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Mein Wunsch: Frieden auf Erden!

Weihnachten wird als das große Fest des Friedens gefeiert. Doch was bedeutet die Hoffnung von Weihnachten in einer friedlosen Welt? Was würde fehlen, wenn es Weihnachten nicht gäbe? Und welche Provokation bedeutet Weihnachten? Auch, wenn die Engel auf den Feldern Bethlehems den „Frieden auf Erden“ ausrufen, verweist dieser weihnachtliche Frieden auf den andauernden Skandal, dass diese Sehnsucht auch im 21. Jahrhundert an vielen Orten der Erde noch immer unerfüllt ist, obwohl alle Mitglieder der Staatengemeinschaft mit der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen feierlich eine universale Ächtung des Krieges ausgesprochen und auf den Einsatz jeder Art von militärischer Gewalt verzichtet haben.

Was ist Frieden? Wie wird Frieden? Wo in unserer Bibel Frieden steht, da finden wir in der hebräischen Bibel das Wort Schalom. Und davon singen und reden die Engel der Weihnacht, wenn sie verkünden: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden (Schalom) auf Erden!“ (Lukas 2,14).

„Schalom“ taugt nicht als bloßer Gegenbegriff zum Thema Krieg. Wo Frieden diktiert wird, ist jedenfalls kein Schalom. Wo einer nicht anders kann, als nur noch klein beizugeben, da mag ein Ende der Kampfhandlungen sein, aber noch lange nicht Schalom. Wo Länder Europas sich heute ihrer Friedensordnung rühmen, weil sie es geschafft haben, eine gemeinsame Währung zu etablieren, da braucht es für ihre Gesellschaften mehr, um den notwendigen Schalom herzustellen.

Schalom steht für den Zustand ganzheitlichen Heilseins, das alles umfasst, was zum heilen Leben gehört: Gesundheit, Zufriedenheit, Lebensmöglichkeiten, Sicherheit, Zukunftsperspektiven. Dass die Krisen in unserer Welt so dramatisch zunehmen und die Konfliktpotenziale größer und größer werden, erzählt davon, dass offenbar immer mehr Staaten, Gesellschaften und Menschen dem Schalom nicht gerecht werden können. Weihnachten kann hier raten und helfen. Die Engelsbotschaft kann uns zum Umdenken und Umsteuern helfen.

Es ist die Sehnsucht, die alle weihnachtlich gestimmten Menschen auf dieser Erde erfasst: die Sehnsucht nach Heil und nach Frieden. Je friedloser unsere Welt ist, desto mehr brauchen wir diese Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Der Friede, um den es hier geht, ist kein Friede mit der Faust auf den Tisch. Es ist kein Friede der Machtspiele und der Kraftausdrücke bei Twitter oder wo auch immer. Es kein Friede der nationalen Egoismen. Es ist kein Friede, der mit den Säbeln rasselt und mit Gewalt verteidigt wird.

Der Friede, um den es hier geht, ist ein Friede des sich kleinmachenden Gottes. Der Friede Gottes ist der Friede eines kleinen Kindes. Er kommt mitten hinein in das Unheil der menschlichen Welt. Er schafft Frieden nicht von oben herab, sondern von ganz unten. Da fängt der Friede an – ganz unten.

Darin liegt die große Weisheit der Weihnachtsbotschaft. Wer Frieden will, muss von sich selber, von seinen Wünschen, Bedürfnissen, Ansichten und Meinungen einen Schritt zurücktreten und auf den andern zugehen. Wer Frieden will, muss bereit sein, sich auch einmal klein zu machen und sich zu bücken, nicht nur auf das eigene Recht und die eigene Überzeugung zu bestehen, sondern zumindest versuchen, auch den anderen zu verstehen. Frieden heißt immer, sich in den anderen einzufühlen, ein Stück weit zu werden wie der andere.

Wie haben Sie in diesem außergewöhnlichen Jahr Weihnachten gefeiert? Angesicht der Pandemie waren kreative Ideen gefragt, wie Weihnachten anders bedacht und gefeiert werden konnte. Die wenigsten konnten in diesem Jahr in einen Gottesdienst gehen. Es war ein Weihnachten im Krisenmodus. Schon in der Vorweihnachtszeit fiel vieles aufgrund der Pandemie aus, wie Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte, Weihnachtssingen. Auch die Kirchengemeinden planten um. Es gab Krippenstationen, an denen man innehalten konnte, Fernsehgottesdienste. Voll waren die Kirchen dieses Jahr nicht. Alle mussten Abstand halten.

Weihnachten im Krisenmodus 2020. War das schlimm? Es war doch näher an der Geschichte der ersten, biblischen Weihnacht. Es waren unsichere Zeiten, eine ungewisse Reise, geschlossene Türen. Auch in der biblischen Weihnachtsgeschichte gibt es ein Beherbergungsverbot. Am Ende dient eine Futterkrippe als Bett für das neugeborene Kind. Das erste Weihnachten war eine Weihnacht im Krisenmodus.

Sehr wahrscheinlich waren wir in diesem Jahr – mit dem, was angesichts der Einschränkungen ging – näher an der ersten Weihnacht im Stall als all die Jahre zuvor. Eben kleiner, bescheidener und ruhiger. Das Besondere war, dass Weihnachten den Blick auf das Wesentliche lenkte, zum Beispiel Solidarität, zueinander stehen, füreinander da sein, Zeit schenken. Es war eine Chance, den Kern von Weihnachten im eigenen Leben zu spüren und anders und neu zu verstehen, was es bedeutet, wenn die Engel singen: Gloria in excelsis Deo – Ehre sei Gott im Himmel, denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen heilsam in Liebe zu.

Das wünsche ich Ihnen für das nächste Jahr, dass Sie den Schalom, den Frieden auf Erden, im Kleinen erleben.

Werner Sonnenberg