Gott hat es getan!

Wenn ich von meiner Schwester nach Hause laufe, komme ich an diesem Büdchen vorbei, wo eigentlich immer welche stehen, die es sich bei einer Flasche Bier und Zigaretten gut gehen lassen. Normalerweise kann ich nicht verstehen, was sie miteinander reden, dieses Mal aber hörte ich im Vorübergehen, wie der eine Mann, der dort stand, dem anderen sagte: Die Menschen bringen sich alle gegenseitig um! Eine steile These, dachte ich spontan, und dann musste ich lächeln, weil mir einfiel, dass schon meine Großmutter mir versichert hatte: Die Menschheit bringt sich selber um.

Und dann verflog mein Grinsen, weil witzig ist das nicht! Wenn das nämlich stimmt, dann bin auch ich betroffen, dann kann es auch mich erwischen, und: wenn ich die Nachrichten alle richtig deute: mich erwischt es doch jetzt schon. Plastik im Essen, viel zu hohe krebserregende Abgase, krankmachende Substanzen in Lebensmitteln, am Ende auch die ganze Waffenindustrie, denn alles, was man herstellt und verkauft, kann sich am Ende auch gegen einen selbst richten… Die Menschen bringen sich alle selbst um, mal auf die schleichende Art und Weise wie gerade beschrieben, mal ganz direkt mit Faust und Messer. Weiterlesen

Vom Sehnen und vom Seufzen

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. (Psalm 38, 10)

Anfang Oktober feiern wir Erntedank. Ein schönes Fest, an dem wir Gott für die Erntegaben danken. Oft erinnern wir uns dann auch daran, dass wir Gott doch so viel mehr zu verdanken haben, als wir uns meist bewusst machen. Vieles nehmen wir für selbstverständlich, was uns an Gutem tagtäglich widerfährt. Auch Tischgebete, in denen wir Gott danken könnten, sind ziemlich aus der Mode gekommen. Wohl auch deshalb, weil wir uns kaum noch die Zeit nehmen, in Ruhe oder in Gemeinschaft zu essen.

Vor kurzem hörte ich einige Äußerungen junger Menschen, die in einem Interview auf der Straße zum Thema „Beten“ befragt wurden. Viele gaben an, dass ihnen Beten helfe, vor allem bei Problemen und in schwierigen Situationen. Eine der befragten Jugendlichen gab zu, dass sie manchmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn sie nur in Momenten bete, wenn es ihr schlecht gehe. Weiterlesen

Herzenswunsch

Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, sodass deinesgleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. (1. Könige 3,12)

Wenn Sie einen beliebigen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich am meisten wünschen? – Vielleicht: Gesundheit, ein gesichertes Auskommen oder Frieden? Die Bibel erzählt dass sich Salomo als junger König von Israel von Gott etwas wünschen darf (1. Könige, Kapitel 3). Und: „Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben!“ Ein gehorsames Herz?! Mal ehrlich, wäre uns so ein Wunsch in den Sinn gekommen? Aber Salomo weiß: nur mit Gottes Hilfe ist er seiner verantwortungsvollen Aufgabe gewachsen. Nur im Gehorsam auf Gottes Gebote kann er erkennen, was richtig und falsch ist, um das Volk nach Gottes Willen zu regieren. Weiterlesen

Momente der Ewigkeit

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch das Werk, das Gott tut, nicht ergründen kann, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3,11)

Ist die Welt gut oder ist sie schlecht? Was denken Sie? Ist sie wunderbar gemacht oder eine Quelle von Elend, Gewalt und Zerstörung? Ich glaube, auf diese alte Menschheitsfrage finden wir keine objektive Antwort. Sie hängt wohl immer davon ab, was gerade los ist in unserem Leben: Ob ich unter dem Eindruck der Geburt eines Kindes stehe, die Schönheit der Natur bestaune, vielleicht auf einem Berg stehe und die Weite schaue oder auch unsere Ruhr.

Oder ob in meinem Leben gerade etwas zerbrochen ist oder ich am Bett eines gequälten, sterbenden Menschen stehe oder in einer jämmerlichen Flüchtlingsunterkunft in unserer Stadt. Es hängt vielleicht auch davon ab, ob ich selber Kraft und Schönheit in mir spüre oder ob ich gerade mit einer schweren Krankheit oder körperlichem Verfall konfrontiert bin. Weiterlesen

Gottes Telefonnummer

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! (Philipper 4,6)

Was tun Sie, wenn Ihnen die Sorgen den Schlaf rauben? Manchmal hilft schon ein guter Milchkaffee, eine kleine Ruhepause im hektischen Trubel, damit man sich wieder fokussieren kann. Das Gedankenkarussell unterbrechen, tief durchatmen, neu denken. Oder Yoga. Oder eine Folge der Lieblingsserie. Ein Telefonat mit der besten Freundin. Was auch immer Ihr Rezept ist, es ist gut, zu wissen, was die Seele streichelt, wenn das Leben mal wieder ein paar Haken schlägt. Gerade, wenn es ein heftiger linker Haken ist. Die Bibel gibt uns auch ein „Rezept“ zum Seele Streicheln: Beten. Klingt simpel, ist es im Grunde auch, aber wer es ausprobiert hat, weiß, wie wohltuend es ist. Weiterlesen

Gott ist ein Verschwender

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. (Matthäus 6, 26)

Ja, Sie haben die Überschrift richtig gelesen: Gott ist ein Verschwender. Mit vollen Händen teilt er aus. Schwindel erregend großzügig. Jesus sagt im Zusammenhang mit dem guten Hirten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge“ (Johannes 10,10).

Da steht er in einer Linie mit dem guten Hirten aus Psalm 23, „und schenkst mir voll ein“. Da kann ich gut sein. Auch der alte Weinbauer fällt mir ein, der andächtig eine pralle dunkle Traube in der Hand wiegt. Seine Augen strahlen. So lässt sich freilich wunderbar Erntedank feiern. Frucht in Hülle und Fülle! Weiterlesen

Die Lutherrose – edel, kostbar und wunderschön

Die Lutherrose ist eines der bekanntesten Symbole der Evangelischen Kirche. Sie war das Siegel, das der Reformator ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. In einem Brief an Lazarus Spengler hat Martin Luther  Punkt gebracht, was ihm an der Lutherrose wichtig ist: Er wollte mit einem Bild zeigen, was der Glaube für ihn bedeutet. Er hat Symbole genommen, die jeder kennt: eine Blume, ein Herz, das Kreuz. Und er hat Farben genommen, die für sich sprechen: Gold, blau, grün, weiß, rot und schwarz. Es war ihm wichtig, dass alle Menschen einen Zugang zum Glauben finden. Nicht nur die, die lesen können!

Im Vorbereitungskreis für einen inklusiven Gottesdienst im Essener Unperfekthaus haben wir uns mit der Bedeutung der Lutherrose beschäftigt. Das, was Luther selbst dazu sagt, haben wir gehört und unsere eigenen Gedanken dazu gesammelt. Beides möchten wir Euch und Ihnen in diesem Blog vorstellen. Weiterlesen

Gott ist voller Schönheit

Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. (Exodus 33,19a)

All Morgen ist ganz frisch und neu, des Herren Gnad und große Treu… ich summe leise, während ich barfuß auf der Terrasse stehe. Das erste Mal in diesem Jahr. Es ist noch ganz schön kalt, aber der Frühling liegt in der Luft. Der Wind ist das erste Mal warm, die Sonne scheint und ich ahne ihn schon ein klitzekleines bisschen… den Sommer.

Im Sommer singe ich viel mehr als im Winter. Geht Ihnen das auch so? Fröhliche, dankbare Morgenlieder wie „All Morgen ist ganz frisch und neu“. Aber auch sanfte, in Vergessenheit geratene Lieder, richtig schön laute Rockmusik (zum Leidwesen meiner Nachbarn), Lieder mit starken Texten oder Ohrwurm-Melodien. Weiterlesen

Das Band der Liebe

Sie kennen Freundschaftsbänder! Immer wieder kommen sie in Mode. Geknüpft oder geflochten aus bunten Fäden, werden sie an einen guten Freund oder eine gute Freundin verschenkt. Das Freundschaftsband ist Zeichen der Verbundenheit.

Ich stelle mir Gottes Verbundenheit mit uns Menschen manchmal wie ein solches Freundschaftsband vor. Geknüpft aus Vertrauen und Verstehen, aus Zuwendung und Trost, aus Vergebung, aus Mitlachen und Mitfreuen, aus Verständnis. Das Freundschaftsband zwischen Gott und jedem einzelnen von uns: unsichtbar, aber spürbar. Es nutzt sich nicht ab, zerreißt nicht, kommt nicht aus der Mode. Weiterlesen

Geh aus, mein Herz…

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit (Paul Gerhardt, in: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 503)

…und lass dir die Sehnsucht nach Freude und Sommergeschmack nicht ausreden, denn im Garten der Natur entsteht jeden Tag wieder neues Leben! Mich beeindruckt an diesem fröhlichen Lied von Paul Gerhardt (1607–1676), dass es einer geschrieben hat, der wahrlich nicht nur die lieben und sonnigen Sommerzeiten des Lebens kannte. Das macht die Tiefe dieses Sommerliedes aus.

Keineswegs war damals alles eitel Sonnenschein. Keineswegs waren jene Zeiten die „guten alten Zeiten“. Um sich herum und in seinem eigenen Leben hatte Paul Gerhardt viel mit unsäglichem Leid und Schmerz zu tun. Umso größer ist sein Aufatmen angesichts der übervollen Sommerzeit. Fest verwurzelt in diesem Lebensgarten mit allem, was er bringt – an Freude und Glück, aber auch an Unkraut und Dickicht, an Schürfwunden und Gräben – kann er einen Blick an oder hinter die Grenze unseres Lebens wagen. Denn das Lob Gottes und der Dank für die großen und kleinen Dinge, die das Leben ausmachen, sieht nicht an den schweren Seiten und Zeiten des Lebens vorbei. Weiterlesen