Zuversicht in schweren Momenten – einst und jetzt

Nun danket alle Gott / mit Herzen, Mund und Händen, / der große Dinge tut / an uns und allen Enden. (Martin Rinckart, EG 321)

Wir nähern uns dem Ende eines Jahres, von dem vermutlich die meisten von uns etwas anderes erhofft hatten als das, was es dann wirklich gebracht hat: Die Pandemie ist immer noch nicht verschwunden. Die Zerstörung unserer Erde wird immer deutlicher. Hitze, Brände und das Verschwinden der Gletscher zeugen auch bei uns von der Klimakrise. Und seit Februar des Jahres hat uns der Krieg in der Ukraine bedrohlich vor Augen geführt, dass der Friede in Europa nicht selbstverständlich ist.

Dass die Erde voll von Konflikten, Kriegen und Auseinandersetzungen war und ist, war uns allen wohl immer bewusst. Aber dass ein Krieg uns selbst wieder so nahekommt, nach vielen Jahren des Friedens, hätte ich noch wenige Tage vor dem Kriegsausbruch nicht gedacht. Weiterlesen

All Welt soll fröhlich singen

In diesem Beitrag wollen wir ein „weites Feld“ (nach Fontane) betreten: das Feld der Kirchenmusik. Kein weites Feld ohne Bäume, sondern eines mit gr0ßen Bäumen in der Nähe und ferneren, die wir nicht so klar erkennen. Die unterscheiden sich sehr, aber sie haben eines gemeinsam. Sie wachsen nicht für sich, sondern richten sich aus nach oben, zum Himmel. Weiterlesen

Erstaunliche Gnade – Amazing Grace

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Das Zeichen: beim letzten Chorsingen in unserer Kirche vor dem neuen Lockdown im November 2020 – alles nach Vorschrift – legte uns unsere Kantorin Giuli Topuridze ein Lied vor, das ich in meinen langen Chorsinge-Jahren, von Jugend an, noch nie gesungen habe, nur so allgemein mitgesummt hatte bisher. Aber dieser Überraschungsfreude folgte zu Hause eine noch größere, fast ein Wunder: welch eine Geschichte hat dieses Lied! Doch zuerst: Wer kennt den Text? Hier kommt er. Weiterlesen

Martin Luther: Nun freut euch, lieben Christen g’mein

Das schon im Kulturhauptstadtjahr 2010 entstandene Pop-Oratorium „Die Zehn Gebote“ ist der Vorläufer des ungeheuer erfolgreichen Pop-Oratoriums „Luther“ aus der Wittener Creativen Kirche. In diesem fantastischen Werk kommt die fröhlich-ermunternde Melodie von Luthers Lied von 1523 in den schönsten rhythmischen Variationen unter anderen Texten wunderbar eingehend zum Klingen (vgl. EG 341). Ich behaupte jetzt: in keinem anderen Lied des Reformators Martin Luther kommt im Text der zehn Strophen und auch vor allem in der von ihm komponierten Melodie die Freude und die Munterkeit des befreiten Mönchs Martin mehr zum Ausdruck.

„Nun freut euch, lieben Christen g´mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen“ (Strophe 1). 1523 war Luther gerade vierzig Jahre alt. Da konnte er noch springen, später nicht mehr. Aber singen konnte er bis zu seinem Tode als 63-Jähriger. Wie steht es bei uns? Was können wir noch und was nicht mehr? Weiterlesen

Johannes Bugenhagen, der Mann in Luthers Schatten

2017: Dr. Martin Luther in aller Munde – Dr. Johannes Bugenhagen dagegen sehr viel weniger. Zu Unrecht. Dabei war er einer der Ersten, die sich für Luther interessierten. Schon 1523 war „Dr. Pomeranus“, das heißt „der Doktor aus Pommern“, Pfarrer an der Stadtkirche in Wittenberg und Professor an der Universität. Er wurde der „Familienpfarrer“ von Katharina und Martin Luther. Der frisch verheiratete Mönch Bugenhagen traute die Luthers 1525 und taufte alle sechs Kinder der Familie. 1546 musste er die Trauerpredigt für seinen berühmten „Beicht-Sohn“ Martin halten.

Bugenhagen war der Reformator der Kirchenordnungen – naja, werden Sie vielleicht sagen, was ist das schon. Doch halt: das ist viel! Die Kirchenordnungen hatten damals Verfassungsrang, sie waren Staatsverträge. Sie regelten mehr als heutige Kirchenordnungen, die ja weitgehend innerkirchliche Angelegenheiten ordnen. Der gesamte Bereich des Gottesdienstlichen stand an erster Stelle. Es folgten die Bildung und der Bereich der Diakonie. Alles ist heute so aktuell wie vor 500 Jahren. Weiterlesen

Diakonie. Gott sei Dank!

1. „Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.“ So beginnt der 146. Psalm, den ich als Predigttext für die Vesper um Vier am 8. Juli – zum Abschluss des Marktkirchenfestes der Diakonie in Essen – ausgewählt habe. Passt das für einen Tag wie diesen, an dem Kirchenmusik und Diakonie zusammenkommen?

Und wie das passt! Das Staunen über das Wunder des Lebens, die Freude über das Leben, das Lob Gottes steht doch am Anfang von allem. Wir antworten darauf mit unserer Musik. Aber noch mehr: Wir antworten darauf mit unserem ganzen Leben. Weiterlesen

Geh aus, mein Herz…

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit (Paul Gerhardt, in: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 503)

…und lass dir die Sehnsucht nach Freude und Sommergeschmack nicht ausreden, denn im Garten der Natur entsteht jeden Tag wieder neues Leben! Mich beeindruckt an diesem fröhlichen Lied von Paul Gerhardt (1607–1676), dass es einer geschrieben hat, der wahrlich nicht nur die lieben und sonnigen Sommerzeiten des Lebens kannte. Das macht die Tiefe dieses Sommerliedes aus.

Keineswegs war damals alles eitel Sonnenschein. Keineswegs waren jene Zeiten die „guten alten Zeiten“. Um sich herum und in seinem eigenen Leben hatte Paul Gerhardt viel mit unsäglichem Leid und Schmerz zu tun. Umso größer ist sein Aufatmen angesichts der übervollen Sommerzeit. Fest verwurzelt in diesem Lebensgarten mit allem, was er bringt – an Freude und Glück, aber auch an Unkraut und Dickicht, an Schürfwunden und Gräben – kann er einen Blick an oder hinter die Grenze unseres Lebens wagen. Denn das Lob Gottes und der Dank für die großen und kleinen Dinge, die das Leben ausmachen, sieht nicht an den schweren Seiten und Zeiten des Lebens vorbei. Weiterlesen