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Er bietet uns seine starke Hand an

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe schenken. (Matthäus 11,28)

Herbst… Welche Bilder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort Herbst hören? Bunte Herbstwälder? Farbenprächtige Drachen, die fröhliche Kinder steigen lassen? Gaben auf dem Erntedanktisch? Herbststürme, Regentage und die goldene Herbstsonne?

In meiner Kindheit bedeutete Herbst für mich vor allem ein weites Stoppelfeld, denn unser Garten grenzte an ein Weizenfeld. Dieses Stoppelfeld bot sich perfekt an, um Buden zu bauen oder Drachen steigen zu lassen. Und dann der Schock: Das Feld sollte bebaut werden, viele neue Häuser würden uns unser schönes Spielparadies nehmen. Damit waren wir so gar nicht einverstanden. Als die Messarbeiten losgingen und Grenzsteine gelegt wurden, zogen wir regelmäßig abends los und machten es uns verbotenerweise zur Aufgabe, Grenzsteine auszugraben und Messleinen zu verlegen.

Eine dieser Buddelaktionen wurde mir Sinnbild für unser Verhältnis zu Gott, wie die Fortsetzung der Feldgeschichte aus meiner Kindheit verdeutlichen soll:

An einem Samstagnachmittag, ich war acht Jahre alt, machten meine Geschwister, meine Cousins und ich wieder eine Streiftour über unser Feld. Es hatte zuvor stark geregnet und alles war matschig. Das störte uns zunächst nicht, im Gegenteil. Wir suchten uns einen großen Grenzstein aus und gruben im Schlamm. Was wir jedoch nicht bedacht hatten, war die Einsinkgefahr. Der Matsch war durch den Regen zu einer Art Moor geworden.

Es dauerte nicht lange, und wir steckten allesamt mit unseren Gummistiefeln fest. Meiner Schwester, meinem ältesten Cousin und mir gelang es mit Hilfe von Stöcken, uns und unsere Stiefel zu befreien – aber mein jüngerer Bruder und mein kleiner Cousin steckten wirklich fest. Wir standen auf Brettern und zogen und zerrten. Dennoch bewegten sie sich keinen Zentimeter. Schließlich sahen wir uns gezwungen, die beiden unter großem Getöse und Gekreische aus ihren Gummistiefeln herauszuziehen und die Stiefel zurückzulassen. So traten wir schlamm- verschmiert den Heimweg an, die kleinen Jungen nur noch in ihren Socken. Der Tag endete mit einer fröhlichen Badeparty.

Ich glaube, uns allen geht es im Leben manchmal auch so, dass wir richtig feststecken. Vielleicht hatten wir große Pläne, aber dann geht doch nichts mehr vor oder zurück. Wie gut ist es dann, wenn es kräftige Hände gibt, die uns beistehen und uns aus dem „Schlammassel“ befreien. Familie oder Freunde, aber eben auch Gott. Er bietet uns seine starke Hand an, egal wie schmutzig wir sind.

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“, sagt Jesus. „Ich will euch Ruhe schenken.“ (Matthäus 11,28)

Vielleicht braucht es mehr als einen kräftigen Ruck. Vielleicht müssen auch wir etwas zurücklassen, so wie die Jungen ihre Gummistiefel. Aber Gottes Angebot steht.

Ich wünsche uns allen, dass wir seine Einladung nicht vergessen und gerade auch in manchen langen Herbststunden annehmen. Ich wünsche uns, dass wir dann Ruhe erleben dürfen, die Art von Frieden, die höher ist als alle menschliche Vernunft, den Frieden, den nur Gott schenken kann.

Hannah Metz