Tu’s trotzdem!

Jesus war in Betanien. Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines kostbares Nardenöl. Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf. (Markus 14,3)

„Soll ich? Oder soll ich nicht?“ Ich stelle mir vor, dass sie da draußen vor dem Haus des leprakranken Simon steht, bei dem Jesus mit seinen Jüngern gerade zu Gast ist. Und sich jetzt entscheiden muss, ob sie wirklich hineingeht oder nicht. Wenn sie zögert, dann nicht, weil sie Zweifel wegen der Gesundheit des Hausherrn hat. Sondern weil sie eine Frau ist, die da nicht hingehört. In diese Männerrunde. Weiterlesen

Ein Fenster zur Welt

Vor dreißig Jahren, am ersten Freitag im März 1995, habe ich als junge Vikarin den Weltgebetstag der Frauen kennengelernt. Damals kamen die Texte für den Gottesdienst aus Ghana. Seitdem hat mich die Begeisterung für diese weltweit größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen nicht mehr losgelassen.

Es geht hier um viel mehr, als nur um einen Gottesdienst einmal im Jahr. Es geht auch darum, den Blick zu weiten und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe in all diesen Jahren Länder und Kulturen kennengelernt, mit denen ich mich sonst vermutlich nie beschäftigt hätte, wie zum Beispiel Surinam oder Vanuatu. Hintergrundinformationen gehören immer dazu und auch Lieder erklingen in landestypischen Melodien. Manchmal kann man auch besondere Spezialitäten kosten. Weiterlesen

Schee war’s – Schön war es!

Wie zahlreich sind deine Werke, Herr. In Weisheit hast du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von deinen Gütern. (Psalm 104,24)

Hatten Sie einen schönen Sommer? Heute hörte ich als Antwort auf diese Frage: „Was denn für ein Sommer? Wir hatten doch bis jetzt noch gar keinen.“ Ja, das kommt darauf an, was man unter Sommer versteht, was zum Sommer unbedingt dazu gehört. Besseres Wetter ja, vielleicht, aber der viele Regen bei uns hat der Natur doch auf jeden Fall gutgetan. Weiterlesen

Alles Leben kommt von Gott

Dann sprach Gott: ‚Die Erde soll Leben hervorbringen: alle Arten von Vieh und wilden Tieren und alles, was auf der Erde kriecht.‘ So geschah es. (1. Mose 1,24)

Der Gott der Menschen ist auch der Gott der Tiere, heißt es in einem Lied. Gott hat die Tiere lieb und hält sie in seiner Hand. So steht es auch in der Bibel. Sie beginnt damit, wie Gott die Welt erschaffen hat. Der vierte Schöpfungstag war vorüber und dann geht es weiter. Weiterlesen

Ostern heißt: an das Wunder der Auferweckung glauben

Wenn ich mit meinen SchülerInnen darüber rede – große Augen: ist das wirklich wahr? Das glaub‘ ich nicht: Jesus ist tot – und dann steht er einfach wieder? Kann doch nicht sein! Wo ist der Beweis? Auferstehung ist hier auch ein wenig verwirrend. Allein schafft er das nicht: das ist nicht, wie aus dem Bett aufzustehen. Weiterlesen

Ein unverdientes Privileg

Sonntagmorgen, 7 Uhr. Der Intercity 208 fährt pünktlich in den Essener Hauptbahnhof ein. Müde nach einer nahezu schlaflosen Nacht, jedoch mehr als zufrieden, ja überaus dankbar, steige ich aus. Eigentlich ist es ein normales Wochenende im Juni und dennoch war alles ganz anders als sonst. Wenige Minuten später erreiche ich meinen Wagen, den ich am Freitagabend auf der Hohenburgstraße abgestellt hatte. Das scheint eine Ewigkeit her zu sein. Weiterlesen

Ein Satz, der zur Lebenskraft werden kann

Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib mehr als die Kleidung! (Matthäus 6,25)

„Macht euch keine Sorgen!“ Wie oft werden Sie diesen Satz schon gehört oder auch selber gesagt haben. Ich denke, unser Leben ist voll von Situationen, in denen dieser Satz angemessen scheint. Und ich vermute, wir hören und sprechen ihn deshalb so oft, weil viele von uns, ich gehöre leider dazu, sich allzu oft viel zu viele Sorgen machen. Und wenn wir uns gegenseitig diesen Satz so oft zusprechen, dann vermutlich auch, weil wir uns gegenseitig in unserem Sorgen Mut zusprechen wollen. Weiterlesen

…dass Liebe einen tragen kann

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

Ich hatte mich so auf unseren Urlaub gefreut, geradezu darauf hin gefiebert hatte ich und plötzlich hat sich alles ganz falsch angefühlt, so als dürfe das Schöne gar nicht sein angesichts des Chaos, das nun in der Welt herrscht.

Als wir am 12. März in den Flieger steigen, ist die Welt zwar schon nicht mehr so ruhig wie sonst, aber für uns war sie noch in Ordnung – dachten wir. Als wir auf Fuerteventura landen, unser Gepäck im Mietwagen verstauen, das Flughafengelände verlassen und auf der Straße fahren, die vertrauten Lavahänge sehen, da stupse ich Frank an, lache und sage: Mensch, ich bin schon erholt! In mir war so viel Freude, so viel Lust die nächsten Tage zu genießen, so viel Dankbarkeit, dass wir weggekommen waren, unbeschreiblich. Weiterlesen

Momente der Ewigkeit

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch das Werk, das Gott tut, nicht ergründen kann, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3,11)

Ist die Welt gut oder ist sie schlecht? Was denken Sie? Ist sie wunderbar gemacht oder eine Quelle von Elend, Gewalt und Zerstörung? Ich glaube, auf diese alte Menschheitsfrage finden wir keine objektive Antwort. Sie hängt wohl immer davon ab, was gerade los ist in unserem Leben: Ob ich unter dem Eindruck der Geburt eines Kindes stehe, die Schönheit der Natur bestaune, vielleicht auf einem Berg stehe und die Weite schaue oder auch unsere Ruhr.

Oder ob in meinem Leben gerade etwas zerbrochen ist oder ich am Bett eines gequälten, sterbenden Menschen stehe oder in einer jämmerlichen Flüchtlingsunterkunft in unserer Stadt. Es hängt vielleicht auch davon ab, ob ich selber Kraft und Schönheit in mir spüre oder ob ich gerade mit einer schweren Krankheit oder körperlichem Verfall konfrontiert bin. Weiterlesen

Die Taufe: Stiftung Gottes, Zuspruch seiner Liebe

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28, 19-20)

Die Taufe ist das, was uns Christinnen und Christen verbindet: Durch die Zeiten – mit unseren Vätern und Müttern im Glauben, die vor uns waren und mit denen, die nach uns kommen werden. Gemeinsam legen wir auf denselben Grund unser Vertrauen ins Leben: Jesus Christus ist unser Herr. Ihm vertrauen wir uns an. An ihn klammern wir uns – im Leben und im Sterben. Und dies gilt auch durch die verschiedenen Kirchen, Konfessionen, Denominationen. Egal, wie unterschiedlich ihre Schwerpunkte, ihre Lebensformen, ihre Ausdrucksformen und ihre Glaubenspraxis auch sind, gemeinsam ist: alle sind getauft!

Die Taufe verbindet – schließt zusammen – schafft unlösbare Gemeinschaft. Selbst dann noch, wenn die einzelnen Menschen sich vielleicht gar nicht gut leiden mögen, sich fremd sind und vielleicht auch bleiben (wollen). Denn die Gemeinschaft, die durch die Taufe entsteht, ist keine Sympathiebekundung, kein Freundesbund: Sie ist Gabe Gottes. Sie ist Stiftung Gottes. Weiterlesen