Glücklich ist, wer Herz zeigt

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36)

Das sagt sich leicht und klingt gut. Aber was meint Jesus damit? Allein schon das Wort ist selten in unserem täglichen Sprachgebrauch zu finden. Ist Barmherzigkeit veraltet?

Die Geschichte eines Mannes machte mir das Gegenteil deutlich: Seit Tagen saß er mit seinen aufgestapelten Rechnungen am Küchentisch. Es waren nur Rechnungen von ganz normalen monatlichen Kosten, nichts Besonderes. Er sparte, wo er konnte, und kaufte sehr preisbewusst ein. Aber die Summe, die sich aus den Rechnungen ergab, war zu hoch. Er war in Kurzarbeit und es reichte einfach nicht. In der Nacht war an Schlaf nicht zu denken, und am nächsten Morgen rechnete er noch einmal alles durch. Es änderte sich nichts. Wie sollte er das schaffen? Weiterlesen

Kain und Abel

Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? (1. Mose 4,9a)

„Des is hoit so“ – „Das ist halt so“ – mit diesem Satz kommentiert unsere bayerische Freundin oft Geschehnisse, die nicht so ganz gut gelaufen sind, an denen aber nun auch nichts mehr zu ändern ist. Zum Beispiel, wenn mal wieder der Blitz in die Telefonanlage eingeschlagen ist und dann wieder Telefon und Internet für längere Zeit ausfallen. Nicht schön, aber: „Des is hoit so.“

Im Leben gibt es ja so manches, das anders verläuft, als wir uns das wünschen. Viele Menschen fühlen sich inzwischen nur noch genervt, wenn sie das Wort „Corona“ hören, einige sind verzweifelt und wieder andere fühlen sich um so manches betrogen, was in den letzten Monaten auf Grund dieser Krise nicht stattfinden konnte. Weiterlesen

Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden

Die Weisheit spricht: Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit. (Sprüche 8,23.29-30; in Auswahl)

Als Kind zog ich mit meinem Bruder regelmäßig zum Spielen in den Wald. Mit unserem Freund erkundeten wir jeden Winkel. Irgendwann wollten wir uns unsere eigene „Bude“ bauen. Einen Rückzugsort, wo wir ganz für uns waren. Erste Versuche auf und sogar unter der Erde haben Ältere kaputtgemacht. Dann aber fanden wir eine hohe Buche. Auf die kam man nur, wenn man erst auf einen kleinen Nachbarbaum kletterte und dann einen Ast als Brücke hinlegte. Da kam kein anderer hin. Weiterlesen

Das Unwort meines Lebens

Das Unwort des Jahres 2019 lautete: Klimahysterie. Das Unwort dieses Jahres wird erst im Januar 2021 gesucht. Mein persönliches Unwort des Lebens ist: Geduld. Und das ist es nicht, weil ich Geduld nicht mag oder nicht sinnvoll finde oder damit nichts anfangen kann, sondern das ist es, weil ich damit allergrößte Schwierigkeiten habe.

Ich bin leider kein besonders geduldiger Mensch. Vor allem nicht mir selbst gegenüber – manchmal kann man mich mit mir selbst schimpfen hören, weil ich mir selbst zu langsam bin, manches nicht schnell genug auf die Reihe bekomme, dann erlebt mich aber auch ungeduldig im Umgang mit anderen. Bei Fremden nehme ich mich meistens sehr zurück; die eigenen Leute aber können meine Ungeduld leider oft spüren. Die Lebensweisheit: „In der Ruhe liegt die Kraft“ ist mir überhaupt nicht fremd, geht mir oft auch leicht über die Lippen, aber wirklich beherzigen tue ich diese Weisheit nicht. Leider! Weiterlesen

Weinklang

Jesus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. (Johannes 15,1+5)

Erntedank – wir sehen auf die Ernte des Jahres und erinnern uns daran, dass Gott die Erde mit allem was darauf ist, geschaffen hat, damit seine Schöpfung auf ihr Bestand hat. Schöpfungszeit – wir loben Gott, den Schöpfer, und bedenken, wie wir seine Schöpfung erhalten können. „Weinklang“ – so sind die Gedanken der Schöpfungszeit in diesem Jahr überschrieben. Weiterlesen

Dankbarkeit

Ich bin so… antriebslos, hat er gesagt, als er nach seinen Untersuchungen völlig geschafft in meinem Büro sitzt. Weißt Du, ich habe so gar keine Lust mehr… zu nichts… eigentlich noch nicht einmal zum Wegfahren. Und während er das sagt, schaut er mich ganz traurig an. Du kennst mich doch. Sonst mache ich doch auch mal ein paar Witzchen, schreibe etwas Lustiges, aber nichts. Geht nicht. Ich weiß nicht…

Beide schauen wir betröppelt aus der Wäsche, so hätte es meine Großmutter formuliert. Beide hängen wir unseren Gedanken nach, schweigen gemeinsam. Und dann sage ich, ja, das geht mir auch so. Alles ist im Moment irgendwie anders. Die Zeit rast ohne das wirklich etwas passiert. Ich fühle mich auch sehr angestrengt im Moment, die Zeit ist schwer. Weiterlesen

Widersprüchliche Zeiten, widersprüchlicher Glaube

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Psalm 98,1)

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Was für ein Bibelwort ist das für unsere widersprüchlichen Corona-Zeiten! „Singet dem HERRN ein neues Lied“? Das würden wir ja gerne, am besten gemeinsam, in großer Runde und wie mit einer Stimme.

In Corona-Zeiten ist alles anders. Musikerinnen und Musiker finden zwar Wege, um alte oder neue Musik zu machen und für Menschen aufzuführen. Was für ein Ideenreichtum da aufkommt – von digitalen Proben und Übertragungen von Live-Konzerten, über Balkonkonzerte bis zu Konzerten in Höfen von Senioreneinrichtungen. Doch das ersetzt eben nicht das gemeinsame Musizieren, geschweige denn das Singen in großer Gemeinschaft, etwa in festlichen Gottesdiensten. Konzerte vor Publikum in Kirchen, Konzertsälen oder auf Festivals sind doch etwas anderes. Weiterlesen

Träume der Jungen, Weisheit der Alten | In Zeiten von Corona #17

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. (Psalm 71,17) – Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30) | Herrnhuter Tageslosung für den 2. April 2020

Dem greisen Simeon war versprochen worden, dass er nicht sterben würde, bevor er nicht seinen Frieden gemacht hätte mit dem Leben. Zu ihm gesellt sich in der Geburtsgeschichte Jesu die alte Frau Hannah, die nur sieben Jahre verheiratet und danach 77 Jahre (eine gefühlte Ewigkeit) Witwe war. Sie sollte vor ihrem Tod verstehen dürfen, welchen Sinn die Liebe macht, das schmerzensträchtigste aller Gefühle. An ihnen erfüllt sich die Weissagung des Propheten Joel, dass Gottes Friedensreich anbricht mit Menschen, die Visionen haben von einer Welt, in der es menschlich zugeht für alle, und für die solche Träume Anstoß werden zur gelebten Mitmenschlichkeit. Weiterlesen

Guter großer Übervater | In Zeiten von Corona #1

Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. (Psalm 19,12) – Übe dich darin, den Willen Gottes zu tun. (1. Timotheus 4,7) | Herrnhuter Tageslosung für den 17. März 2020

Am Tag 1 meiner Reihe geistlicher Impulse „in Zeiten von Corona“ möchte ich als erstes sagen, was ich nicht glaube: Ich glaube nicht, dass die Corona-Epidemie ein Strafgericht Gottes ist.

Gestern gab es eine Umfrage einer christlichen Zeitung, die diese Frage per Mail an mich stellte – und mir als Dank für Beteiligung ein Abonnement anbot, das selbstverständlich nach den Probeexemplaren weiterlaufen würde, wenn ich nicht fristgerecht kündigen würde. Aber auch meine Apothekerin – eine moderne, kluge Frau – stellte mir dieselbe Frage. Ich weiß nicht, ob sie es ernst oder ironisch meinte – jedenfalls kommen solche Gedanken jetzt im Alltag „mit Corona“ auf. Weiterlesen

Weisheit – ein Geschenk Gottes

Weisheit erwerben ist besser als Gold und Einsicht erwerben edler als Silber. (Sprüche 16,16)

Weisheit spielt in der Bibel eine große Rolle. Wir haben einige biblische Bücher, die ganz von der Weisheit bestimmt sind, und die Weisheit tritt in der Bibel sogar als eigenständige Person auf, die selbst schon bei der Schöpfung dabei gewesen sein soll. Weisheit bedeutet in biblischer Sicht, sich die Welt zu ordnen und verständlich zu machen sowie zu verstehen, wie man sich in diesen Zusammenhängen gut bewegt. Es ist auch heute noch eine wichtige Aufgabe, mit der Welt und unserem Leben klarzukommen. Religionen haben sich dieser Aufgabe gestellt, die Philosophie und die Naturwissenschaften. Weiterlesen