„Gottes Gurkentruppe“

In unserem Gesangbuch gibt es das Lied „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“. In den Strophen zwei und den folgenden hat Martin Luther unsere Geschichte mit Gott so dargestellt: „Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hat mich besessen.“ Gott erbarmt sich und sendet seinen Sohn. Der nimmt unsere menschliche Gestalt an und verspricht uns: „Den Teufel wollt‘ er fangen.“ Tatsächlich hat der Reformator fest an den Teufel geglaubt. Und er befindet sich damit ganz in Übereinstimmung mit dem Alten und dem Neuen Testament. Weiterlesen

Nahrung für die Seele

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Matthäus 16,26).

Eigentlich ist das doch, trotz des dreifachen Konjunktivs, eine mit einem Wort einfach zu beantwortende Frage: Nichts! Und doch, wenn, ich genau hinsehe, hat dieser Satz einige Stolpersteine, die zum Nachdenken anregen.

Was bedeutet denn „die Welt gewinnen“? Damit sind doch wohl kaum unsere Sorgen um das tägliche Brot und unsere weltliche Existenz gemeint, sondern eher unsere Wünsche nach dem Lottogewinn, nach Besitz, Ansehen, Karriere und Einfluss, nach körperlicher Fitness und ewiger Jugend. Und heute auch nach Likes und Followern. Weiterlesen

Seid Akteure des Glaubens – und nicht nur Zuschauer!

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,18-20)

Holsterhausen, ein Essener Stadtteil südwestlich der Innenstadt. Ich besuche eine junge Familie, die ihre Tochter taufen lassen möchte. Wir sprechen über einen möglichen Ablauf des Gottesdienstes. Meine Idee: Mag jemand von Ihnen einen Text aus der Bibel lesen?

Wir blättern in der Bibel und landen im Matthäusevangelium, Kapitel 28, Verse 16 bis 20. In der Lutherbibel steht fettgedruckt „Missionsbefehl“ darüber. Bei dieser Überschrift schreckt der Vater zurück: „Missionsbefehl“ – seine Stirn zieht sich in Falten – das hört sich streng an. Tatsächlich, so erkläre ich, ist die Überschrift erst später dazugekommen. Und vielleicht gibt diese Überschrift dem Text eine falsche Note. Deshalb lade ich Sie ein, diesen Text heute noch einmal neu zu entdecken. Weiterlesen

Kleine Fische, große Wirkung

Die geschwisterliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. (Römer 12,9-16)

Ungewohnt. Wir sitzen doch sonst in Reihen hintereinander. In der Kirche haben manche sogar ihre Lieblings-Bank. Ihren festen Platz. Hier, im Gemeindesaal, ist natürlich sowieso alles anders – und jetzt sitzen wir auch noch im Kreis. Die Sitzordnung heute ist wie eine Auslegung unseres Textes aus dem Römerbrief: Um sich mit dem anderen freuen zu können oder um mit dem anderen weinen zu können – muss ich ihn sehen. Muss ich ihm oder ihr ins Gesicht sehen können. Dann sehe ich vielleicht, dass Frau X. heute gar nicht so munter lächelt wie sonst. Oder bemerke, dass  Herr Y. ein bisschen blass ist. Und ich kann fragen: Was ist los? Wie geht’s? Ist was passiert? Einander sehen, einander wahrnehmen. „Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor“ – das gelingt dann vielleicht. Weiterlesen

Friede sei mit dir!

Der Friedensgruß gehört zur guten Nachricht. Friede sei mit dir! Das sagt der Engel zu der jungen Frau Maria. Auch in der Ostergeschichte sagt der Auferstandene nach der Überlieferung des Johannesevangeliums: Friede sei mit euch! „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unser´n Zeiten, es ist ja doch kein Ander´ nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine.“ So haben Mönche im Stundengebet im 9. Jahrhundert gesungen. Mit diesen Worten hat Martin Luther im 16. Jahrhundert ein Lied gedichtet und komponiert. Auch wir singen diese Worte im Gottesdienst, mit alter oder neuer Melodie. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Weiterlesen

Abraham | Vom Aufbrechen #1

Aufbrechen und losgehen, das machen Menschen überall und zu allen Zeiten. Auch die Bibel erzählt davon, dieses unglaubliche Aufbruchsbuch. Sie erzählt von Leuten, die aufgebrochen sind, freiwillig oder unfreiwillig, ängstlich, zögerlich, mutig, begeistert. Drei von ihnen kamen bei einem Feierabendgottesdienst in der Königssteeler Friedenskirche zu Wort. Ihre Geschichten begleiten uns hier durch die nächsten Tage – den Auftakt macht Abraham. Weiterlesen

Weihnachtsgeschichte mit Figuren

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal im Advent mit meiner Mutter gemeinsam eine Krippe gebastelt habe. Sie sollte am Heiligen Abend fertig sein und unter unserem Weihnachtsbaum stehen.

Die Figuren fertigten wir aus Holzteilen: einen Kegel für den Körper und eine Kugel für den Kopf. Sie wurden bekleidet mit Filz und anderen Stoffen, die wir zurechtschnitten. Ich weiß sogar noch ziemlich genau, wie die einzelnen Figuren aussahen: Da war Maria, die ein rotes Kleid bekam und einen dunkelblauen Umhang über ihren Kopf. Josef hatte einen Bart aus Wolle und einen braunen Hut. Weiterlesen

Die Lutherrose – edel, kostbar und wunderschön

Die Lutherrose ist eines der bekanntesten Symbole der Evangelischen Kirche. Sie war das Siegel, das der Reformator ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. In einem Brief an Lazarus Spengler hat Martin Luther  Punkt gebracht, was ihm an der Lutherrose wichtig ist: Er wollte mit einem Bild zeigen, was der Glaube für ihn bedeutet. Er hat Symbole genommen, die jeder kennt: eine Blume, ein Herz, das Kreuz. Und er hat Farben genommen, die für sich sprechen: Gold, blau, grün, weiß, rot und schwarz. Es war ihm wichtig, dass alle Menschen einen Zugang zum Glauben finden. Nicht nur die, die lesen können!

Im Vorbereitungskreis für einen inklusiven Gottesdienst im Essener Unperfekthaus haben wir uns mit der Bedeutung der Lutherrose beschäftigt. Das, was Luther selbst dazu sagt, haben wir gehört und unsere eigenen Gedanken dazu gesammelt. Beides möchten wir Euch und Ihnen in diesem Blog vorstellen. Weiterlesen

Wie aktuell ist die Reformation?

Wie immer, gab es in Oberhausen am Reformationstag 2016 einen zentralen Gottesdienst. Die Predigt hielt eine Oberkirchenrätin, die aus Düsseldorf gekommen war. Sie begann ihre Predigt folgendermaßen: Sie sei zu einem vorbereitenden Gespräch über Fragen des Reformationsjubiläums nach Amerika geflogen. In New York habe sie der Zöllner gefragt, was ihr Geschäft in Amerika sei. Sie habe etwas gesagt in Richtung Reformation und Martin Luther. Darauf der Zollbeamte: „Dann sind Sie hier falsch. Fliegen Sie weiter nach Atlanta, da ist das Grab von Martin Luther King.“

Mit dem Martin Luther, mit dem wir es im Jahr 2017 zu tun haben, konnte der Mann offensichtlich nichts anfangen. Und meine Vermutung ist, dass viele mit Verlegenheit oder Unverständnis reagieren würden, wenn man sie bei uns zu Luther und der Reformation befragen würde. Was ist davon in unserer Gesellschaft gegenwärtig? Oder richtiger gefragt: Was weiß ich davon? Was berührt mich? Was freut mich? Was macht mich dankbar? Weiterlesen

Glück heißt in der Bibel Erlösung | Über die Kirche und das Glück #1

Neulich im Café: Am Nebentisch saß eine junge Mutter mit ihrer 13 Monate alten Amelie. Amelie hatte ein Bilderbuch vor sich, in dem große Früchte abgebildet waren. Und Amelie hatte einen kleinen Löffel in der Hand. Mit dem Löffel berührte sie die Früchte und fütterte dann ihre Mutter damit. Ein wunderbarer Anblick. Die beiden waren offenbar glücklich. Was da vor sich ging, war praktisch gesehen unnütz. Aber: Es war Beziehung stiftend und die Beziehung prägend. Beide waren bei sich und zugleich beieinander. Ihr Handeln war nicht nützlich, aber freundlich, liebevoll und erfüllend.

Lässt sich anhand dieses Beispiel etwas Allgemeines über „Glück“ sagen? Vielleicht dies: Glück ist situativ. Es gibt kein Setting, das Glück garantiert. Was Mutter und Tochter erleben, könnte auch an einem anderen Ort stattfinden, und die Handlung könnte auch völlig anders gedeutet und mit einem „Nun lass mal“ oder „Jetzt nicht!“ belegt werden. Zum Glück gehört offenbar die Öffnung fürs Glück. Weiterlesen