Geh aus, mein Herz…

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit (Paul Gerhardt, in: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 503)

…und lass dir die Sehnsucht nach Freude und Sommergeschmack nicht ausreden, denn im Garten der Natur entsteht jeden Tag wieder neues Leben! Mich beeindruckt an diesem fröhlichen Lied von Paul Gerhardt (1607–1676), dass es einer geschrieben hat, der wahrlich nicht nur die lieben und sonnigen Sommerzeiten des Lebens kannte. Das macht die Tiefe dieses Sommerliedes aus.

Keineswegs war damals alles eitel Sonnenschein. Keineswegs waren jene Zeiten die „guten alten Zeiten“. Um sich herum und in seinem eigenen Leben hatte Paul Gerhardt viel mit unsäglichem Leid und Schmerz zu tun. Umso größer ist sein Aufatmen angesichts der übervollen Sommerzeit. Fest verwurzelt in diesem Lebensgarten mit allem, was er bringt – an Freude und Glück, aber auch an Unkraut und Dickicht, an Schürfwunden und Gräben – kann er einen Blick an oder hinter die Grenze unseres Lebens wagen. Denn das Lob Gottes und der Dank für die großen und kleinen Dinge, die das Leben ausmachen, sieht nicht an den schweren Seiten und Zeiten des Lebens vorbei. Weiterlesen

Dein Wille geschehe

Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! (Lukas 22,42)

Im Gegensatz zur Adventszeit ist die Passionszeit weit weniger bekannt und vor allem wesentlich weniger beliebt. Obwohl beide Zeiten durch violette Antependien in unseren Kirchen gekennzeichnet werden und uns damit zur Umkehr zu Gott mahnen, haben sie doch ein ganz anderes Gepräge: Lichterglanz, Duft und Geschenke begleiten unsere Vorfreude auf Christi Geburt im Dezember, dagegen erinnern wir uns in den knapp sieben Wochen vor Ostern an die Leidenszeit Jesu, an Verrat, Schuld und gewaltsamen Tod. Weiterlesen

Großes Kino

Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. (2. Korinther 4,6+7)

Das ist ganz großes Kino, das uns Paulus hier vor Augen malt! Erste Einstellung: Wir sehen auf die übergroße Leinwand und sehen: nichts. Finsternis, tiefschwarze Nacht, und dann die Stimme: Es werde Licht! Und langsam weicht die Finsternis. Am Horizont ein Schimmer, erst nur ein grauer Streifen, orange, gelb, die Sonne geht auf – majestätisch, kraftvoll, wir müssen schon die Augen abwenden, so gleißend ist das Licht; und die Finsternis weicht. Ein neuer Morgen bricht an. Wie am ersten Schöpfungstag – durch Gottes machtvolles Wort wird das Licht. Schnitt. Weiterlesen

Weg der Liebe und der Tröstung | Andächtiges zur Jahreslosung #4

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Gott, wie eine liebende, tröstende Mutter, Gott, wie ein hilfloses und schwaches Kind. Das sind beides Bilder, die unsere Vorstellung von Gott, vom Göttlichen, wohl um diese Tage jedes Jahr aufs Neue in Erstaunen versetzen. Und beides sind Bilder, die uns von Gott als der Liebe wie kaum andere erzählen können.

Vielleicht denken Sie an Situationen, in denen Sie Ihre Kinder als Mütter oder Väter, als Großmütter oder Großväter getröstet haben, als sie vielleicht hingefallen waren oder abgelehnt worden waren; oder als sie größer wurden und den ersten Liebeskummer hatten. Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sie selbst als Kind auf den Schoß Ihrer Mutter, Ihres Vaters oder eines anderen nahen Menschen gesessen haben. Vielleicht sind selbst die Gefühle von Geborgenheit, die sich da in Ihnen ausbreiten, noch heute nachzuspüren. Vielleicht haben Sie sich dieses Gefühl aber auch nur sehnlich erwünscht und es doch entbehren müssen. Weiterlesen

Gott liebt jeden Menschen, bedingungslos: wirklich jeden?

Heute erreichte uns wieder einmal eine Frage, die sich mit einer christlichen Grundüberzeugung auseinandersetzt:

Frage:

Sollen und können wir wirklich glauben, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt? Und dass diese Liebe jeden, also auch ganz üble Menschen einschließt?

Meine Antwort:

Ja! Gott liebt jeden Menschen bedingungslos – auch die, die gescheitert sind (auch übel gescheitert sind) … an seinen Geboten und Weisungen zum guten Leben für alle. Gott verachtet, Gott missfallen jedoch böse Taten von Menschen zutiefst – Taten, mit denen Menschen anderen Geschöpfen Übles antun, meint: ihre Lebensmöglichkeiten verhindern und zerstören. Ansatzweise also kann ich es so formulieren: „Gott liebt den Sünder – Gott hasst die Sünde.“ Weiterlesen