter und kümmerte sich um alles, half mit dem Sauerstoffgerät und der Bruder und sie überlegten immer wieder, wie sie der Mutter eine Freude machen konnten.

Und dann kam das, womit alle schon gerechnet hatten, was bei dieser Erkrankung auch nicht aufzuhalten war, die Mutter musste ins Krankenhaus, lag auf der Intensivstation und die Ärzte machten keine Hoffnung. Entscheidungen standen an, die die Familie im Vorfeld schon miteinander besprochen hatte, aber es fiel schwer, sehr schwer. So am Rande des Lebens, so mit der Endgültigkeit konfrontiert, trotz ärztlicher Begleitung und Freunden an der Seite, dem Wissen dass, egal was man jetzt noch macht, es der Mutter nicht besser gehen wird, man nicht helfen kann, dass die Mutter es auch so wollte, wenn es keine Hoffnung auf Besserung gibt. Weiterlesen

Sieben Wochen Mit Advent

In dieser Jahreszeit gibt es normalerweise auch unter uns verschiedene Ansichten, wenn wir auf die Zeit vor Weihnachten vorausschauen. Die einen unter uns warten mit dem Vorweihnachtlichen bis zum 1. Advent, die Dekoration bleibt gut verpackt, bis der November fast oder ganz vorbei ist, frühzeitiger Einkauf des traditionellen Gebäcks kommt auch nicht in Frage. Andere haben schon geschmückt, man sieht die ersten Lichterketten und frische Printen gibt es auch.

Welcher Typ sind Sie? Ich bin eigentlich eher der Kirchenjahrestyp, also am Samstag vor dem 1. Advent geht‘s los, oder zumindest bis zum Ewigkeitssonntag warten wir. Aber – wann fangen wir in diesem Jahr an, wann fängt das eigentlich an, das mit Weihnachten und dem Advent in 2020? Weiterlesen