Siehe, es kommt die Zeit

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. (Jeremia 23,6)

Mit dem Advent beginnt auch ein Aufatmen. Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns – hinter uns liegen Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Wir haben unserer Schuld gedacht und die Verstorbenen Gott anbefohlen. Wir haben uns das eigene Sterben bewusst gemacht. Jetzt können wir aufatmen. Auch beim Singen. Die Melodien werden beschwingter, sogar tänzerischer. Selbst die biblischen Texte atmen durch und schauen in die Ferne. Siehe, sagt der Prophet Jeremia, es kommt die Zeit…

Jeremia führt uns in eine Zeit vor zweitausendsechshundert Jahren, weit zurück in das Alte Testament. Das Königreich Juda befindet sich kurz vor seinem Untergang. Und der Prophet meldet sich zu Wort. Weiterlesen

Der Heilige Nikolaus – ein Kinderfreund aus der Türkei

Demre heißt das kleine Dorf an der türkischen Mittelmeerküste heute. Nur die Reste einer großen Kirche erinnern noch an die reiche Hafenstadt Myra, die dort im ersten Jahrtausend nach Christus lag und in der am Anfang des 4. Jahrhunderts der Heilige Nikolaus als Bischof wirkte. Wir wissen nur wenig über Nikolaus: als junger Mann hat er noch die letzten Christenverfolgungen durch den römischen Kaiser Diokletian erlebt. Später, im Jahr 313, erhob dann Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich.

Die ältesten Legenden über Nikolaus zeigen einen Bischof, der sich für Arme und Notleidende einsetzt und dabei auch großzügig mit den Schätzen der Kirche umgeht: so habe er heimlich eine vergoldete Kugel in das Haus eines verarmten Witwers geworfen, der sich in seiner Not gezwungen sah, seine drei Töchter in die Prostitution zu verkaufen. Dieses heimliche nächtliche Geschenk ist übrigens der Ursprung des bis heute gepflegten Brauches, zum Nikolaustag einen Schuh oder Strumpf vor die Tür zu stellen, um am darauf folgenden Morgen darin ein überraschendes Geschenk zu finden. Weiterlesen

Vom Abendmahl

Jeden Monat einmal teilen wir miteinander im Gottesdienst Brot und Wein. Dieses alte Ritual, dessen Wurzeln noch vor dem Beginn des Christentums liegen, hat für uns besondere Bedeutung. Für dieses Teilen von Brot und Wein in der Nachfolge Jesu gibt es in der Christenheit verschiedene Bezeichnungen. Am geläufigsten ist uns sicher der Begriff Abendmahl. Weitere Namen sind zum Beispiel Eucharistie oder Kommunion. Jede dieser Bezeichnungen betont einen anderen Schwerpunkt dieser Feier.

Wenn wir von Abendmahl sprechen, erinnern wir uns daran, dass Jesus am Abend vor seiner Festnahme durch die Staatsmacht mit seinen Schülern zusammen ein abendliches Mahl festlich und rituell eingenommen hat und dabei mit ihnen Brot und Wein geteilt hat. Nach dem überwiegenden Zeugnis der biblischen Schriften (außer dem Johannesevangelium) geschah dies an einem für die Juden besonderen Abend, dem Seder-Abend. Dieser Abend war und ist für Juden auch heute noch der Auftakt zur Feier des Passafestes. Weiterlesen

Jesus und Sokrates

Die vergleichende Frage nach Jesus und Sokrates ist für manchen von uns eine sehr neue, aber sie ist bald 2.000 Jahre alt. Die Verteidiger des Christentums im 2./3. Jahrhundert stellten sie schon. Im 20. Jahrhundert fragt Dietrich Bonhoeffer in seinen berühmten Texten, die in „Widerstand und Vergebung“ von seinem Freund Eberhard Bethge gesammelt worden sind, nach Ostern. Er sagt:

„Unser Blick fällt mehr auf das Sterben als auf den Tod. Wie wir mit dem Sterben fertig werden, ist uns wichtiger als wie wir den Tod besiegen. Sokrates überwand das Sterben, Christus überwand den Tod. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod (vgl. 1. Korinther 15,26). Mit dem Sterben fertig werden, bedeutet noch nicht mit dem Tod fertig werden. Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung“ (vgl. Dietrich Bonhoeffer: Werke Bd. 8, 368f).

Wir werden in diesem Text einen großen, weiten Bogen schlagen durch die Jahrtausende. Von dem Fragen des Sokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. nach der Tugend (areté) zu Jesu Christi Bergpredigt – Ethik der Feindesliebe (agápe) bis hin zur Ethik Dietrich Bonhoeffers und Hans Küngs im 20. Jahrhundert. Weiterlesen

Die orthodoxe Kirche und die Ökumene

Vor 1610 Jahren ist der griechische Kirchenvater Johannes Chrysostomos gestorben und noch heute feiern die Orthodoxen, die auf die griechische Kirche zurückgehen, ihren Gottesdienst, die „Göttliche Liturgie“, nach liturgischen Texten und Gebeten dieses berühmtesten Predigers der griechischen Kirche. Wir beten heute das Kyrie-und das Fürbitten-Gebet mit seinen Worten.

Chrysostomos heißt Goldmund. Diesen Ehrennamen erhielt er schon frühzeitig und seine Predigten in Antiochien und Konstantinopel sind immer wieder von großem Applaus unterbrochen worden. Das müssen wir uns heute einmal vorstellen! Weiterlesen

Begeistert

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist. (Johannes 3,8)

Manche können vor Begeisterung jubeln und „die Welle machen“, wenn eine schwarz-weiße Lederkugel die Linie zwischen zwei Pfosten überquert. Andere kreischen vor Begeisterung hysterisch herum, wenn Sie ihren Superstar einmal live erleben. Wovon sind Sie begeistert?

Als Kind war ich begeistert von meiner Gitarre, die ich zu Weihnachten bekommen hatte. Aber als es dann daran ging, regelmäßig zu üben, da erlosch die Begeisterung schnell wieder. Oftmals ist Begeisterung wie ein Strohfeuer: Man ist von etwas oder jemandem begeistert, man ist „Feuer und Flamme“ – aber dann wird die Begeisterung vom Alltagstrott erdrückt. Weiterlesen

Hey Kinder, was denkt ihr über Gott?

In den Morgenkreisen unseres Familienzentrums kommen die Kinder über Gott und die Welt ins Gespräch. Unsere Kinder sind kleine Philosophinnen und Philosophen! Ihre Aussagen bringen uns zum Schmunzeln, deshalb ist ihnen nur wenig hinzuzufügen. Der Glaube der Kinder ist unerschütterlich, stark und richtig. Sie haben das „Weltwissen“ in sich. Sie finden mit ihren Worten eine Mischung und Zusammenführung ihres „Kinderglaubens“, der von Wahrheit, Erfahrungen, gewagter Theorien, Lebendigkeit, Phantasie und Vertrauen geprägt ist. Damit lassen sie uns an ihrer Welt teilhaben. Weiterlesen