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Bei Gott ist alles etwas anders

Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt… Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. (1. Korinther 2,6f.)

Als wir uns Weihnachten zum Gottesdienst trafen, da sagte sie, kaum, dass ich sie begrüßt hatte: Es tut mir leid! Ich habe es nicht geschafft, mich für diesen Gottesdienst besonders fein zu machen.

Ganz betroffen schaute ich an mir herunter, stellte fest, dass ich auch nur sonntäglich gekleidet war, und dann blickten wir gemeinsam auf unsere schöne Krippe, wo das Jesuskind lieb lächelnd in seiner Krippe lag, und lächelten auch. Denn so schön diese Holzfiguren auch sind, so edel sie irgendwie herüberkommen und so sauber auch das Stroh aussieht, das wir um die Krippe herum gelegt hatten: das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott zu uns auf die Erde nicht in großartiger Herrlichkeit kam, nicht im Sonntagsstaat oder Festtagskleidung, sondern in den Schmutz und Dreck unserer Welt.

So drastisch, glaube ich, darf ich es schon formulieren. Denn ein Stall ist mal kein schön hergerichteter Raum, ist kein Thron und kein Festtagssaal, sondern hier halten sich Tiere auf, die nicht nach Parfum duften, hier wird geschlafen und Mist produziert, hier ist es dreckig.

Ich weiß: für die, die regelmäßig in die Kirche kommen, für die, für die der Glaube an Gott zum Leben dazugehört, sind das jetzt lauter Binsenwahrheiten – alles Dinge, die sie wissen und glauben. Aber an diesem Heiligabend, als wir uns da trafen und beide irgendwie bedröppelt an uns herunterschauten, da war diese Einsicht gerade wichtig: Gott hat sich in die Niederungen dieser Welt bewegt.

Die ersten, die er an der Krippe stehen haben wollte, waren nicht die Menschen der Oberschicht, waren keine, die es in ihrem Leben zu etwas gebracht hatten – im herkömmlichen Verständnis – keine Reichen, keine Könige, keine Weisen, die kamen erst später, nein, die ersten, die kommen durften, waren Menschen vom Feld. Hirten, die bei ihren Tieren gewacht hatten, die vermutlich genauso aussahen wie Menschen, die draußen leben. Nicht ganz sauber, nicht unbedingt wohlriechend. Die Gott aber eingeladen hatte, an der Krippe zu stehen und die als erste das Wunder dieser Nacht bestaunen durften, neben Maria und Josef.

Insofern waren wir beide, als wir uns an diesem Heiligabend trafen, auch gleich wieder getröstet. Wir waren in guter Gesellschaft, nicht piekfein, allerdings auch nicht dreckig. Eine wichtige Erfahrung: ich darf zu Gott so kommen wie ich bin. Ich muss mich nicht feinmachen, ich darf das, aber ich muss das nicht. Ich muss nichts beweisen, muss nichts sein, muss ihm nur mein Herz öffnen. Das ist vielleicht die erste wichtige Botschaft Gottes an uns Menschen: wir sind alle herzlich willkommen bei ihm. Alle, so wie wir sind.

Dass das nicht nur zu seiner Geburt galt, das hat Jesus dann sein ganzes Leben lang gezeigt. Es durfte zu ihm kommen, wer wollte. Alle waren, alle sind eingeladen. Über die Kleinen hat er segnend seine Hand gehalten, für die Kranken hatte er ein offenes Ohr und ein offenes Herz, nicht wenigen hat er Heilung gebracht. Selbst die Bösewichter hat er nicht abgewiesen, nein: zu denen hat es ihn offensichtlich auch noch ganz besonders hingezogen. Sie hat er aufgesucht, wertgeschätzt, würdig behandelt. Gerade sie wollte er. Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die Kranken, hat er gesagt. Und diese Menschen haben es gespürt. Haben gespürt, dass da einer ist, der ihnen etwas zutraut, der sie würdig behandelt. Und darum hatten sie plötzlich auch den Raum, sich zu ändern.

Unfassbar standen sogar seine Jünger manchmal daneben. Konnten nicht begreifen, dass Jesus ausgerechnet die, mit denen man doch eigentlich nichts zu tun haben sollte, wollte, mochte, dass er also ausgerechnet die… Aber so war er. Seine Geburt, sie war Programm für sein ganzes weiteres Leben. Wer in einem Stall zur Welt kommt, der ist offensichtlich vor nichts fies.

Und alle, die zu ihm kamen, die waren eingeladen, von ihm zu erzählen, ihn zu bezeugen. Die ersten Zeugen waren die Hirten vom Feld. Sie gingen geradezu erleuchtet von der Krippe wieder weg und erzählten die frohe Botschaft den Menschen, die sie trafen. Das finde ich auch erstaunlich: Normalerweise möchte man seine Botschaft ja auch gut an den Mann und die Frau bringen. Heutzutage ist das ein richtiger Beruf. Werbefachleute sind am Werk. Gute Botschaften müssen gut verpackt sein, attraktiv, ansprechend, schön. Auch wenn Kirche heute manchmal in diese Falle tappt, zu Zeiten Jesu und auch danach war das anders: Die Botschaft sprach für sich. Von Jesus erzählen durfte jeder und jede. Ganz egal, wie er oder sie aussah.

Auch das ist eine wichtige Botschaft Gottes an uns Menschen: keiner ist zu klein, zu groß, zu krank, zu schwach, zu stark, um von Gott zu erzählen, um Zeugnis abzulegen. Bei Gott ist irgendwie immer alles ein wenig anders, als es einem die weltliche Weisheit nahelegt.

Aber wer das Leben Jesu weiterverfolgt, der hört dann ja auch, dass Jesus nach weltlichem oder menschlichem Ermessen gescheitert ist. Ans Kreuz wird er geschlagen, kaum nachdem er seine Tätigkeit aufgenommen hat. Das war einigen Menschen, durchaus auch gottesfürchtigen Menschen, ein Dorn im Auge, dass sich da einer um die Ausgestoßenen kümmerte, einer die Verbote und Gebote des Judentums nicht ernst nahm und das angeblich auch noch im Namen Gottes. So einer muss weg.

Aber das, was wie ein Scheitern wirkt, war der Plan Gottes: erst durch den Kreuzestod Jesu wird für alle, die ihm nachfolgen, Erlösung möglich. Indem Jesus unsere Schuld ans Kreuz trägt, werden wir von ihr befreit. Und weil Gott Jesus dann nicht im Tod gelassen hat, sondern ihn von den Toten auferweckt hat, darum ist auch uns Christinnen und Christen ein neues Leben verheißen.

Die Botschaft Gottes ist schon besonders. Alle sind eingeladen. Alle dürfen von ihm erzählen und bezeugen: in der Welt schwach zu sein, ist Gottes Stärke. Bei Gott gilt eine andere Weisheit.

So schreibt es auch der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Korinth. Auch er ist, obwohl ich ihn oft ganz groß finde, einer wie Du und ich. Einer, der in den Fußstapfen Jesu läuft, der Zeugnis von ihm ablegt, der aber eben auch nicht besonders ist. Kein Großer, kein Überschlauer, kein ganz Fitter, sondern einer, der Krankheit am eigenen Leib erfährt: das jedenfalls sagt er von sich selbst:

Als schwacher Mensch trat ich vor euch und zitterte innerlich vor Angst. Mein Wort und meine Botschaft wirkten nicht durch Tiefsinn und Überredungskunst, sondern weil Gottes Geist sich darin mächtig erwies. Euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf die Kraft Gottes. Auch wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind. Aber das ist nicht die Weisheit dieser Welt… Vielmehr verkünden wir Gottes geheimnisvolle Weisheit, die bis jetzt verborgen war. (1. Korinther 2,3ff.)

Ja, so ist es. Gottes Weisheit ist nicht weltlich. Bei ihm ist alles ein bisschen anders. Das aber ist sehr gut für uns. Also öffnen wir unsere Herzen für Gott. Laden wir ein zu ihm. Werben wir für diese andere Weisheit und danken wir ihm für seinen Geist.

Friederike Seeliger

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