Die Tür steht offen

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein. (1. Samuel 7,3)

Über diesen Vers könnte ich viel Schönes oder auch Schmerzhaftes zum Stichwort „Herz“ schreiben, aber darum geht es hier nicht. Der Prophet Samuel spricht zu Menschen, denen Gott abhanden gekommen ist.

Damals hatten die Israeliten noch die Lade Gottes bei sich, ein heiliger hölzener Kasten, in dem die Gebotstafeln während der Wüstenwanderung mitgetragen wurden, und der die Gegenwart Gottes versinnbildlichte. Als diese Bundeslade auch im Krieg mitgeführt wurde, kam sie in feindliche Hände. Doch nun ist sie nach sieben Monaten wieder an ihrem Ort im Heiligtum der Stadt Silo. Und der Prophet ruft die Menschen dazu auf, sich wieder Gott zuzuwenden und die fremden Götter, die sie in der Zwischenzeit verehrten, beiseite zu legen. Weiterlesen

Psalm 23 – randvoll mit Segen

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23,1)

Psalm 23 entstammt dem hebräischen Teil der Bibel und wir leihen uns mit ihm Gebetsworte Israels. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn jemand heute einen Psalm auswendig kann, dann ist das Psalm 23! Es gibt wohl keinen Text in der Bibel, der bekannter ist als dieser. Er ist die Quelle für unzählige Bilder und Skulpturen, obwohl er mehr ist als ein schöner Gedanke. Er ist schön anzuhören, aber er ist viel mehr als Poesie.

Wir zitieren ihn bei Jubiläen, obwohl er von solchen Anlässen gar nicht handelt. An Gräbern lesen wir ihn vor, obwohl er gar nicht von Trauer spricht. Ganz im Gegenteil: Psalm 23 lädt uns ein zu einem völlig neuen Lebensstil. Er handelt davon, in der Gegenwart eines Gottes zu leben, der mehr Liebe für uns bereithält, als wir uns jemals vorstellen können. In ihm geht es um Sicherheit und Geborgenheit, um Lebenssinn und Hoffnung, um Freude und Sorglosigkeit mitten in einer unruhigen Welt. Er handelt davon, dass wir ruhig und gelassen bleiben können, auch dann, wenn uns Vieles bedrängt. Weiterlesen

Zusammenklingen im großen Orchester Gottes

Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch einig werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. (Matthäus 18,19)

„Eins sein“ ist wunderbar. Wo Einheit ist, werden erstaunliche Dinge möglich: in der Familie, in der Gesellschaft, im Sport. Wo Menschen Dinge gemeinsam wollen, gemeinsam anpacken, werden Dinge möglich, die wir vorher für unmöglich hielten. Wo Christinnen und Christen, egal welcher Konfession, eins sind, können Dinge geschehen, die Menschen zum Staunen und auch zum Klingen bringen. „Wenn zwei unter euch einig (eins) werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel“ (Matthäus 18,19).

Jesus sagt das. Wo Luther hier ursprünglich „eins werden“ übersetzt, steht im Griechischen „symphoneín“. Wir kennen das Wort „Symphonie“ aus der Musik. Eine Symphonie ist ein großes, mehrsätziges Instrumentaltonwerk, in dem ein ganzes Orchester mit vielen verschiedenen Stimmen zusammenklingt. In der Sprache der Bibel ist eine „Symphonie“ der Inbegriff des „Einsseins“. Was für ein wunderbares Bild. Weiterlesen

Frieden schaffen | Gedanken zur Jahreslosung #1

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Soeben sind die Gedenktage zur Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs vorüber. Sie haben – für viele junge Menschen neu, für andere wieder – die schrecklichen Folgen in Erinnerung gerufen: Millionenfachen Tod, unendliches Leid, Verwüstung und Zerstörung. Hintergrund des Krieges waren letztendlich Nationalismus und Militarismus unter den westeuropäischen Staaten, die zu Angst, Misstrauen, Feindschaft und Hass zwischen den Völkern führten. Dabei darf nie vergessen werden, dass Deutschland diesen Krieg begonnen hat.

Die gegenwärtige Lage in Europa und darüber hinaus erinnert fatal an die damalige Zeit. Der Nationalismus blüht, die politischen Eliten misstrauen einander und handeln konträr. Abschottung und Aufrüstung allenthalben. Nicht zu übersehen diverse Kriege im Weltenrund. Frieden zu bewahren, scheint mir, ist wohl doch nicht selbstverständlich, wie es nach den grauenvollen Kriegen des letzten Jahrhunderts und den derzeit tobenden eigentlich sein müsste. Frieden zu bewahren – eine politische Kunst: Ist sie vielleicht derzeit im Schwinden? Weiterlesen

Sehnsuchtsorte

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung 21,2)

Wenn nach diesem großen Sommer jetzt bald die dunklen Tage des Novembers kommen, denken wir darüber nach, wie wir wieder Sonne tanken können, wohin uns der nächste Urlaub führt, wie wir der Dunkelheit entkommen. Und die Sehnsucht wächst. Mancher denkt im November auch zurück an die traurigen Zeiten des Jahres, an einen Todesfall in der Familie, an den Verstorbenen; geht ans Grab oder zum Trauergottesdienst am Ewigkeitssonntag und fragt sich, wie es jetzt weitergeht. Die Sehnsucht nach Leben wächst neu. Weiterlesen

Ich denk‘ an dich!

Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? (Psalm 8,5)

Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür. Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit. Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige? Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das: Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss. Es fühlt sich allein und verlassen. Weiterlesen

„Du bist ein Uruguayer!“ | Kirche und Heimat #1

Im letzten Jahr habe ich mit meiner Familie eine Heimreise in mein Geburtsland Uruguay unternommen. Nach 50 Jahren und 15.000 Kilometern Wegstrecke kamen wir in Paysandú, einer Provinzstadt am Grenzfluss Uruguay, in der Evangelisch Lutherischen Gemeinde an.

Von der ersten Stunde an fühlte es sich wie eine Heimkehr an. Wir wurden herzlich von Leuten empfangen, die mein Vater vor 50 Jahren konfirmiert hatte. Der jetzige Pfarrer Ruben führte uns in das Pfarrhaus, in dem ich vor fast 60 Jahren das Licht der Welt erblickte. Er holte die Kirchenbücher hervor, in dem alle Taufen handschriftlich eingetragen waren. Wir tranken das Nationalgetränk Matte-Tee, das mich meine alte Heimat schmecken ließ. Kurze Zeit später meldeten sich ein Schulfreund, meine Klavierlehrerin und viele andere wieder vertraute Menschen. Es gab viel zu erzählen, viel Assado zu essen und vor allem den „eingeschworenen“ Hinweis „Du bist ein Uruguayer“.

Meine Kindheit, die damit verbundenen Gefühle und Erlebnisse wurden nach so langer Zeit wach und lebendig. Vergangene und zurückgelegte Heimat wurde hautnah wieder erlebbar. Mit dem Umzug der dort gegründeten Familie nach Deutschland Ende der 60iger Jahre wurde ich nicht heimatlos, aber ich hatte lange Zeit Heimweh nach dem Heimatland und dem Zuhause meiner Kindheit. Weiterlesen

Ein Haus für Gott

Weihnachten sind die meisten am liebsten zu Hause. Feiern zusammen mit der Familie. Studenten, die an entfernten Orten studieren, machen sich auf den Weg durch die halbe Republik, um zum Fest zuhause zu sein. Eine Umfrage bei den Konfirmanden „Was ist dir das wichtigste am Weihnachtsfest?“ ergab mit überwältigender Mehrheit: Mit der Familie zusammen zu sein und gemeinsam zu feiern. Geschenke waren sehr nachgeordnet. Familie: Eltern, Geschwister, wenn möglich Oma und Opa. Niemand soll, niemand will heute alleine sein. Man rückt zusammen, macht es sich gemütlich. Isst ein festliches Mahl, beschenkt sich, genießt die Zeit. Zuhause ist es am schönsten.

Für viele ist es so, aber nicht für alle. Manche flüchten von zu Hause, gerade jetzt, fliegen in die Sonne, suchen Abstand. Denn zu Hause an Weihnachten ist für sie schwer. Und leer. Zu viele Erinnerungen, zu viel Streit, enttäuschte Erwartungen. Alte Wunden brechen auf und schmerzen wie am ersten Tag. Und die Sehnsucht, sie schmerzt auch: die Sehnsucht nach einem Stück heile Welt, nach Frieden und Dazugehören, gerade heute Nacht, nach einem Ort der Geborgenheit und des Trostes. Nach Nähe. Nach dem Zauber der alten Geschichte vom Kind im Stall. Weiterlesen

Weihnachtsgeschichte mit Figuren

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal im Advent mit meiner Mutter gemeinsam eine Krippe gebastelt habe. Sie sollte am Heiligen Abend fertig sein und unter unserem Weihnachtsbaum stehen.

Die Figuren fertigten wir aus Holzteilen: einen Kegel für den Körper und eine Kugel für den Kopf. Sie wurden bekleidet mit Filz und anderen Stoffen, die wir zurechtschnitten. Ich weiß sogar noch ziemlich genau, wie die einzelnen Figuren aussahen: Da war Maria, die ein rotes Kleid bekam und einen dunkelblauen Umhang über ihren Kopf. Josef hatte einen Bart aus Wolle und einen braunen Hut. Weiterlesen