Vergebung ist keine Einbahnstraße

„Vergebt einander, gleichwie euch Gott vergeben hat in Christus“ (Epheser 4,32)

Die tagtäglichen Begegnungen mit anderen Menschen bereichern unser Leben, das dadurch bunt und spannend wird. Aber es besteht immer wieder auch die Gefahr, dass wir uns gegenseitig verletzen. Oft geschieht dies ohne Absicht aus Unachtsamkeit. Diese bittere Erfahrung kann uns am Leben verzweifeln lassen. Das muss nicht sein. Die Bibel zeigt uns einen Lebensstil auf, mit dem es uns gelingt, nicht an unseren Verletzungen zu verzeifeln,  sondern sie zu bewältigen. Weiterlesen

Trauriger Tag – befreiender Tag

Denn Gott war in Christus  und versöhnte die Welt mit ihm selber… so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! (2. Korinther 5,19-20)

„Pack schlägt sich – Pack verträgt sich“ ist ein Spruch, den ich kenne und auch schon oft gehört habe, aber, das kann ich Ihnen versichern: so einfach ist das mit dem Streiten und vor allem mit dem sich hinterher versöhnen oft nicht. Ich glaube sogar, dass es  je älter man wird  immer schwieriger wird. Können im Kindergarten die besten Freunde und Freundinnen täglich wechseln, können Streitigkeiten vom Vormittag schon nach dem Mittagessen wieder vergessen sein, übrigens ohne dass viel darüber geredet wird, so scheint sich das mit zunehmendem Alter zu verkomplizieren. Weiterlesen

Kleines Osterfest

Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,23-24)

Es ist immer ein schlimmer Moment, wenn man auf einmal merkt, dass zwei Seiten, die ein Ganzes ergeben haben, nicht mehr zusammenpassen. Menschen, die sich einmal geliebt haben, merken: es geht nicht mehr. Ein gemeinsames Leben ist nicht mehr möglich. Wenn ein Streit so nachhaltig gewesen ist, dass der Bruch in der Beziehung einfach nicht mehr repariert werden kann. Vielleicht hat man vertraut, dass Gott seinen Segen dazugibt. Aber jetzt ist alles dahin. Weiterlesen

Meister Eder, Pumuckl und die Barmherzigkeit

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6,36)

Neulich musste ich richtig herzhaft lachen und dann auch den Kopf über mich selbst schütteln. Ich war bei meiner Schwester und zusammen schauten wir eine Folge „Pumuckl“ – Sie wissen schon, dieser kleiner rothaarige Kobold, der bei Schreinermeister Eder bleiben muss, weil er an dessen Leimtopf kleben blieb und seitdem für Herrn Eder sichtbar ist. Normalerweise hat der kleine Wicht ja nur Blödsinn im Kopf, lässt mal das eine, mal das andere verschwinden, zupft hier mal an etwas, rückt dort etwas weg, aber dieses Mal, dieses Mal war alles anders. Weiterlesen

Eigentlich ganz einfach – und doch so schwer

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott, der Herr, von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)

Der Prophet Micha spricht das aus, was ich eigentlich weiß. Das, was mir als Christin klar sein müsste: Du weißt, was du tun sollst. Du bist Gottes geliebtes Kind. Er liebt dich, so wie du bist. Dessen kannst du gewiss sein. Du wirst geliebt. Immer und überall. Das macht dich frei und gibt dir Kraft: Gib seine Liebe weiter.

Liebe üben. Klingt ganz einfach, ist aber so schwer: Gottes Wort halten, immer und überall. Seine Gebote als ständige Richtschnur nehmen. Die Verantwortung, die Gott uns vor die Füße legt, übernehmen und dann nach besten Wissen und Gewissen, mit Glauben und Gottvertrauen das Leben gestalten. Weiterlesen

Mit Gott träumen

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14) – Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. (2. Korinther 5,19.)

Für August und September wurden uns zwei wunderschöne Bibelverse als Monatssprüche geschenkt. Manchmal möchte man die Seele einfach baumeln lassen. Stellt euch einen großen See vor, mit vielen Segelbooten – weit dahinter schneebedeckte Berge und ich ziehe meine Schuhe und Socken aus, halte die Füße in das glasklare Wasser und träume: Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin… In so einem Augenblick kommt einem wie von selbst das Lob von den Lippen, steigt auf aus der Seele. Ach – es tut gut, mit Gott zu träumen. Weiterlesen

Was wirklich zählt ist unbezahlbar

Was wirklich zählt ist unbezahlbar. Ja das stimmt. Spontan kann ich der Aussage direkt zustimmen. Doch dann fange ich an zu träumen: Eine Weltreise, ein großer Urlaub voller Komfort, eine noch schönere und größere Wohnung, ein zweites, neues und größeres Auto, wo wir uns nicht mehr zwischen Kinderwagen und etwas mehr Gepäck entscheiden müssen. Oder kleinere Dinge, noch ein theologisches Buch oder eine neue Jacke zum Wandern kaufen.

Alle genannten Dinge sind mit Geld bezahlbar. Also stimmt die Ausgangsthese doch nicht? Manche der Träume könnten wir vielleicht direkt verwirklichen, für andere müssten wir erstmal sparen. Aber alle sind mit Geld bezahlbar. Weiterlesen

Über Gastfreundschaft

Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (2. Hebräer 13,1+2)

Gastfreundschaft begegnet uns in vielen Geschichten in der Bibel. Eine der bekanntesten ist die, in der Jesus 5000 Menschen mit nur fünf Broten und zwei Fischen sättigt. Bereits diese Erzählung zeigt, dass es bei dieser Bewirtung umso viel mehr geht als nur das körperliche Sattwerden. Und so ist auch das gemeinsame Abendmahl in der Nachfolge Jesu für uns Christinnen und Christen das Zeichen der Gegenwart Gottes über den Tod hinaus geworden.

Wie können wir Gastfreundschaft untereinander und mit anderen zeigen in Zeiten, in denen wir uns nicht begegnen können, in denen wir Distanz halten sollen? In Zeiten, in denen wir nicht das Abendmahl miteinander feiern können? Weiterlesen

Gebet – unbezahlbar

Wenn ich an das Gebet denke in dieser Zeit, dann bin ich so dankbar, dass ich so zu Gott sprechen kann. In unvorstellbar kurzer Zeit hat ein Virus unsere Welt vollständig aus den Angeln gehoben. Was haben plötzlich die Sorge um meine Gesundheit, die Isolation und existenzielle Ängste in dieser Krise für eine Macht. Wie gern würden wir einfach zur Tagesordnung übergehen und können es nicht.

Wie hat es da Bonhoeffer in seinem Lied beschrieben, „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“, Worte, die plötzlich eine ganz neue Tiefe und Bedeutung bekommen, wie sehr wünschen wir uns das. Ist es da nicht wertvoll bzw. unbezahlbar, im Gebet dieses alles an unseren Vater im Himmel abgeben zu können? Weiterlesen

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes

Am 8. Mai 1945 endete der zweite große Krieg. Deutschland war besiegt. Eine Niederlage, die sich als Befreiung von einem verbrecherischen System erwies. Unsere Kirche hat dies sehr früh im Stuttgarter Schuldbekenntnis aufgenommen: „…aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

Persönlich habe ich über die Erfahrungen meines Schwiegervaters an dieser Zeit Anteil genommen. Er zog mit 17 Jahren in den Krieg und kehrte mit 27 Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Natürlich geprägt von der Idee, den Krieg verloren zu haben. Aber im Laufe der Jahre hat er die Niederlage als Befreiung verstanden. Mich hat beeindruckt, wie sehr er darauf aus war, auf seinen Auslandsreisen die Spuren der Vergangenheit zu suchen – und sich zu versöhnen. Weiterlesen