Atmen und Beten

Seit ich bei meiner Arbeit in der Krankenhausseelsorge täglich mit Mund- und Naseschutz unterwegs bin, kommt mir bisweilen das Gesangbuchlied „Gott gab mir Atem“ in den Sinn und auf die Lippen, auch wenn Pfeifen und Singen derzeit unerwünscht sind. „Gott gab mir Atem“, das stimmt ja – aber unter der FFP2-Maske wird die Luft trotzdem manchmal ganz schön dünn, besonders wenn ich bei den Besuchen auf den Krankenzimmern zusätzlich ein Faceshield trage.

Eine gute Seite hat die Atemnot: ich achte jetzt noch bewusster auf mein Atmen. Ich versuche regelmäßig in den Wald zu gehen um frei und ungehindert atmen zu können. Und entdecke, dass mein Atmen und mein Beten enger zusammengehören als mir das früher klar war. Weiterlesen

Mut zum Glauben

Martin Luther und wir. Wie steht es mit dieser Relation, dieser Beziehung? Haben wir eine historische Beziehung oder eine Glaubensbeziehung zum Reformator oder beides? Das ist meine Frage an uns im Gedenkjahr „500 Jahre Worms“.

Etwa 50 Jahre nach Worms, die Zeitspanne ist vergleichbar zwischen dem berufenen Paulus und den Evangelien von Lukas und Matthäus, hält der bedeutende Lutheraner Nikolaus Selnecker (1530-1592) in der Universität Leipzig Vorlesungen zum Thema „Vom Leben und Wandel des ehrwürdigen Herrn und teuren Mannes Gottes Doctor Martini Lutheri“. Weiterlesen

Pfingsten: Gottes Geist nimmt Wohnung mitten unter uns

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. (Johannes 14,23 )

Pfingsten – unser Gott schickt seinen Geist und macht sich auf, um unter uns Wohnung zu nehmen. Ein wunderbares Bild, ein wunderbarer Tag: Zuspruch, Ermutigung, Begleitung durch unseren Gott, der uns die Kraft schenkt, die wir brauchen – Tag für Tag, Nacht für Nacht. Denn: Gott nimmt Wohnung unter uns. Und doch ist es in diesem Jahr auch ein Tag, an dem wir Abschied nehmen müssen von einem Ort, an dem wir unzählige Gottesdienste gefeiert und Zeit miteinander und füreinander verbracht haben: Abschied von der Versöhnungskirche. Weiterlesen

Kaum zu glauben!

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. (Johannes 21,12)

Nachdem Jesus auferstanden ist, zeigt er sich immer wieder seinen Jüngern. So auch an jenem Tag, als sieben von ihnen am See Tiberias fischen sind, ihnen aber nichts ins Netz gehen will. Da kommt ein Mann auf sie zu und sagt ihnen, sie sollen die Netze nochmal auf der anderen Seite auswerfen. Und es stimmt! Plötzlich fangen sie so viele Fische wie selten. Mit einem Mal erkennen die Jünger: das ist Jesus! Freudig eilen sie ihm entgegen. Und wie Jesus es immer getan hat, isst er mit ihnen und teilt mit ihnen das Brot.

Wie schwer fällt es uns – aber auch den Jüngern damals – einfach zu glauben ohne jeglichen Beweis. Aber versetzen wir uns mal in die die Lage der Jünger und Jüngerinnen damals. Sie erleben hautnah mit, wie Jesus ermordet wird. Und dann plötzlich soll da wieder Hoffnung sein? Jesus ist gar nicht tot, sondern ist auferstanden? Das ist schwer zu glauben. Dann zeigt sich Jesus seinen Jüngern auf dem See Tiberias. Aber etwas scheint anders, sie erkennen den Freund nicht sofort. Etwas hat ihn verändert: der Tod, das Erlebte? Wir wissen es nicht genau. Weiterlesen

Seid getrost!

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ (Johannes 16,33b).

Schon seit einem Jahr leben wir nun mit einer Angst, die wir zuvor nicht kannten: der Sorge, sich mit Covid-19 anzustecken oder unbewusst einen anderen Menschen zu infizieren. Manch einer ist selbst an diesem Virus erkrankt oder hat sogar einen Angehörigen oder eine Freundin verloren.

Aber auch andere Sorgen belasten uns: Die einen bangen um ihre Arbeitsstelle und damit um das dringend nötige Einkommen, die anderen wissen nicht, wie sie ihre Angestellten bezahlen sollen. Kinder vermissen ihre Freunde und Großeltern; Lehrer sorgen sich um Schüler*innen, die zuhause nicht die Zuwendung erfahren, die sie brauchen, und keine guten Möglichkeiten zum Lernen haben. Alleinstehenden fehlt es an Kontakten – vor allem auch an körperlicher Nähe. Dazu machen uns andere Krankheiten, Streit, Ablehnung und Einschränkungen zusätzlich das Leben schwer. Wie können wir bei so vielen Problemen und Sorgen noch zuversichtlich auf das Morgen schauen? Weiterlesen

Durch die Auferstehung ist uns die Zukunft offen

Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? (Johannes 20,14-15)

Immer wenn ich diese Verse lese, versuche ich, mich in Maria hineinzuversetzen und fühle dabei erst einmal Traurigkeit und dann Verwunderung. Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen verstorbenen Verwandten auf dem Friedhof besuchen. Doch als Sie an dem Grab ankommen, ist es offen, leer. Und mehr noch. Sie drehen sich um und da steht der Verstorbene, lächelt Sie an und spricht mit Ihnen. Also ich hätte mich, ganz ehrlich, erst einmal zu Tode erschrocken!

Die Auferstehung. Ein so wunderbares Ereignis. Eine so wundervolle Hoffnung. Aber mal ehrlich: was ist damit eigentlich gemeint? Dass wir leiblich wieder von den Toten aufstehen? Dass unser Geist aufersteht? Warum erkennen seine Freunde Jesus manchmal und manchmal auch nicht? Weiterlesen

Der gute Freitag

Martin Luther hat den Karfreitag einen „guten Freitag“ genannt. Was ist denn gut an Karfreitag? Martin Luther beschreibt es so: „Wir laufen weg vor Gott, wenden uns ab von der Quelle des Lebens und „er läuft uns nach, durch alles Leiden wie durch ein Feuer“. Seit Karfreitag ist alles anders! Denn an diesem Tag hat Gott mit uns nicht nur die Kleider, sondern die Plätze getauscht. Weiterlesen

Auf einem Esel

Es ist eine Woche vor Ostern und bestimmt sehen Sie auch diesem Fest mit gemischten Gefühlen entgegen. Was wird möglich sein? Wen werden wir besuchen dürfen? Noch eine Woche, in der viel geschehen kann…

So war das damals auch. Jesu letzte Woche, in der sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Sie beginnt damit, dass Jesus mit seinen Freund*innen nach Jerusalem aufbricht. Und das spricht sich schnell herum: Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen. Weiterlesen

Kleines Osterfest

Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,23-24)

Es ist immer ein schlimmer Moment, wenn man auf einmal merkt, dass zwei Seiten, die ein Ganzes ergeben haben, nicht mehr zusammenpassen. Menschen, die sich einmal geliebt haben, merken: es geht nicht mehr. Ein gemeinsames Leben ist nicht mehr möglich. Wenn ein Streit so nachhaltig gewesen ist, dass der Bruch in der Beziehung einfach nicht mehr repariert werden kann. Vielleicht hat man vertraut, dass Gott seinen Segen dazugibt. Aber jetzt ist alles dahin. Weiterlesen

Herausforderung angenommen

Als Jesus das gesagt hatte, war er im Innersten tief erschüttert. Er erklärte ihnen: „Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger ratlos an und fragten sich: „Von wem spricht er?“ Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders liebte, lag bei Tisch an der Seite von Jesus. (Johannes 13,21-23)

„Möchtest du auch was von dem Schnaps?“ – „Nein, danke. Das schmeckt mir einfach nicht.“ – „Ach komm! Sei kein Spielverderber! Alle trinken einen mit!“ – „Na gut…“ Kennen Sie solche Situation auch? Versuchungen, die an uns herangetragen werden. Nicht unbedingt immer wie in diesem Beispiel, aber doch sind sie da. Und für jeden bedeuten sie etwas anderes. Wenn wir Versuchungen nachgeben, dann hat das auch häufig unterschiedliche Gründe. Beispielsweise der Druck einer Gruppe oder die eigene Lust, eine Grenze zu überschreiten. Wir wägen die Konsequenzen ab und wagen dann den Schritt. Weiterlesen