Zeit zu hamstern!

Macht euch also keine Sorgen um den kommenden Tag – der wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat. (Matthäus 6,34)

Die allgemeine Verunsicherung, die wir gerade spüren, zeigt sich deutlich in unserem Kaufverhalten. Lieber alles zu Hause haben. Dann kann ich für mich sorgen. Gestern beim Einkaufen traf ich auch Menschen, die ihren Einkaufswagen weit über den Rand gefüllt hatten, Verkäuferinnen die uns mit den Worten verabschiedeten: „Alles Gute, hoffentlich werden wir alle das überleben!“

Die Worte klingen in mir nach. Manche Menschen erlebe ich auch wie in einer Schockstarre. Immer wieder höre ich Fragen und fühle mich auch selbst überrollt von der Geschwindigkeit der Ereignisse: Wie wird es weitergehen? Welche Einschränkungen werden die nächsten sein? Werde auch ich, werden meine Lieben krank werden? Sterben? Wie wird mein Leben im Herbst aussehen? Weiterlesen

Ein Wiegenlied vom Frieden | In Zeiten von Corona #5

Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. (3. Mose 26,6) – Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. (Philipper 4,7) | Herrnhuter Tageslosung für den 21. März 2020

Eigentlich kann ich sehr gut schlafen. Ein gutes Erbteil meiner Vor-Mütter: selbst in unseren Wechseljahren haben wir stets prima durchgeschlafen; Oma und Mutter brauchten auch als Greisinnen keine Schlafmittel, nicht mal pflanzliche.

Aber seit die Corona-Epidemie um sich greift, schrecke ich jede Nacht mehrmals hoch. Auf meinem Nachttisch liegt mein Handy – immer schon, um im Notfall erreichbar zu sein für meine Kinder, die nicht mehr zuhause wohnen. Jede Nacht melden sich nun die unterschiedlichen Apps und Messengers mit den neusten Nachrichten – es gibt einen ploppigen Laut und ich lese, wie viel Tote es in Italien, Spanien, Deutschland… bereits gibt, wie rasant die Infektionsrate steigt und welche immer drastischeren Maßnahmen Regierungen ergreifen in der Hoffnung, dem Grauen doch noch Herr zu werden. Weiterlesen

Bleibt in der Liebe!

Haltet fest an der Geschwisterliebe! Vergesst nicht die Gastfreundschaft, denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Abgesandte Gottes beherbergt. Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene, und gedenkt der Misshandelten, weil ihr auch noch in euren Körpern lebt. (Hebräer 3,1-3)

Vor vier Jahren traf ich Adam. Adam ist ein junger, schüchterner Mann aus Syrien. Er war 19 Jahre alt. Adam kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Damaskus. Er hat seine Schule dort nicht beenden können, denn während des Bürgerkrieges in Syrien hat eine Bombe sein Wohnhaus getroffen. Er kann sich nicht genau erinnern, aber seitdem hat er eine verletzte Schulter. Nach diesem schrecklichen Erlebnis begann er seine Flucht vor diesem Krieg nach Deutschland zu planen. Er kam über das Mittelmeer und die Türkei und dann quer durch Europa. Seine Reise beschreibt er unter Tränen als einen schrecklichen Alptraum. Weiterlesen

Aus der Dunkelheit zum Licht

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. (Jesaja 50,10)

Sie kommen abends nach Hause. Die Sonne ist jetzt im Winter längst untergegangen. Sie schließen die Tür auf, tasten nach dem Lichtschalter. Das Licht geht an und peng brennt die Birne durch. Sie stehen im Dunkeln. Die Hand ist vor Augen nicht zu sehen, Sie tappen durch die Finsternis, stoßen sich an einem Stuhl. „Das gibt einen blauen Fleck!“ denken Sie noch.

Sie tasten sich weiter, fegen dabei die Kaffeetasse vom Tisch, die Sie am Morgen in all der Eile nicht wegräumen konnten. „Jetzt bloß nicht in die Scherben treten!“ schießt es durch Ihren Kopf. Und als Sie endlich die Wand mit dem nächsten Lichtschalter erreicht haben, tastend nach ihm suchen, da hören Sie zu allem Überfluss, wie der Bilderrahmen von der Wand zu Boden geht. „Bestimmt der, den die Kinder mir – schön verziert – vor zwanzig Jahren geschenkt haben!“ Sie haben Recht!

Menschen, die das Gefühl haben im Dunkeln zu sein, nicht sehen zu können und nicht gesehen zu werden, hadern mit ihrem Schicksal. Das ging Menschen damals vor Jesus Geburt so und ist heute nicht anders. Weiterlesen

Erlöser, Befreier, Lebens-Stifter

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

Der November ist für viele Menschen kein guter Monat. Manche haben regelrecht Angst vor diesen Wochen: Es wird kalt, dunkel und nass; und spätestens mit dem Volkstrauertag und dem gemeinsamen Gedenken an unsere Verstorbenen am Ewigkeitssonntag legen sich Schatten auf die Seelen. Genau in diese Stimmung hinein spricht der Monatsspruch für den November: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25). Weiterlesen

Psalm 23 – randvoll mit Segen

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23,1)

Psalm 23 entstammt dem hebräischen Teil der Bibel und wir leihen uns mit ihm Gebetsworte Israels. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn jemand heute einen Psalm auswendig kann, dann ist das Psalm 23! Es gibt wohl keinen Text in der Bibel, der bekannter ist als dieser. Er ist die Quelle für unzählige Bilder und Skulpturen, obwohl er mehr ist als ein schöner Gedanke. Er ist schön anzuhören, aber er ist viel mehr als Poesie.

Wir zitieren ihn bei Jubiläen, obwohl er von solchen Anlässen gar nicht handelt. An Gräbern lesen wir ihn vor, obwohl er gar nicht von Trauer spricht. Ganz im Gegenteil: Psalm 23 lädt uns ein zu einem völlig neuen Lebensstil. Er handelt davon, in der Gegenwart eines Gottes zu leben, der mehr Liebe für uns bereithält, als wir uns jemals vorstellen können. In ihm geht es um Sicherheit und Geborgenheit, um Lebenssinn und Hoffnung, um Freude und Sorglosigkeit mitten in einer unruhigen Welt. Er handelt davon, dass wir ruhig und gelassen bleiben können, auch dann, wenn uns Vieles bedrängt. Weiterlesen

Sinnliche Adventszeit, lange Abende…

Die Freunde von hier lassen dich grüßen. Grüße die Freunde dort, jeden einzelnen! (3. Johannes 1,15)

Der Duft von Orangen und Zimt, das Knuspern von Spekulatius, das Flackern der Kerzen am Adventskranz, der aufsteigende Dampf von Glühwein, die Spannung beim Öffnen der Türchen im Adventskalender und irgendwo leise Klänge alter Adventslieder…

Die Adventszeit kann so sinnlich sein! Mit Augen, Nase, Mund, Ohren und Händen sehen, schmecken, fühlen und begreifen wir den Beginn eines neuen Kirchenjahres. Eine Zeit voller Sehnsucht, eine Zeit fürs Warten, eine Zeit fürs Backen und Vorfreuen. Wann wird es endlich Weihnachten? Wann verändert das kleine Kind in der Krippe die Welt? Wann legt das Schiff im Hafen an? Wann leuchtet der Stern hell für alle? Weiterlesen

Sehnsuchtsorte

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. (Offenbarung 21,2)

Wenn nach diesem großen Sommer jetzt bald die dunklen Tage des Novembers kommen, denken wir darüber nach, wie wir wieder Sonne tanken können, wohin uns der nächste Urlaub führt, wie wir der Dunkelheit entkommen. Und die Sehnsucht wächst. Mancher denkt im November auch zurück an die traurigen Zeiten des Jahres, an einen Todesfall in der Familie, an den Verstorbenen; geht ans Grab oder zum Trauergottesdienst am Ewigkeitssonntag und fragt sich, wie es jetzt weitergeht. Die Sehnsucht nach Leben wächst neu. Weiterlesen