Jesus malt

Es ist wie mit einem Senfkorn: Wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. (Markus 4,30-32)

Jesus „malt“ in seinen Geschichten über „Gottes neue Welt“ wunderbare Bilder mit Wörtern. Bestimmt können auch Sie sich diesen Baum vorstellen, der aus einem winzig kleinen Senfkorn gewachsen ist. Wie mögen wohl seine Zweige aussehen? Sicher sind sie lang, zart und doch stabil genug, dass sie ganz viele Nester tragen können. Zwischen den hellen, gelbgrünen Blättchen sind sie wunderbar geschützt. Vogeleltern sitzen darauf und brüten. In manchen regt sich schon etwas, kleine orangegelbe Schnäbel öffnen sich. Ich höre ein Piepsen und Zwitschern, spüre das neue Leben und eine bunte Fröhlichkeit unter einem tiefblauen Himmel. Weiterlesen

Martin Luthers Vater unser-Lied

Sieben Jahre vor seinem Tod 1546 hat der Reformator Martin Luther ein Lied zum weltumspannenden Herren-Gebet Vater unser gedichtet und komponiert, das seinesgleichen sucht. Felix Mendelssohn Bartholdy ist von der Melodie und den Strophen so angetan gewesen, dass er Sonaten-Variationen für Orgel für jede einzelne der neun Strophen komponierte. Wer sich ernsthaft mit diesem wunderbaren Lied auseinandersetzen möchte, der schlage unser Evangelisches Gesangbuch EG 344 auf. Weiterlesen

Es kommt noch etwas nach

Schon lange war die Mutter erkrankt, schwer erkrankt; und die Kinder kümmerten sich wirklich gut um sie. Sie musste nicht mehr selber einkaufen oder die Wohnung putzen, nach der Arbeit kam die Tochter und kümmerte sich um alles, half mit dem Sauerstoffgerät und der Bruder und sie überlegten immer wieder, wie sie der Mutter eine Freude machen konnten.

Und dann kam das, womit alle schon gerechnet hatten, was bei dieser Erkrankung auch nicht aufzuhalten war, die Mutter musste ins Krankenhaus, lag auf der Intensivstation und die Ärzte machten keine Hoffnung. Entscheidungen standen an, die die Familie im Vorfeld schon miteinander besprochen hatte, aber es fiel schwer, sehr schwer. So am Rande des Lebens, so mit der Endgültigkeit konfrontiert, trotz ärztlicher Begleitung und Freunden an der Seite, dem Wissen dass, egal was man jetzt noch macht, es der Mutter nicht besser gehen wird, man nicht helfen kann, dass die Mutter es auch so wollte, wenn es keine Hoffnung auf Besserung gibt. Weiterlesen

Die Vaterunser-Glocke

Lange Zeit konnten die Glocken der Christuskirche in Oberhausen nicht geläutet werden. Der Turm war nicht mehr stabil genug. Nun, nach einer Grundrenovierung, ist das Läuten bald wieder möglich. Deshalb wurde eine neue Läuteordnung erarbeitet. Weil ich zur Christuskirchen-Gemeinde gehöre, war ich dabei. Es wurde sehr sorgfältig überlegt, wann soll, mit welchen Glocken, wie lange geläutet werden? Ist es noch zeitgemäß, den Mittag und den Abend besonders anzuzeigen? Und wie steht es mit dem Läuten Silvester und vor dem Ostersonntag um Mitternacht?

Wir haben das alles gewissenhaft abgearbeitet. Zwischendurch allerdings stellte ich mir die Frage, wofür, das heißt: für wen wir das eigentlich machen? Wer hört das noch gerne? Die, die sich zur Gemeinde zugehörig fühlen, bleiben der Gemeinschaft sowieso verbunden. Brauchen die noch den Glockenklang mit seiner besonderen Botschaft? Und was ist mit den anderen? Weiterlesen

Ihr seid der Tempel

Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen. (1. Korinther 3,11)

Ein lautes Krachen erfüllt die Gegend. Menschen schreien und rennen. Eine riesige Staubwolke wird hochgewirbelt, während das große Gebäude in sich zusammenfällt. Es ist der 3. März 2009 um 13.58 Uhr, als das Kölner Stadtarchiv einstürzt. Zwei Menschen sterben, Menschen verlieren ihre Wohnungen. Womit genau der Einsturz zusammen hängt, ist bis heute nicht geklärt. Nur eines weiß man: es hatte etwas mit den Bauarbeiten der U-Bahn, die unter dem Gebäude stattfanden, zu tun. Wer aber verantwortlich ist, ob es bauliche Mängel gab, ist unklar. Weiterlesen

Luther (1524) und Bach (1724)

Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben ´rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen… (Martin Luther: Christ lag in Todebanden, EG 101, Strophe 4)

Bachs gesamtes Schaffen ruht auf dem Fundament der Reformation. Ohne Luther ist Bach nicht vorstellbar. Bachs Kirchenmusik basiert ganz entscheidend auf dem evangelischen Choral Luthers. Dieser ist einer der wesentlichsten Schöpfungen des Reformators und die Jahre 1523 und 1524 – so kann man in unserem Evangelischen Gesangbuch, auf Seite 1567, lesen und dann mit Mühe und Freude die Lieder aufschlagen – sind die kreativsten Jahre seiner Liedschöpfungen.

Aber nicht nur das Material nahm Bach aus dem Erbe der Reformation, sondern er verarbeitete und gestaltete es in ihrem Geiste. Wenn Luthers Worte und die Worte der Lutherbibel und Bachs Töne sich zu einer Einheit verbinden, dann erfährt man den Reichtum und die Größe Luthers und Bachs. Weiterlesen

Unser Weihnachtsbaum

Weihnachten ist ein Fest der Traditionen und Traditionen müssen erzählt werden. Sie werden von den Eltern an die Kinder weitergegeben und von den Großeltern an die Enkelkinder. Im Judentum stellt der jüngste Sohn oder die jüngste Tochter den Eltern am Vorabend des Pessachfestes die Frage, warum sie gerade diese Speisen zu dem Fest essen. Der Vater antwortet, indem er den Kindern die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt.

Auch Weihnachten ist ein Fest der erzählten Traditionen, ein Fest der Geschichten. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle die Geschichte von unserem Weihnachtsbaum erzählen. Es ist eine typische Weihnachtsgeschichte mit ein wenig Drama und ein wenig Kitsch und sie wiederholt sich so oder ähnlich jedes Jahr aufs Neue. Weiterlesen

Gottes Reich mit Taten der Liebe verkündigen

Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. (Matthäus 10,7)

Dieser Bibelvers ist Teil einer längeren Rede Jesu, in der er die Jüngerinnen und Jünger aussendet, um zu predigen und zu sprechen; wir fassen diesen Auftrag unter den Begriff Mission (lat. Missio, Absendung) – das klingt nicht in allen Ohren gut. Da kommen schnell unangenehme Erinnerungen an die Geschichte hoch. Da fallen uns schnell Zwang und Druck ein, mit denen man Missionierungen unter anderem auch mit dem Schwert in der Hand betrieben hat. Weiterlesen

Der Hase

Am 16. November war Vorlesetag in Deutschland. Wer wollte und konnte, hat an diesem Tag anderen vorgelesen. Auch der Präses unserer Landeskirche, Manfred Rekowski, wollte an diesem Tag Kindern vorlesen und suchte sich dafür unsere Bücherei aus. Er las den Maxi-Kindern aus dem Kindergarten am Brausewindhang biblische Geschichten vor: zuerst die von der Schöpfung der Tiere mit Elefanten und Giraffen, Pferden und Hasen.

Und dann las er die Erzählung von der Arche. Bald kamen alle Tiere an die Reihe, die Noah mitnahm. Da fragte ein Kind: Und wo ist jetzt der Hase? Ja, wo? Man suchte Seite für Seite, aber es war kein Hase zu sehen. Schade. War er vorausgelaufen oder hatte er sich verkrochen? Erst am Schluss entdeckte die Mitarbeiterin der Büchereifachstelle zwei große Ohren in einem Bullauge. Da musste man schon genau gucken. Aber dann erkannte man die Ohren, die Zeichen des Hasen. Da wussten die Kinder: der Hase ist auch mit dabei. Alles war gut. Weiterlesen

Sehnsuchtsorte

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung 21,2)

Wenn nach diesem großen Sommer jetzt bald die dunklen Tage des Novembers kommen, denken wir darüber nach, wie wir wieder Sonne tanken können, wohin uns der nächste Urlaub führt, wie wir der Dunkelheit entkommen. Und die Sehnsucht wächst. Mancher denkt im November auch zurück an die traurigen Zeiten des Jahres, an einen Todesfall in der Familie, an den Verstorbenen; geht ans Grab oder zum Trauergottesdienst am Ewigkeitssonntag und fragt sich, wie es jetzt weitergeht. Die Sehnsucht nach Leben wächst neu. Weiterlesen