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Einer fürs Leben und darüber hinaus

Wenn dieser Geist nun in euch wohnt, dann gilt: Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eurem sterblichen Leib das Leben schenken. Das geschieht durch seinen Geist, der in euch wohnt. (Römer 8,11)

Im Juli werden Frank und ich uns auf den Weg nach Österreich machen, um dort ein paar Tage auszuspannen. Das ist aber nicht der ursprüngliche Anlass für unsere Reise: Wir zwei fahren dorthin, weil wir einer ganz lieben Freundin versprochen haben, dass ich ihr Kind taufe. Als die Nachricht kam, dass unsere Freundin schwanger ist, da hat Frank ganz begeistert gesagt: oh wie schön, da müssen wir sicher taufen.

Nun, wir müssen nicht, aber wir dürfen und wir freuen uns darüber. Tatsächlich haben wir gemeinsam mit den Eltern der Geburt von Jakob entgegengefiebert und waren richtig erleichtert, als wir endlich hörten, dass alle wohlauf sind. Der Vater den nervlichen Stress gut verpackt hatte, die Mutter trotz Komplikationen in die Kamera lächeln konnte und der kleine Jakob froh krähte. Immer wieder aufregend, wenn man so wartet.

Und nun ist es bald soweit und wir können taufen. Lange haben wir auch darauf warten müssen. Immer wieder haben neue Corona-Schutzverordnungen eine Feier verboten, aber jetzt, jetzt ist es soweit. Die Vorbereitungen laufen. Auch bei mir. Da muss ein Gottesdienstablauf geschrieben werden und auch eine kleine Predigt für den Täufling und seine Gäste. Und da habe ich die Mutter gefragt, nach einem Taufspruch und warum gerade der und überhaupt: warum sie, als Eltern, ihr Kind taufen lassen wollen. Interessiert mich als Pfarrerin, aber auch als Freundin.

Ich habe eine richtig interessante Antwort erhalten: Ich will, dass Jakob immer einen hat, an den er sich wenden kann. Dass er immer einen hat, den er auch mal bitten kann. Weißt Du, Mieke, hat sie gesagt, als ich schwanger war mit Jakob, da bin ich auch oft in einer Kirche gewesen und habe gebetet, gebetet, dass alles gut geht und so. Ich will, dass Jakob das auch kann. Dass er weiß, da ist noch mehr.

Und ich habe genickt. Ja, wer getauft ist, der ist nicht allein. Da ist wirklich immer einer, zu dem man gehört, von dem man weiß, dass er einen liebhat, dass er einen nicht loslässt, egal, was passiert. Da ist einer, zu dem man mit allem laufen kann, was einen so beschäftigt: der Dank für die schönen Dinge und die Bewahrungen, die man so erfährt im Laufe seines Lebens, aber manchmal auch im Laufe eines Tages, da sind die Bitten, die man so hat. Für sich selber, aber ich glaube, die allermeisten bitten sogar für andere, für die eigene Familie und Freunde, für die Welt und den Frieden und so.

Und da ist auch einer, der ein offenes Ohr für unsere Klagen hat, der manchmal sogar unsere Klagen verwandelt – nicht immer, aber manchmal, der jedenfalls da ist und hört. Und da ist einer, der tröstet und trägt, der hält und mit aushält. Das alles hat die Mutter von Jakob schon erfahren. Da musste sie mir nicht viel erzählen.

Wir kennen uns tatsächlich schon so lange, dass wir nicht nur viel miteinander erlebt haben, sondern uns auch noch viel mehr erzählen, so ist das ja bei Freundschaften. Und weil sie Zeiten kennt, die einen verzweifeln lassen oder die einem Angst machen oder wo man selbst sorgenvoll in die Zukunft blickt, darum weiß sie, wie wichtig das ist, dass man weiß, dass da wer ist, einer der mehr aushalten kann als alle Familie und Freundinnen und Freunde zusammen, einer der geduldiger ist, als man es sich vorstellen kann, auch mächtiger und der einen ganz schrecklich liebhat. So ist das.

Und doch ist Taufe oder passiert in der Taufe noch viel mehr. In der Taufe sagt der Täufling – bei kleinen Kindern sagen es die Eltern stellvertretend – dass er oder sie zu Jesus gehören möchte und zeitgleich – und das ist es, was meiner Freundin so wichtig ist – wird auch Gottes Ja zu uns Menschen deutlich. Wir dürfen mit allem zu ihm kommen.

Wer getauft ist, der ist anschließend auch selbst ein neuer Mensch, ein geistbegabter, wenn Ihr so wollt. In der Taufe schenkt Gott uns seinen Geist und alle unsere Sünden werden abgewaschen. Nun könnte man ja sagen, was hat so ein kleiner Säugling schon groß Sündiges getan? Natürlich nichts. Aber er bringt die Möglichkeit mit, etwas zu tun, was nicht in Ordnung ist, und auch das ist sozusagen schon abgewaschen.

Für getaufte Menschen gibt es keine Werkgerechtigkeit mehr. Das heißt, dass ich durch lauter gute Werke nichts besser machen kann, mir nicht selbst ausrechnen kann, was ich alles tun muss, damit Gott mich gnädig ansieht – er sieht mich einfach gnädig an.

Das heißt jetzt nicht, dass ich mich wie die Axt im Walde benehmen darf, dass es für mich keine Regeln mehr gibt: die gibt’s natürlich schon, auch für Christinnen und Christen. Gerade unser Leben soll durch Liebe geprägt sein. Aber – getaufte Menschen leben aus der Gnade, durch die Vergebung Gottes. Wir sind von Gott so geliebt, wie wir sind. Mit unseren Ecken und Kanten, mit unserem eigenen Ungeliebtsein, wenn wir selbst uns mal nicht mögen – er hat uns lieb und er vergibt, wenn wir zu ihm kommen.

Und wer sich zum Dreieinigen Gott bekennt, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, dem ist Christi Weg durch den Tod in ein neues Leben auch verheißen. Das ewige Leben ist von Gott versprochen: nicht, dass wir hier auf der Erde ewig leben, das nicht – ich glaube, ich persönlich würde es auch nicht wollen – aber dass wir ewig bei Gott leben, es nach dem Tode für uns weitergeht, ich glaube sogar schöner.

Das, was ich gerade alles erzählt habe, hat Paulus schon vor vielen, vielen Jahren der Gemeinde in Rom geschrieben. Wir finden es in seinem Brief an die Römer:

Es gibt also keine Verurteilung mehr für die, die zu Christus Jesus gehören. Das bewirkt das Gesetz, das vom Geist Gottes bestimmt ist. Es ist das Gesetz, das Leben schenkt durch die Zugehörigkeit zu Christus Jesus. Es hat dich befreit von dem alten Gesetz, das von der Sünde bestimmt ist und den Tod bringt.

Wenn Christus jedoch in euch gegenwärtig ist, dann ist euer Leib zwar tot aufgrund der Sünde. Aber der Geist erfüllt euch mit Leben, weil Gott euch als gerecht angenommen hat. Es ist derselbe Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat.

Wenn dieser Geist nun in euch wohnt, dann gilt: Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eurem sterblichen Leib das Leben schenken. Das geschieht durch seinen Geist, der in euch wohnt. (Römer 8, Verse 1 und 2, 10 und 11)

Ja, so hat es Paulus formuliert. Aber darüber hinaus bedeutet die Taufe natürlich auch, dass wir, wenn wir getauft sind, zur weltweiten Gemeinschaft – oder schöner und treffender formuliert – zur weltweiten Familie der Christinnen und Christen gehören, in die Gemeinde Gottes, und insofern ist es auch dort so, dass wir nicht mehr allein sind. Großartig, oder?

Ich finde – wenn ich mir das so klar mache, was Taufe bedeutet – dass dies wirklich das Schönste und Beste ist, was uns Menschen passieren kann. Mit Gottes Geist beschenkt zu werden, das ewige Leben verheißen zu bekommen, einen zu haben, zu dem ich immer kommen kann, in Gottes Gemeinde, in seine Familie zu gehören. Wunderbar!

Friederike Seeliger