Auf einem Esel

Es ist eine Woche vor Ostern und bestimmt sehen Sie auch diesem Fest mit gemischten Gefühlen entgegen. Was wird möglich sein? Wen werden wir besuchen dürfen? Noch eine Woche, in der viel geschehen kann…

So war das damals auch. Jesu letzte Woche, in der sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Sie beginnt damit, dass Jesus mit seinen Freund*innen nach Jerusalem aufbricht. Und das spricht sich schnell herum: Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen. Weiterlesen

Der Apostel Paulus war ein Körnerpicker wie wir alle

„Der Apostel Paulus war ein Körnerpicker wie wir alle“ – was soll das heißen? Ein einziges Mal wird Paulus im Neuen Testament so genannt, „Körnerpicker“, griechisch spermológos. Das berichtet oder denkt sich der Evangelist Lukas, des Apostels erster Biograph, aus und erzählt lebendig davon in seiner Apostelgeschichte, im Kapitel 17. Davon will ich jetzt berichten, so kurz es geht.

Als der Apostel Paulus in die berühmte Stadt Athen gekommen war, um hier Jesus Christus zu verkündigen und wo sein missionarischer Erfolg fast gleich Null gewesen ist, versäumte Lukas die Gelegenheit nicht, die Kenntnisse des Apostels in der jüdischen und hellenistischen Tradition auf diesem besonderen Terrain auszubreiten. Und der Evangelist weiß, warum! Auf der Agorá, dem Forum, dem Markt Athens, stellten weise Häupter wie Sokrates und andere ihre philosophischen Fragen und versuchten die Bürger zum Nachdenken zu bringen. Weiterlesen

Schreib mal wieder!

Weihnachtskarten spielen im Vereinigten Königreich eine besondere Rolle. Man „tauscht sie aus“. Der traditionelle Gruß dabei lautet „Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“. Das kann problemlos von Christen wie Nichtchristen anlässlich des Christfestes gewünscht werden. Mehr muss es auch nicht sein. Denn oftmals sind es weit über hundert solcher Karten, die von einem Haushalt oder auch von der Geschäftsleitung eines Unternehmens ausgehen, weit über den privaten Bekanntenkreis hinaus. Weiterlesen

Gottes bedingungsloses ‚Ja‘

Wie gerne hätten wir auch in diesem Jahr einen ökumenischen Gottesdienst zum Buß- und Bettag gefeiert! In vielen Gemeinden sind diese Gottesdienste eine gute alte Tradition. Deshalb schadet es nicht, wenn wir uns noch einmal erinnern: diese ökumenischen (!) Gottesdienste am Buß- und Bettag blühten in besonderer Weise auf und wurden zum Symbol ökumenischer Solidarität, als der evangelische (!) Buß- und Bettag 1994 zugunsten der Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag aufgehoben wurde. Damals zu spüren: „das ist auch unseren katholischen Geschwistern nicht gleichgültig“, das war eine Wohltat. Weiterlesen

Was uns trägt

Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. (2. Mose 19,1-6)

„Was ist das nur für eine verrückte Zeit – da komme ich nicht mehr mit.“ Wie oft haben wir diese Worte in den letzten Wochen und Monaten gesagt oder wie oft haben wir uns ebenso gefühlt? Verrückte Zeiten – die erleben wir immer wieder. Corona ist da nur das Sahnehäubchen. Allerdings ein gewaltiges und ein besonderes – das ist wohl wahr.

Das Problem ist und bleibt die Ungewissheit, dieses Gefühl, nicht zu wissen, wohin das Ganze läuft. Das Ende scheint offen. Das macht Sorgen und lässt zweifeln. Aber auch das alles ist nicht neu, sondern begleitet die Menschheit von allem Anfang an. Weiterlesen

Über die Sünde – und was wir daraus lernen können | In Zeiten von Corona #10

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19) – Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut. (2. Korinther 7,10) | Herrnhunter Tageslosung für den 26. März 2020

Gestern habe ich hier berichtet über den Menschen als Kunstwerk Gottes, von seiner Größe und Würde, seiner Funktion und seinem Auftrag. Heute muss ich erzählen von seinem Scheitern und seiner Hässlichkeit. Habe ich gestern so sehr bestanden auf der Freiheit der Kinder Gottes – so muss ich heute eingestehen, dass wir Menschen nicht nur fähig sind zum Guten, sondern auch zum Schlechten. Die Spuren unseres bösen Tuns ziehen sich durch Natur und Geschichte. Es ist offensichtlich, dass wir Menschen alles andere als gelungene Meisterwerke sind. Weiterlesen

Kunstwerk Mensch | In Zeiten von Corona #9

Was kehrt Ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts! (Jesaja 29,16) – Alle miteinander bekleidet euch mit Demut (1. Petrus 5,5) | Herrnhuter Tageslosung für den 25. März 2020

„Sie ist Wachs in meinen Händen“ prahlt der Jüngling über seine neuste Eroberung und löst damit so manche Männerfantasie bei seinen Freunden aus. Pygmalion erschafft sich aus Elfenbein seine gefügige Traumfrau; und Professor Higgins performt als Erweis seiner Brillanz als Sprachwissenschaftler aus dem Proletariermädchen Eliza Doolittle eine (Fast-)Herzogin. So geht es zu, wenn Menschen als Material verstanden werden und Meister sie als Werke ihrer Grandiosität darstellen.

Deshalb ist mir die heutige Tageslosung unsympathisch. Ich will meine Gottesbeziehung nicht in diesen narzisstischen Bildern ausgedrückt wissen. Ton in eines Töpfers Hand, willenlose Kreatur ohne Recht zum Widerspruch, Marionette mit Auftrag zur Unterwürfigkeit und Allakzeptanz – das entspricht nicht meinem Selbstbild. Vor allem aber entspricht es nicht meinem Gottesbild. Weiterlesen

Grund allen Seins, Schöpfungskraft | In Zeiten von Corona #7

Herr, du bist ‘s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist. (Nehemia 9,6) – Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. (Aostelgeschichte 14,17) | Herrnhuter Tageslosung für den 23. März 2020

Um Gottes kreativen Geist geht es in der heutigen Tageslosung. Immer schon haben die Menschen sich die Frage gestellt, wo denn das Leben herkommt. Israelit*innen, Jüd*innen und Christ*innen haben darauf die Antwort gegeben, dass es der transzendente Gott höchstpersönlich ist, der die Welt in einem äußerst kreativen Akt geschaffen hat.

Gleich zwei Schöpfungsberichte erzählen von der ungeheuren Schöpferkraft Gottes, der allein durch sein Wort und mit spielerischer Kraft, das hervorbringt, was kein Mensch je erzeugen könnte.  Hier spiegeln sich die Erfahrungen wider, die die biblischen Erzähler*innen mit der lebensförderlichen Nähe und Fürsorge Gottes gemacht haben. Weiterlesen

Unser Weihnachtsbaum

Weihnachten ist ein Fest der Traditionen und Traditionen müssen erzählt werden. Sie werden von den Eltern an die Kinder weitergegeben und von den Großeltern an die Enkelkinder. Im Judentum stellt der jüngste Sohn oder die jüngste Tochter den Eltern am Vorabend des Pessachfestes die Frage, warum sie gerade diese Speisen zu dem Fest essen. Der Vater antwortet, indem er den Kindern die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt.

Auch Weihnachten ist ein Fest der erzählten Traditionen, ein Fest der Geschichten. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle die Geschichte von unserem Weihnachtsbaum erzählen. Es ist eine typische Weihnachtsgeschichte mit ein wenig Drama und ein wenig Kitsch und sie wiederholt sich so oder ähnlich jedes Jahr aufs Neue. Weiterlesen

Mit Gelassenheit und Gottvertrauen

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal geschrieben: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Und er hat damit einen wunden Punkt angesprochen. Man sieht und merkt uns Christinnen und Christen, das Glück Gottes Kinder zu sein, oft nicht an. Eher befremdet es uns, wenn Menschen glückselig lächelnd von ihrem Glaubensglück erzählen und wir werden vorsichtig, ob da nicht einer bei einer Sekte gelandet ist.

Das ist vermutlich aber auch nicht, wonach Nietzsche gefragt hat. Es ging ihm wahrscheinlich um eine im Glauben gründende Gelassenheit – einen wahrnehmbaren Unterschied zur Getriebenheit des Menschen. Loslassen können ist eine Lebenskunst, die Jesus den Menschen nahegelegt hat: Sorgt euch nicht um die Zukunft, vertraut auf Gott. Weiterlesen