Eine Botschaft, die befreit und ermutigt

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28,20)

Es gibt keine Taufe in unserer Kirche, in der wir diese Worte nicht hören. Denn dieser Satz, dieses Versprechen ist die Ermutigung für uns, uns auf den Weg zu den Menschen zu machen. Zu allen Menschen, denn „gehet hin in alle Welt!“ Der Grenzenlosigkeit der Verheißung entspricht die Grenzenlosigkeit des Auftrags.

Das sind große Worte. Ich weiß das genau. Es sind herausfordernde Worte, denen wir als einzelne, als Gemeinde, als Kirche weltweit niemals vollständig gerecht werden können. Und doch darf der Anspruch nicht kleiner werden. Denn die Liebe Gottes gilt jedem Menschen. Keiner bleibt hier außer Acht. Deshalb ist es befreiend, dass wir als Christen nicht von uns selber reden müssen oder reden sollen, sondern: „lehret sie halten alles, was ich – Jesus Christus – euch geboten habe! Weiterlesen

Europa – zweite Heimat

Heribert Prantl, der qualifizierte, bekannte Journalist der Süddeutschen Zeitung, hat mich schon vor vielen Jahren zum Nachdenken über dieses Thema angeregt. Mir ist als Kind einer Vertriebenenfamilie das Thema Heimat gleichsam mit in mein kindliches Lebensalter gelegt worden. Am 3. April 2011 hat Prantl die Weimarer Rede im Deutschen Nationaltheater zum Thema „Warum die Europäische Union für die soziale Gerechtigkeit sorgen muss“ gehalten. Er sagt:

„Europa ist das Beste, was den Deutschen, Franzosen und  Italienern, den Tschechen und Dänen, den Polen, den Spaniern, den Niederländern, den Briten und Griechen, den Bayern und Balten,  Wallonen und Württembergern, den Schotten und Sizilianern, den Basken wie Badenern und Thüringern ich ihrer langen Geschichte passiert ist. Europa ist die Verwirklichung so vieler alter Friedensschlüsse, die den  Frieden doch nicht gebracht haben. Die Europäische Union ist das Ende eines fast tausendjährigen Krieges, den fast alle gegen fast alle geführt haben. Sie ist ein unverdientes Paradies für die Menschen des ganzen Kontinents. EU ist das Kürzel für das goldene Zeitalter der europäischen Historie.“

Das ist Prantls Liebeserklärung an Europa, das sich einer nie dagewesenen, über siebzigjährigen Friedenszeit erfreut. Vielen ist dies alles nicht recht bewusst und viele wollen davon auch gar nichts hören. Ich schließe mich Prantl voll und ganz an. Weiterlesen

Gott hat es getan!

Wenn ich von meiner Schwester nach Hause laufe, komme ich an diesem Büdchen vorbei, wo eigentlich immer welche stehen, die es sich bei einer Flasche Bier und Zigaretten gut gehen lassen. Normalerweise kann ich nicht verstehen, was sie miteinander reden, dieses Mal aber hörte ich im Vorübergehen, wie der eine Mann, der dort stand, dem anderen sagte: Die Menschen bringen sich alle gegenseitig um! Eine steile These, dachte ich spontan, und dann musste ich lächeln, weil mir einfiel, dass schon meine Großmutter mir versichert hatte: Die Menschheit bringt sich selber um. Weiterlesen

Frei-Räume

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. (Psalm 31,9)

Der Sommer ist Festivalzeit. Ein Festival liegt schon länger zurück und dennoch beschäftigt es mich innerlich immer noch: Am letzten April-Wochenende hat das 3. KURZStummFilmFestival auf Zeche Carl stattgefunden. Das Festival ist aus der Arbeit mit gehörlosen bzw. hörgeschädigten Jugendlichen entstanden.

Die Stadt Essen ist nämlich eines der größten Bildungszentren für Hören und Kommunikation im gesamten Bundesgebiet. Obwohl das vielen nicht bewusst ist, gibt es hier bei uns in Essen ein herausragendes Angebot in der Aus- und Weiterbildung gehörloser und schwerhöriger Schülerinnen und Schüler. Im Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg für Hörgeschädigte in Frohnhausen streben etwa 900 Jugendliche und junge Erwachsene ihren Schul- oder Ausbildungsabschluss an. Mehr als ein Drittel dieser Schülerinnen und Schüler leben während dieser Zeit in den beiden Internaten des Diakoniewerks Essen für hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler, in der Curtiusstraße oder im Internatsbereich des Fritz-von-Waldthausen-Zentrums. Weiterlesen

Vom Abendmahl

Jeden Monat einmal teilen wir miteinander im Gottesdienst Brot und Wein. Dieses alte Ritual, dessen Wurzeln noch vor dem Beginn des Christentums liegen, hat für uns besondere Bedeutung. Für dieses Teilen von Brot und Wein in der Nachfolge Jesu gibt es in der Christenheit verschiedene Bezeichnungen. Am geläufigsten ist uns sicher der Begriff Abendmahl. Weitere Namen sind zum Beispiel Eucharistie oder Kommunion. Jede dieser Bezeichnungen betont einen anderen Schwerpunkt dieser Feier.

Wenn wir von Abendmahl sprechen, erinnern wir uns daran, dass Jesus am Abend vor seiner Festnahme durch die Staatsmacht mit seinen Schülern zusammen ein abendliches Mahl festlich und rituell eingenommen hat und dabei mit ihnen Brot und Wein geteilt hat. Nach dem überwiegenden Zeugnis der biblischen Schriften (außer dem Johannesevangelium) geschah dies an einem für die Juden besonderen Abend, dem Seder-Abend. Dieser Abend war und ist für Juden auch heute noch der Auftakt zur Feier des Passafestes. Weiterlesen

Gott wartet auf uns

…und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut! (Genesis 1,31)

So lautet das abschließende Urteil Gottes am Ende seines sechsten Schöpfungstages.
Formuliert haben diese Worte, vor über 2000 Jahren, Menschen, die die Erfahrung des babylonischen Exils gerade hinter sich hatten. Trotz des Exils – oder gerade wegen des Exils – konnten sie erkennen, wie Gott es mit seiner Schöpfung meint.

Und sie haben auch erkannt, dass Gott mit seiner Schöpfung dem Menschen das besondere Geschenk der Freiheit mitgegeben hat. Dieses Geschenk ist Gabe und Aufgabe zugleich, denn die Freiheit zu entscheiden fordert seitdem jeden Menschen neu. Weiterlesen

Ich denk‘ an dich!

Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? (Psalm 8,5)

Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür. Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit. Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige? Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das: Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss. Es fühlt sich allein und verlassen. Weiterlesen

Gemeinsam auf dem Weg

Das Reformationsgedenk- und jubiläumsjahr kommt so langsam auf die Zielgerade. Seit dem Reformationsfest im vergangenen Jahr gab es unzählige Veranstaltungen zum Thema Reformation. Auch in unserer Gemeinde gab es Gottesdienste, Diskussionen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Mich persönlich hat am meisten der Gottesdienst mit dem Bischof der Altkatholiken in Deutschland, Dr. Matthias Ring, beeindruckt. Ich stand mit einem katholischen Bischof am Altar unserer Gnadenkirche, und wir haben gemeinsam Abendmahl gefeiert. Weiterlesen

Ein Gehorsam, der Mut und Freiheit bringt

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5,29)

Ein kritisches Programm des Christseins ist kaum kürzer zu fassen. Die Schlagworte eines Slogans könnten nicht besser gewählt werden. Der Satz klingt nicht nach einem Gebot, vielleicht mehr nach einem Befehl, jedoch ohne Zwang und ohne Bedrohung; ich würde sagen, wir hören ihn als eine Herausforderung.

Aber ist er das? Aber für wen? Und wie? Und was heißt das denn schon: „gehorchen“? Wird der Gehorchende, also der Gehorsame, nicht augenblicklich unfrei? Gehorsamkeit ist ein heute nur noch selten gebrauchtes, archaisch anmutendes Wort wie aus einer längst überkommenen Welt; es klingt nach Unterwürfigkeit und Obrigkeit, nach Missachtung und Strafandrohung. Aber die Antwort steckt schon im Wort selbst. Vor dem Gehorsam steht das Gehör: Das Hören der Worte desjenigen, dem wir angehören. Weiterlesen

reFORMation – transFORMation

Bildung war für die Reformatoren besonders wichtig. Zu Luthers Zeit konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben. Bildung gehörte zu den Privilegien des Adels und der Geistlichkeit. Luther fand das ungerecht, er machte sich stark für Bildungsgerechtigkeit. Jeder sollte aus seiner Sicht lesen und schreiben können, unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Dank der Reformatoren, vor allem Luther und Melanchthon, entstand eine regelrechte Bildungsbewegung und es kam zu zahlreichen Schulgründungen.

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