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Wie die Kinder

Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes! Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Markus 10,14-15)

An diesen bekannten Spruch aus dem Markusevangelium musste ich letztens denken, als ich meinen beiden Enkelinnen still und völlig fasziniert beim Spielen auf unserer Terrasse zusah. Sie waren mit ihren Eltern, die (leider) in Österreich wohnen, für ein paar Tage bei uns zu Besuch.

Drei Jahrzehnte nach der Beschäftigung mit den eigenen Kindern ist mir da noch einmal bewusst geworden, wie recht Jesus mit seiner Wertschätzung der Kinder hat. Und deshalb freue ich mich auch sehr, dass wir im Moment in unserer Gemeinde eine hohe Nachfrage nach Taufen haben und fast in jedem Gottesdienst (und auch danach) Kinder taufen. Das ist schön!

Zu sein oder werden wie die Kinder, fällt uns Erwachsenen dagegen meist schwer. Kinder werden doch oft als störend oder als Last empfunden. Was könnte uns das bringen?

– Werden wie die Kinder: Wie können sie betroffen und traurig sein! Können in ihrem Handeln einhalten und einfach anfangen zu weinen. Können offen ihre Gefühle zeigen. Aber wo wir Erwachsene noch verstummen, wo unsere Konflikte sich oft über lange Zeiträume hinziehen, da können sie dann schon wieder miteinander spielen und lachen, wie wenn nichts wäre.

Nur kindlicher Unverstand? Mangelnde Einfühlung? Das kann ich nicht glauben. Sondern die Fähigkeit, mit menschlichem Maß zu leben. Darüber weinen, was sich nicht mehr ändern lässt. Aber dann auch Abschied zu nehmen, wenn es sein muss.  Sich nicht kaputt machen zu lassen, wenn es keine Antwort mehr gibt.

– Wie die Kinder: So offen. Nicht voreingenommen. Auf andere zugehen, ohne Böses zu erwarten. Freunde gewinnen durch die Art, anderen zu begegnen.

– Wie die Kinder: So neugierig aufs Leben. Interessiert an allem, was in unserer Welt so vor sich geht. Spaß, sich damit zu beschäftigen und Ausdauer, den Sachen auf den Grund zu gehen.

– Wie die Kinder: Nie am Ende. Immer wieder bereit, aufzustehen und den nächsten Schritt zu tun. Von unbegrenztem Vertrauen ins Leben: dass es gut ist, wie es ist, trotz allem. Nie fertig. Nie ein abgeschlossener Fall. Immer bereit umzukehren.

– Wie die Kinder: Sensibel für die Schöpfung. Einzelheiten entdecken und wichtig nehmen, ja genießen, die wir Erwachsene nicht einmal bemerken.

– Wie die Kinder: Leben, voll und ganz und wirklich leben. Das ganze Glück des Augenblicks genießen. Den Körper spüren und bewegen, wenn Musik den Raum füllt. Das Schöne mit Bildern festhalten.

– Wie die Kinder: mit viel Fantasie und Kreativität andere mitreißen, für eine Sache begeistern.

Lassen Sie es uns doch auch einmal – hier oder dort – versuchen!

Thomas Nawrocik