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Barmherzigkeit ist eine Grundhaltung

Glückselig kann sich schätzen, wer barmherzig ist, denn ihr und ihm wird Barmherzigkeit widerfahren. (Matthäus 5,7)

Manchmal hat man das Gefühl, dass die Welt um uns herum schlicht verrücktspielt. Genau in diesen Momenten sind wir zur Barmherzigkeit eingeladen, zu der uns unser Gott immer wieder ermutigen möchte.

In einer wunderbaren Bildergeschichte sieht man ein Ehepaar im Wohnzimmer. Er steht mit hängenden Schultern am Fenster, sie sitzt mit durchgedrücktem Rücken auf der Couch. Die Körpersprache ist eindeutig: er kraftlos und resigniert, sie dagegen energiegeladen. Und dann sagt er in die Stille: „Bei den Müllers gegenüber wird gerade schon wieder eingebrochen.“ Und sie gleich hinterher: „Es ist doch deine Schuld, dass es sich bei uns nicht lohnt.“ Upps. Das saß. Was ist zu tun?

Unser Bibelwort aus den Seligpreisungen Jesu möchte uns dabei eine Hilfe sein:

Glückselig kann sich schätzen, wer barmherzig ist, denn ihr und ihm wird Barmherzigkeit widerfahren.

Wenn wir dabei ein unbändiges Vertrauen, eine lebendig machende Hoffnung und eine Lust auf das Leben mithören, dann ist gut umschrieben, was Jesus meinte.

‚Barmherzigkeit‘ – ist eine Grundhaltung, in der man mit offenen Augen, Ohren und Herzen durch diese Welt geht. Und alles, was man da zu sehen, zu hören und zu spüren bekommt, lässt einen nicht gleichgültig zurück. Es macht etwas mit einem – wie man heute so schön sagt. Es lässt einen schlicht nicht kalt, sondern rührt einen an.

Biblisch ist, allen voran, erst einmal Gott selbst barmherzig. Er rief diese Welt und uns Menschen nicht nur ins Leben, sondern erhält, bewahrt und schützt es Tag für Tag – nicht selten vor unseren eigenen Fehlern und deren Konsequenzen.

Er lässt sich zu Herzen gehen, was seine Geschöpfe so treiben und was ihnen so alles widerfährt. Darin ist er nahe. Darin ist er an unserer Seite. Darin hält er uns seine geöffnete Hand entgegen, um uns aufzurichten, uns Kraft zu schenken, uns neu auf den Weg zu bringen. Er lässt sich zu Herzen gehen, was uns auf dem Herzen liegt. Ohne Wenn und Aber. Verlässlich und ermutigend.

Und das öffnet einem die Augen, die Ohren und das Herz – für die Menschen und die Welt um uns herum, die ebenso einen Platz in Gottes Hand haben wie Du und ich. Und sich dann – ebenso wie Gott – anrühren lassen von den Geschichten und Widerfahrnissen anderer.

Sich anrühren lassen und dann das tun, was sich eigentlich von selbst versteht. Barmherzigkeit ist eigentlich die größte Selbstverständlichkeit in dieser Welt. Nicht diskutieren, abwägen, Köpfe schütteln, sondern schlicht machen.

In die Hände und unter die Füße nehmen, was sich eigentlich von selbst versteht. Weil wir als Geschöpfe zusammengehören, weil uns allen gemeinsam diese Welt als kostbarer Lebensraum anvertraut ist – und weil Glückseligkeit schlicht nicht bei sich selbst bleiben kann.

Gott wird segensreich unter uns sein, wenn wir uns gemeinsam zu Herzen gehen lassen, was uns und anderen auf dem Herzen liegt.

Wir beten:

Lass deinen Heiligen Geist die Kirche leiten, gib, dass Fröhliche sich guten Gewissens freuen können, dass Enttäuschte wieder aufgerichtet werden, dass Ratlose Orientierung erhalten, dass Unbehauste eine Heimat finden, dass alle sehen und spüren können, dass diese Kirche deine Kirche ist. Amen.

Jörg Herrmann