War der Apostel Paulus intolerant?

War der Apostel Paulus intolerant? Das ist eine sehr schwierige Frage, die mancherorts diskutiert wird. Ich nähere mich ihr mit äußerster Vorsicht und Umsicht. Ist man sich doch im Urchristentum schon darüber klar, wie schwer „der liebe Bruder Paulus“ zu verstehen ist (vgl. 2. Petrus 3,15f.). Aber wir haben ja aus der Aufklärung gelernt, dass es unsere Aufgabe ist, das Schwierige einfach zu sagen. Weiterlesen

Ein jeder sehe auf das, was dem anderen dient

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. (Philipper 2,3-4)

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir haben diese Verse aus dem Brief, den der Apostel Paulus an die Philipper schreibt, so richtig gesessen! Ich finde mich so gar nicht darin wieder, weil ich im Moment auf Krawall gebürstet bin. Denn in dem Heim, in dem meine Schwester lebt, läuft es gerade nicht so rund, und das bringt mich ganz ordentlich auf die Palme. Da bin ich gar nicht einmütig und liebevoll, da bin ich – positiv formuliert – höchst engagiert, da kämpfe ich. Und es ist mir am Ende auch nicht wichtig, ob die Menschen mich dort mögen oder nicht. Meiner Schwester soll es gutgehen. Um das zu erreichen, bin ich im Moment so gar nicht handzahm, wie eine Bekannte das nennen würde, sondern richtig rebellisch.

In diese Stimmung hinein also dieser Text, der mich jäh auszubremsen scheint, zumindest ins Stolpern bringt, nachdenklich macht und mich auch kritisch hinterfragt. Um wen geht es hier, wenn du kämpfst? Geht es wirklich um Nedde, meine Schwester, oder doch um mich selbst? Geht es um Verbesserungen für Nedde oder um die eigene Ehre? Weiterlesen

Nach dem Maße der Liebe

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea 10,12)

Über die Regierenden in seinem Land sagt der Prophet Hosea: „Ihr Herz ist in heißer Glut wie ein Backofen, wenn sie Böses ersinnen.“ Und er ist wütend über sie, denn sie sind böse, lügen, sind arglistig und betrügen Gott und Volk. Auf Gottes Wort achten sie nicht und fragen nicht nach seinem Willen.

Auch bei uns gibt es sie, die heiße Glut. Wenn sich einer vom Bösen entflammen lässt und zulässt, dass in Folge dessen Menschen diffamiert, Häuser und Autos in Brand gesetzt werden. Wenn nur noch populistische Parolen bedient werden, die Sorge um Bildung und soziale Gerechtigkeit aber vollkommen ausgeblendet bleiben. Ich sehe da in der Politik jede Menge kalte Asche vergessener Versprechen, verratener Ideale. Weiterlesen

Gerechtigkeit – ein Segen, der vom Himmel kommt

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea 10,12)

Sommerlich kommt der Monatsspruch für Juli einher. Ich habe wogende Felder vor Augen. Eine reiche Ernte kündigt sich an. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und in die Seele. Der Duft des reifen Getreides erfüllt die Luft. Und hoch am Himmel stimmt die Lerche ihr Lied an. Nur für sich? Oder vielleicht doch auch ein wenig für mich? Und vielleicht erst recht zur Ehre des Schöpfers?

Ich liebe sommerliche Wanderungen durch weite Felder, und die Stimmung am Rande des Tages ist mir dabei noch immer die liebste. Dann bin ich froh und dankbar, zuerst unserem Schöpfer, dann aber auch dem Bauern, der das Getreide gesät und geduldig gewartet hat – und noch wartet bis zur Stunde der Ernte. Weiterlesen

Zweite Meinung

So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. (Jeremia 23,16)

Vor einiger Zeit ist mir ein – wie ich finde – wunderschöner Cartoon von Marunde ins Auge gefallen. Im Predigtforum bei facebook war er zu finden. Einer der Kollegen hatte ihn dort eingestellt. Zu sehen ist: Der Blick in eine gut gefüllte Kirche – aus dem Altarraum heraus mit Sicht auf die Kanzel, die Gottesdienstbesucher und die Orgel. Eine schöne Kirche übrigens. Gezeichnet mit viel Liebe zum Detail. Oben auf der Kanzel ein älterer evangelischer Pfarrer, er ist schwarz gewandet. Im Mittelgang der Kirche ein Ehepaar, das im Gehen begriffen ist. Der Pfarrer unterbricht seine Predigt, lehnt sich etwas vor auf der erhöhten Kanzel, blickt das Ehepaar an und fragt: Darf ich fragen, warum Sie den Gottesdienst mitten in der Predigt verlassen? Weiterlesen

Die Taufe: Stiftung Gottes, Zuspruch seiner Liebe

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28, 19-20)

Die Taufe ist das, was uns Christinnen und Christen verbindet: Durch die Zeiten – mit unseren Vätern und Müttern im Glauben, die vor uns waren und mit denen, die nach uns kommen werden. Gemeinsam legen wir auf denselben Grund unser Vertrauen ins Leben: Jesus Christus ist unser Herr. Ihm vertrauen wir uns an. An ihn klammern wir uns – im Leben und im Sterben. Und dies gilt auch durch die verschiedenen Kirchen, Konfessionen, Denominationen. Egal, wie unterschiedlich ihre Schwerpunkte, ihre Lebensformen, ihre Ausdrucksformen und ihre Glaubenspraxis auch sind, gemeinsam ist: alle sind getauft!

Die Taufe verbindet – schließt zusammen – schafft unlösbare Gemeinschaft. Selbst dann noch, wenn die einzelnen Menschen sich vielleicht gar nicht gut leiden mögen, sich fremd sind und vielleicht auch bleiben (wollen). Denn die Gemeinschaft, die durch die Taufe entsteht, ist keine Sympathiebekundung, kein Freundesbund: Sie ist Gabe Gottes. Sie ist Stiftung Gottes. Weiterlesen

Ein Korn, eine Ähre, ein ganzes Feld

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein: wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)

Aus einem Weizenkorn wächst ein Halm mit zwei bis drei Ähren. Die ergeben zusammen ca. 120 Körner: Aus eins wird 120. Und wenn ich die 120 aussähe, ergeben sie schon 14.400. Und wenn wir das weiter fortsetzten, erhalten wir irgendwann ein ganzes Weizenfeld.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, sagt Jesus, bleibt es allein. Ein einzelnes Korn, gut gelagert, verdirbt nicht. Es bleibt so wie es ist, schön und unversehrt. Und das über Jahre, Jahrzehnte. Archäologen haben sogar Körner entdeckt, die nach Jahrhunderten noch keimfähig waren.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Es kann das, was in ihm steckt, seine innewohnende Kraft, nicht entfalten, und sich somit auch nicht einbringen und anderen zur Verfügung stellen. Es bleibt allein. Nur wenn es stirbt, so Jesus, bringt es Frucht, sogar viel Frucht. Weiterlesen

Ich denk‘ an dich!

Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? (Psalm 8,5)

Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür. Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit. Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige? Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das: Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss. Es fühlt sich allein und verlassen. Weiterlesen

Ein elementares Bedürfnis

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Die Jahreslosung 2018 spricht ein sehr elementares Bedürfnis an. Ein Bedürfnis aber auch, dessen Erfüllung für die allermeisten unter uns restlos selbstverständlich ist. So selbstverständlich, dass es uns als Bedürfnis vielleicht gar nicht mehr bewusst ist.

In vielen Gebieten dieser Welt ist das anders. Auch im Land der Bibel. Vor vielen Jahren bin ich im Wadi Qelt gewandert, das ist die Gegend, in der die Geschichte vom barmherzigen Samariter spielt. Unterwegs in glühender Hitze, in der Wüste Juda zwischen Jerusalem und Jericho, wird Wasser wertvoll. Und tief unten im Tal entdecke ich ein grünes Band. Dort ist Wasser. Fließendes, lebendiges Wasser. Wem vor Durst die Zunge am Gaumen klebt, der kennt kaum etwas Wertvolleres als einen kleinen Schluck frischen Wassers. Frischen Wassers, wohlgemerkt. Nicht abgestandenes, trübes, verunreinigtes oder auch nur gechlortes.

Wasser ist – neben dem täglichen Brot – das Lebensmittel schlechthin. Gerade deshalb taugt es so gut als Symbol. Wir dürsten ja nicht nur nach Wasser, sondern oft genug auch nach Anerkennung, nach Liebe, nach Geduld, nach Ruhe, nach Sinn, nach Leben. Weiterlesen

Der Durst nach Liebe, Frieden und Gerechtigkeit

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Worte aus der Bibel. Die Jahreslosung 2018. Es ist eine ökumenische Tradition, über jedes Jahr ein Bibelwort zu stellen. Wir sind eingeladen, sie zu hören, mitzunehmen und uns auch zwischendurch immer mal wieder daran zu erinnern: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Diese Worte stammen aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Es ist ein besonderes Buch. Wenn ich es lese, komme ich mir vor, als säße ich in einem großen Theater. Vor mir die Bühne. Der Vorhang ist geschlossen. Noch sehe ich nicht, was dahinter ist. Ich darf gespannt sein. Dann öffnet sich der Vorhang und ich werde mit hineingenommen in die Szene, die sich vor meinen Augen ereignet. Weiterlesen