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Gott gibt’s nur im Gesamtpaket

Von der Dynamik her erleben wir an unseren kirchlichen Feiertagen gerade die absoluten Gegensätze: Wir kommen von tiefsten Tiefen am Karfreitag – dem Erinnern von Schmerz, Leid und Tod – in die schwindelnden Höhen der Ostertage – voller Freude, voller Leben, voller Wunder. Für mich liegt in dieser dynamischen Spannung auch die Spannung, die uns in Jesus selbst begegnet: wahrer Gott und wahrer Mensch – so haben die alten Kirchenväter seine zweierlei Gestalt beschrieben.

Das wahre Göttliche erleben wir an Ostern: das Überwinden von Leid, von Tod – die Macht, die alle menschlichen Grenzen sprengt. Am Karfreitag erleben wir das pur Menschliche: Einsamkeit, Verlassen von allen Freunden, verraten von einem, dem er vertraute, dazu der körperliche Schmerz – das erkennen wir wieder.

Das erlebt auch der zehnjährige Oskar, in dem wunderbaren Buch ‚Oskar und die Dame in Rosa‘ von Eric-Emmanuel Schmitt. Oskar hat Krebs, Leukämie – und er ist ‚austherapiert‘; weiß – obwohl es ihm niemand sagt – dass er sterben wird. Seine Begleiterin in dieser – seiner letzten Zeit – ist Oma Rosa. Sie möchte ihn versöhnen mit sich, mit seinem viel zu kurzen Leben, mit Gott. Sie gehen zusammen in die Krankenhauskapelle, wollen Gott besuchen – und finden ihn hängend am Kreuz.

Oskars Reaktion: Ich habe natürlich einen Riesenschreck bekommen, als ich dich in diesem Zustand gesehen habe, fast nackt, ganz mager an deinem Kreuz, überall Wunden, die Stirn voller Blut durch die Dornen … Ich war empört. Wäre ich der liebe Gott, wie du, ich hätte mir das nicht gefallen lassen.

So überhaupt nicht passt das, was Oskar hier sieht, zu seinem Bild von Gott: vorgestellt hat er sich eher einen Superhelden – der alles kann, der alle Macht der Welt hat.

Ganz langsam versteht Oskar, warum er an einem Superhelden-Gott nichts hätte: Denk nach, Oskar, wem fühlst du dich näher?, fragt Oma Rosa, einem Gott, der nichts fühlt oder einem, der Schmerzen kennt wie du?

Gott gibt es nur in diesem Gesamtpaket – und das ist gut so. Es gibt ihn nur als wahren Menschen, der Leiden erfährt, der Schmerzen kennt und wahren Gott, der Leid überwinden kann. Es gibt ihn nur im Zusammenspiel und der Dynamik von Karfreitag und Ostern: weil er uns als Mensch ganz nahe kommt am Karfreitag, ist uns das wunderbar Göttliche an Ostern Trost, Hoffnungs- und Freudenzeichen. Das wollen – das werden wir heute feiern!

Monika Kindsgrab