450 Jahre Demokratie in unserer Kirche: Die Emder Synode von 1571

Zufällig geriet ich während meines Studiums in Bonn in eine Arbeitsgruppe, die sich mit den Leitungsstrukturen unserer Kirche befasste. Erstaunt lernte ich, dass wir in unserem Bereich gut zweihundert Jahre vor der Französischen Revolution schon demokratische Strukturen entwickelten. Ich hatte 1968 Abitur gemacht und bin deshalb auch so ein bisschen ein Alt-Achtundsechziger. Dass Menschen sich praktisch ohne Hierarchie organisierten, das fand ich enorm und bin bis heute ein bisschen stolz darauf, dazu zu gehören. Aber ich habe sicher in meinem Berufsleben auch nicht immer alle Probleme lösen können, ohne autoritär zu werden. Weiterlesen

Mut zum Glauben

Martin Luther und wir. Wie steht es mit dieser Relation, dieser Beziehung? Haben wir eine historische Beziehung oder eine Glaubensbeziehung zum Reformator oder beides? Das ist meine Frage an uns im Gedenkjahr „500 Jahre Worms“.

Etwa 50 Jahre nach Worms, die Zeitspanne ist vergleichbar zwischen dem berufenen Paulus und den Evangelien von Lukas und Matthäus, hält der bedeutende Lutheraner Nikolaus Selnecker (1530-1592) in der Universität Leipzig Vorlesungen zum Thema „Vom Leben und Wandel des ehrwürdigen Herrn und teuren Mannes Gottes Doctor Martini Lutheri“. Weiterlesen

Ein (fast) vergessenes Jubiläum

Den 500. Jahrestag des Wittenberger Thesenanschlags hat die Evangelische Kirche 2017 groß begangen. Gefeiert wurde ein theologischer Durchbruch, auch wenn fraglich bleibt, ob Luther wirklich den Hammer geschwungen hat und immer mehr dafür spricht, dass der „Durchbruch“ geistesgeschichtliche Grundlagen hat, die weit ins Mittelalter zurückreichen und zeigen, wie sehr der Reformator diesen Gedanken verbunden geblieben ist. Nun gibt es wieder etwas zu feiern – und keiner geht hin. Und das liegt denkwürdiger Weise nicht nur an Corona. Weiterlesen

Blume der Liebe

Die Rose ist die Blume der Liebe. Sie verströmt einen wunderbaren Duft. In vielen Schichten und Blütenblättern entfaltet sie sich. Zu jeder Zeit ist sie schön. Liebende verschenken eine noch geschlossene dunkelrote Rose an die Liebste als Liebeserklärung. In freudiger Hoffnung erwarten die Liebenden, dass sich ihre Liebe entfaltet und verströmt wie die Rose. Am Totensonntag werden weiße Rosen auf die Gräber geliebter Angehöriger gelegt als Zeichen der Liebe, die stärker ist als der Tod. Die Farbe Weiß weist auf Jesus Christus hin, der alles neu macht. Weiterlesen

Gott sei Dank!

„Ich muss noch kurz die Welt retten“, klang es vor einigen Jahren regelmäßig aus dem Radio. An guten Vorsätzen kann es nicht genug geben in dieser Welt. Am Erntedanktag schon einmal gar nicht. Denn gerade heute denken und besinnen wir uns schließlich auf das, wofür wir dankbar sein können im Leben. Und als Zeichen tragen wir immer noch, wie schon seit ewigen Zeiten, Früchte des Feldes in die Kirchen. Auch wenn die Wenigsten von uns heute in irgendeiner Weise zum Wachsen und Ernten beigetragen haben. Weiterlesen

Symphonie und Chor im Neuen Testament

„Ich will mich auf den Weg machen und heimkehren zu meinem Vater: denn ich habe Unrecht getan, Vater, gegen den Himmel und vor deinem Angesicht und ich verdiene nicht mehr, dass du mich Sohn nennst. Lass mich Tagelöhner bei dir sein. Und er kehrte nach Hause zurück, und der Vater sah ihn von weitem, wie er näherkam, und sein Herz zog sich zusammen, er lief, so schnell er konnte, winkte dabei, fiel dem Sohn um den Hals, küsste ihn und hatte ihn lieb. Weiterlesen

Hat Jesus gelacht?

Die großen Feste des Kirchenjahres liegen hinter uns. Zu Pfingsten lacht Jesus vom Himmel herab und freut sich seiner Schar, die mit großer Freude nach Jerusalem zurückgekehrt war (Lukas 24,52). Das behaupte ich einfach so. Vielleicht tut uns das auch uns in unseren schweren Zeiten gut?!

Die Frage: „Hat Jesus gelacht?“ ist alt und immer neu. Heiterkeit, Freude, Humor, Lachen zeichnen uns Menschen aus. Aristoteles: Von den Lebewesen lacht allein der Mensch. Rund 2500 Jahre später bestimmt Papst Johannes XXIII. den christlichen Glauben einfach so: er ist heitere Gelassenheit und Hingabe an Gott. Weiterlesen

Luther (1524) und Bach (1724)

Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben ´rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen… (Martin Luther: Christ lag in Todebanden, EG 101, Strophe 4)

Bachs gesamtes Schaffen ruht auf dem Fundament der Reformation. Ohne Luther ist Bach nicht vorstellbar. Bachs Kirchenmusik basiert ganz entscheidend auf dem evangelischen Choral Luthers. Dieser ist einer der wesentlichsten Schöpfungen des Reformators und die Jahre 1523 und 1524 – so kann man in unserem Evangelischen Gesangbuch, auf Seite 1567, lesen und dann mit Mühe und Freude die Lieder aufschlagen – sind die kreativsten Jahre seiner Liedschöpfungen.

Aber nicht nur das Material nahm Bach aus dem Erbe der Reformation, sondern er verarbeitete und gestaltete es in ihrem Geiste. Wenn Luthers Worte und die Worte der Lutherbibel und Bachs Töne sich zu einer Einheit verbinden, dann erfährt man den Reichtum und die Größe Luthers und Bachs. Weiterlesen

Die Kirche in der VUCA-Welt

1. Manchmal hat man den Eindruck, die Herausforderungen für die Kirche in Deutschland seien nicht nur groß, sondern einzigartig. So manche Reaktionen auf die Studie Projektion 2060, die das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Mai vorgelegt hat, legten diese Einschätzung nah. Die koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland bestätigte frühere Langzeitstudien. Sie zeigt, wie sehr „Kirche im Umbruch“ ist „Zwischen demografischem Wandel und nachlassender Kirchenverbundenheit“. Mir scheint, dass in den öffentlichen Reaktionen viel von der Stimmungslage und der Unsicherheit in unseren Gemeinden und der Kirche insgesamt aufscheint. Weiterlesen

Eine Botschaft, die befreit und ermutigt

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28,20)

Es gibt keine Taufe in unserer Kirche, in der wir diese Worte nicht hören. Denn dieser Satz, dieses Versprechen ist die Ermutigung für uns, uns auf den Weg zu den Menschen zu machen. Zu allen Menschen, denn „gehet hin in alle Welt!“ Der Grenzenlosigkeit der Verheißung entspricht die Grenzenlosigkeit des Auftrags.

Das sind große Worte. Ich weiß das genau. Es sind herausfordernde Worte, denen wir als einzelne, als Gemeinde, als Kirche weltweit niemals vollständig gerecht werden können. Und doch darf der Anspruch nicht kleiner werden. Denn die Liebe Gottes gilt jedem Menschen. Keiner bleibt hier außer Acht. Deshalb ist es befreiend, dass wir als Christen nicht von uns selber reden müssen oder reden sollen, sondern: „lehret sie halten alles, was ich – Jesus Christus – euch geboten habe! Weiterlesen