Wie aktuell ist die Reformation?

Wie immer, gab es in Oberhausen am Reformationstag 2016 einen zentralen Gottesdienst. Die Predigt hielt eine Oberkirchenrätin, die aus Düsseldorf gekommen war. Sie begann ihre Predigt folgendermaßen: Sie sei zu einem vorbereitenden Gespräch über Fragen des Reformationsjubiläums nach Amerika geflogen. In New York habe sie der Zöllner gefragt, was ihr Geschäft in Amerika sei. Sie habe etwas gesagt in Richtung Reformation und Martin Luther. Darauf der Zollbeamte: „Dann sind Sie hier falsch. Fliegen Sie weiter nach Atlanta, da ist das Grab von Martin Luther King.“

Mit dem Martin Luther, mit dem wir es im Jahr 2017 zu tun haben, konnte der Mann offensichtlich nichts anfangen. Und meine Vermutung ist, dass viele mit Verlegenheit oder Unverständnis reagieren würden, wenn man sie bei uns zu Luther und der Reformation befragen würde. Was ist davon in unserer Gesellschaft gegenwärtig? Oder richtiger gefragt: Was weiß ich davon? Was berührt mich? Was freut mich? Was macht mich dankbar? Weiterlesen

Glück heißt in der Bibel Erlösung | Über die Kirche und das Glück #1

Neulich im Café: Am Nebentisch saß eine junge Mutter mit ihrer 13 Monate alten Amelie. Amelie hatte ein Bilderbuch vor sich, in dem große Früchte abgebildet waren. Und Amelie hatte einen kleinen Löffel in der Hand. Mit dem Löffel berührte sie die Früchte und fütterte dann ihre Mutter damit. Ein wunderbarer Anblick. Die beiden waren offenbar glücklich. Was da vor sich ging, war praktisch gesehen unnütz. Aber: Es war Beziehung stiftend und die Beziehung prägend. Beide waren bei sich und zugleich beieinander. Ihr Handeln war nicht nützlich, aber freundlich, liebevoll und erfüllend.

Lässt sich anhand dieses Beispiel etwas Allgemeines über „Glück“ sagen? Vielleicht dies: Glück ist situativ. Es gibt kein Setting, das Glück garantiert. Was Mutter und Tochter erleben, könnte auch an einem anderen Ort stattfinden, und die Handlung könnte auch völlig anders gedeutet und mit einem „Nun lass mal“ oder „Jetzt nicht!“ belegt werden. Zum Glück gehört offenbar die Öffnung fürs Glück. Weiterlesen

Sperriges Kreuz

„Die Welt ist aus den Fugen geraten.“ So hören wir es dieser Tage, angesichts der gegenwärtigen Erfahrungen von Terror und Krieg. Der brutale Bürgerkrieg in Syrien geht in sein sechstes Jahr – Hunderttausende starben, wurden verwundet, hungern oder sind auf der Flucht. Die Terrormiliz IS wütet barbarisch und trifft uns mitten ins Herz. Die Anschläge in Brüssel zeigen, dass uns die globalen Konflikte direkt betreffen. Unser Herz ist schwer in diesen Tagen angesichts der Toten und Verletzten in Brüssel.

„Die Welt ist aus den Fugen geraten.“ So war es schon damals, vor 2000 Jahren, als Jesus gekreuzigt wurde. Wieder einmal versuchen wir, dieses Geschehen zu verstehen. Aber das Kreuz der Geschichte ist sperrig – vor allem dann, wenn wir unsere Trauer, unseren Zorn und unsere Fragen in diesen Tagen zulassen. Weiterlesen

Credo in eigener Sache

Meine Eltern waren Christen, deren Christsein darin bestand, nicht aus der Kirche auszutreten.
Ein entschiedenes Christsein war das: mein Vater war von Natur aus sparsam, das Geld war auch schon mal knapp, an Gott glaubten weder mein Vater noch meine Mutter, in den Gottesdienst gingen sie nicht einmal zu Weihnachten.
Dennoch sind sie dabei geblieben.
Der Steuerberater hatte etwas anderes geraten; Freunde hatten längst etwas anderes getan.
Aber sie sind in der Kirche geblieben bis zu ihrem Tod. Weiterlesen

Drei Mal Glück

Am letzten Sonntagnachmittag war ich, der alte ehemalige Bergerhauser Pfarrer, richtig glücklich. Drei Ereignisse hatte ich miterlebt: Erstens – ein Oktoberfest mit Flüchtlingen; zweitens – einen theologischen Jugendgottesdienst mit Luther; und drittens – die Freude der Integrativen WG in „meinem“ ehemaligen Pfarrhaus, die soeben in Rimini den 1. Preis im Hip-Hop-Weltcup gewonnen hatte. Weiterlesen

Alles erzählt von Gott

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth. (Psalm 84,2)

Dieses Wort hat mich bei meiner Einführung im Mai letzten Jahres als Superintendentin inspiriert. Irgendwie begleitet mich seitdem dieser Bibelvers – mit seinem Bild der „Wohnungen Gottes“. Wenn ich mir Wohnungen und Räume in unserem Land vor Augen führe, nehme ich wahr, wie sehr sich Räume in den letzten 25 Jahren verändert haben. Keine Arztpraxis mehr ohne großformatige Bilder an der Wand, Innenräume – Inneneinrichtungen der Geschäfte werden passgenau auf die Kunden und den Zeitgeschmack abgestimmt. Unser Raumempfinden hat sich verfeinert. Von einer zunehmenden Ästhetisierung unserer Gesellschaft sprechen die Wissenschaftler. Weiterlesen

Was ich von H. über Gottesdienste gelernt habe

Wieder einmal war ich stolz auf meine Gemeinde: es war ein guter Gottesdienst. So, wie ich ihn mir wünsche. Nicht nur der Kirchenmusiker und ich haben ihn gestaltet: Weitere acht Frauen und Männer haben sich kraftvoll und ermutigend eingebracht. In sehr persönlichen und teilweise bewegenden Worten schilderten sie, wie sich ihr Glauben im Laufe ihres Lebens entwickelt hat. Weiterlesen

Die gute Nachricht

Was für eine verheißungsvolle Ankündigung. So etwas höre ich natürlich gern. Eine gute Nachricht: so steht es an der Kanzel im Gemeindehaus Isinger Feld. Der ehemalige Presbyter Heinrich Strüngmann hat sie 1991 für unsere Kirchengemeinde angefertigt. Von dieser Kanzel aus lesen wir im Gottesdienst vor, hören wir aus der Bibel, auch aus den Evangelien, die uns von Jesus erzählen. Evangelium – das heißt übersetzt: Gute Nachricht. Das, was wir von Jesus hören, was uns überliefert wurde, und das, was wir von Gott hören aus der Bibel – das ist eine wirklich gute Nachricht, da lohnt es hinzuhören. Weiterlesen

Einladung zum Abendsegen

Seit zwei Jahren haben wir in unserem Lutherhaus an der Bandstraße alle zwei Monate anstelle des Gottesdienstes am Sonntagmorgen einen Abendgottesdienst gefeiert – wir wollten dadurch vor allem junge Leute und vielleicht auch ganz neue Gottesdienstbesucher ansprechen. Das ist uns nicht so gelungen, wie wir es uns vorgestellt haben. Außerdem fanden es viele Gemeindeglieder nicht schön, dass immer an diesem Tag der Gottesdienst am Sonntagvormittag entfiel.

Unser Presbyterium hat darüber beraten und es ist eine neue Konzeption entstanden: Zukünftig gibt es alle zwei Monate einen Abendsegen, als zusätzliches Angebot zum Gottesdienst am Sonntagmorgen. Weiterlesen

Andacht zum Gedenken an unsere Verstorbenen

Seit zwei Jahren veranstalten wir in unserer Friedenskirche in jedem Vierteljahr eine Andacht zum Gedenken an Verstorbene. Sechs bis acht Wochen nach einer Bestattung erhalten die Angehörigen unserer verstorbenen Gemeindeglieder eine Einladung dazu. Die Andacht ist ein schlichter Gottesdienst, in dem wir unsere Trauer um den geliebten Menschen vor Gott bringen und um Stärkung für die Trauernden bitten. Kerzen für die Verstorbenen werden entzündet und ihre Namen in unser Buch des Lebens eingetragen. Dieses Buch liegt in unserem Raum der Andacht aus, der ein Teil unserer Kirche ist und Besuchern immer offen steht. Weiterlesen