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Bereit für die Nachfolge

Ihr werdet mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, und dieser Geist wird euch die Kraft geben, überall als meine Zeugen aufzutreten. (Apostelgeschichte 1,8)

Es muss eine ziemlich belastende Zeit gewesen sein damals für die Jünger*innen. Ein ständiges hin und her der Gefühle. Jesus, ihr Lehrer und Freund, hatte ihnen nicht nur von einem neuen Leben erzählt, er hatte sie auch immer schon ein Stückchen daran teilhaben lassen.

Immer wieder holte er für sie „den Himmel auf die Erde“, wenn sie beieinander waren und er ihnen Geschichten von Gottes Liebe erzählte, wenn sie miterleben durften, wie er anderen wieder auf die Füße half, wenn sie sahen, dass Traurige langsam ihre Lebensfreude zurückfanden oder sie Zeugen wurden, wie Menschen, die vorher niemand beachtet hatte, plötzlich mit Achtung und Respekt behandelt wurden. Und auch sie selbst fühlten sich ja angenommen, so wie sie waren; und so wollten sie mit Jesus einen neuen Weg gehen.

Manchmal war das sicher anstrengend und dann fielen sie in ihre alten Muster zurück. Manchmal hatten sie Ängste und Zweifel oder waren auch einfach nur müde und ausgepowert. Und es fiel ihnen auch nicht immer leicht, den Menschen mit ebendieser Empathie zu begegnen, wie Jesus es ihnen vorlebte. Aber sie hatten schon eine Menge gelernt, vor allem, weil Jesus sie stets ermutigte und ihnen viel zutraute.

Und dann kam dieser letzte Abend, auf den er sie lange hatte vorbereiten wollen. Die Tragweite all dessen, was er zu ihnen gesagt hatte, wurde ihnen aber erst viel später bewusst. Am nächsten Tag starb er vor ihren Augen und sie konnten nichts mehr für ihn tun. Waren sie schon so weit, seinen – ihren gemeinsamen Weg – ohne ihn fortsetzen zu können?

Ehe sie sich über all das richtig klar werden konnten, passierte etwas Neues, für sie Unerwartetes: Jesus stand wieder auf, stand wieder vor ihnen, bereit, sie noch einmal eine Wegstrecke lang zu begleiten. Gerade noch Tränen und Verzweiflung und jetzt… Wie hätten wir uns gefühlt?

Aber auch jetzt blieb das Leben eben nicht stehen, auch jetzt war jede Begegnung kostbar. Und vielleicht verstanden sie nun besser, dass noch einmal ein Abschied kommen würde.

Diesmal wollten sie anders vorbereitet sein. Diesmal wussten sie, dass sie den Weg ohne seine leibhaftige Gegenwart schaffen würden und dass Jesus sie zugleich doch niemals alleinlassen würde. Diesmal hörten sie auf all seine Worte und so erreichten jene besonders ihre Herzen:

Ihr werdet mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, und dieser Geist wird euch die Kraft geben, überall als meine Zeugen aufzutreten: in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis ans äußerste Ende der Erde. (Apostelgeschichte 1,8)

Und als Jesus kurz darauf tatsächlich von einer Wolke verdeckt wurde und aus ihrem Blickfeld verschwand, fühlten sie bereits eine innere Stärke. Denn jetzt wussten sie, dass Jesus ihnen alles zutrauen würde. Sie waren bereit für die Nachfolge und wussten sich auf eine neue Weise mit Jesus tief verbunden:

Ich bin bei euch jeden Tag bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,20)

So haben sie den Weg fortgesetzt, haben erzählt, getauft und Gottes Liebe geteilt; und so dürfen wir uns auch heute noch von all dem berühren lassen. Denn Gottes Geist wird auch uns erfüllen und sein Zuspruch uns stärken.

Wir beten:

Du Gott, du bist uns immer nah im Himmel und auf der Erde. Du weißt, wonach wir uns sehnen und was uns Sorgen bereitet. Sei bei allen Menschen, die in der Ukraine und anderswo unter Krieg und Gewalt leiden, schenke Frieden und Heilung.

Sei bei Menschen und Tieren, deren Leben täglich mehr von Hunger und Durst bedroht werden. Sei bei Deiner Schöpfung, die unter den Folgen des Klimawandels leidet, schenke Heilung und ermutige uns alle zu verantwortlichem Handeln. Amen.

Sabine Grüneklee-Herrmann