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Zeit der Sehnsucht

Heile mich, HERR, dann bin ich geheilt, hilf mir, dann ist mir geholfen! (Jeremia 17,14)

Magst du den Herbst? Die Zeit der Farbenfröhlichkeit, in der der Himmel oft in intensivstem Blau strahlt, in der die Blätter der Bäume zu leuchten beginnen – mit einem Wind, der überall noch einmal Leben hineinpustet – und einem Wald, der nicht aufhört zu duften – eine Zeit, in der alle Sinne angesprochen werden?

Oder ist es für dich vielleicht auch die Zeit, in der du schmerzhaft spürst, dass die Tage wieder kürzer werden, dass Dunkelheit und Kälte zunehmen? Und wächst dann vielleicht in dir zugleich die Sehnsucht nach etwas, das du nicht greifen kannst, oder sogar ganz konkret die Sehnsucht nach einer Zeit, die vergangen ist, vielleicht auch nach Personen, die nicht mehr da sind?

„Heile mich, Herr, dann bin ich geheilt!
Hilf mir, dann ist mir geholfen!“

Um die Sehnsucht nach Heilung und Heilwerden geht es Jeremia. Neben diesem Wort des Propheten möchte uns auch eine Geschichte aus dem Markusevangelium Trost geben. Sie steht im zweiten Kapitel, Verse 1 bis 12, und erzählt von einem, der vielleicht schon keine oder kaum noch Hoffnung hatte. Er wird nur „Der Gelähmte“ genannt, ist bewegungslos – vielleicht nicht nur im tatsächlichen Sinne, sondern auch im Inneren erstarrt, wir wissen es nicht.

Was er allerdings hat, sind Freund*innen. Und zwar solche, die es nicht nur gut meinen, sondern die auch bereit sind zu handeln, die nichts unversucht lassen. Als sie erfahren, dass Jesus nach Kafarnaum gekommen ist, wollen sie ihren Freund zu ihm bringen. Doch das Haus, in dem Jesus eingekehrt ist, ist überfüllt, sie kommen nicht hinein. Aber sie geben nicht auf, decken das Dach über der Stelle ab, an der sie Jesus vermuten und lassen ihren Freund auf seiner Matte zu ihm hinunter.

Und der sieht und richtet auf. Er erkennt die Hoffnung, den Glauben der Freund*innen und er schenkt Heilung, indem er die inneren und äußeren Fesseln des Mannes löst. Von Vergebung ist die Rede und damit also von Angenommensein. Jesus kann das in Gottes Namen zusprechen.

Und in dem Mann geschieht tatsächlich das Wunder, dass er sich frei fühlen darf, befreit von allem, was ihn niedergedrückt und gelähmt hat. Am Ende kann er tatsächlich aufstehen, auf eigenen Füßen stehen und gehen.

Heile mich, Herr, dann bin ich geheilt!
Hilf mir, dann ist mir geholfen!

Mich von Gott angenommen fühlen mit meinen Ängsten, mit meinen Zweifeln, mit meinen Sehnsüchten, das ist es, was diese Geschichte uns auch heute noch nahebringen möchte. Wir können alles vor ihn bringen, was uns belastet und was uns niederdrückt und manchmal auch zu lähmen scheint. Er möchte uns aufrichten und Mut machen, nach vorne zu schauen.

Und wie er dem Gelähmten in der Geschichte treue Freund*innen an die Seite stellt, schickt er auch uns hin und wieder „Engel“, die uns manchmal an die Hand nehmen, hin und wieder sogar tragen und die auch unsere Sinne wieder stärken möchten: Schau auf das, was dein Herz erfreut, genieße doch ruhig noch die letzten Sonnenstrahlen… Und schaue dich um: Vielleicht braucht auch dich jemand in deiner Nähe als Freund*in – oder als Engel.

Wir beten:

Du, unser Gott, wir bitten dich für alle, die sich niedergeschlagen und kraftlos fühlen, für die, die in ihren Ängsten gefangen sind: Richte sie auf und schenke Mut und Heilung.

Wir bitten dich für die, die keine Perspektive sehen, für die, die sich bedroht fühlen: Schicke ihnen Menschen an die Seite, die sie begleiten und ihnen Halt geben. Amen.

Sabine Grüneklee-Herrmann

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