Hab*Frieden

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. (Römer 12,18)

„Da würde ich gern mal Mäuschen spielen“ ist ein Satz meiner Mutter, der mich immer irgendwie lächeln machte. Mäuschen spielen, Mäuschen spielen wollte meine Ma immer dort, wo es etwas zu entdecken gab, wo Rätsel gelöst wurden, wo man lernen konnte wie es geht oder wo Geschichten weitergingen. Und Mäuschen wollte sie wohl sein, um nicht zu stören, nicht entdeckt zu werden, rechtzeitig wieder verschwinden zu können, ehe man in etwas hineingeriet, aus dem man nicht mehr herauskam. Ja, so war sie, auf eine gute Art sehr neugierig, wissbegierig und dann auch zurückhaltend.

Ihre Tochter ist da – jedenfalls im Moment – ganz anders und nicht so bescheiden: Ich will nicht Mäuschen spielen, will nicht unentdeckt aus einer Ecke heraus zu schauen, wie die Welt gerade funktioniert, sondern ich möchte im Moment am liebsten tatkräftig mitspielen, mitwirken oder sogar bestimmen. Manchmal träume ich sogar davon, Gott zu spielen oder, weil das ja eigentlich vermessen ist, lieber jemand zu sein, der regeln und bestimmen darf. Weiterlesen

Ein Perspektivwechsel für unser Morgen

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2, irgendwo in China entstanden aus einer unheimlichen Begegnung zwischen einem nicht so weisen Menschen und einem seltsamen Tier, hat den menschlichen Körper gekapert. Und das so effektiv, dass es binnen weniger Monate weit über vier Millionen Menschen weltweit befallen und eine kaum abzuschätzende Zahl von ihnen getötet hat. Es manipuliert Menschen in ihrem Innersten und zwingt sie, ein anderes Leben zu führen, als ihnen lieb ist. Sars-CoV-2 hat sich gerade zum Herrscher über die Welt aufgeschwungen. Weiterlesen

Widersprüchliche Zeiten, widersprüchlicher Glaube

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Psalm 98,1)

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Was für ein Bibelwort ist das für unsere widersprüchlichen Corona-Zeiten! „Singet dem HERRN ein neues Lied“? Das würden wir ja gerne, am besten gemeinsam, in großer Runde und wie mit einer Stimme.

In Corona-Zeiten ist alles anders. Musikerinnen und Musiker finden zwar Wege, um alte oder neue Musik zu machen und für Menschen aufzuführen. Was für ein Ideenreichtum da aufkommt – von digitalen Proben und Übertragungen von Live-Konzerten, über Balkonkonzerte bis zu Konzerten in Höfen von Senioreneinrichtungen. Doch das ersetzt eben nicht das gemeinsame Musizieren, geschweige denn das Singen in großer Gemeinschaft, etwa in festlichen Gottesdiensten. Konzerte vor Publikum in Kirchen, Konzertsälen oder auf Festivals sind doch etwas anderes. Weiterlesen

Über die Sünde – und was wir daraus lernen können | In Zeiten von Corona #10

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19) – Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut. (2. Korinther 7,10) | Herrnhunter Tageslosung für den 26. März 2020

Gestern habe ich hier berichtet über den Menschen als Kunstwerk Gottes, von seiner Größe und Würde, seiner Funktion und seinem Auftrag. Heute muss ich erzählen von seinem Scheitern und seiner Hässlichkeit. Habe ich gestern so sehr bestanden auf der Freiheit der Kinder Gottes – so muss ich heute eingestehen, dass wir Menschen nicht nur fähig sind zum Guten, sondern auch zum Schlechten. Die Spuren unseres bösen Tuns ziehen sich durch Natur und Geschichte. Es ist offensichtlich, dass wir Menschen alles andere als gelungene Meisterwerke sind. Weiterlesen

Im Fluss der Zeit

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebräer 13,8)

Die Zeit rast – schon haben wir wieder Februar. Wir haben geradezu das Gefühl, die Zeit verrinnt uns einfach so zwischen den Fingern.

Und doch: unsere Uhren lügen. Es ist unser Leben, das die Zeit letztlich prägt und mit Bedeutung füllt und die Zeit relativiert. Es gibt Momente im Leben, wo die Zeit geradezu still zu stehen scheint – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick – vollkommene Glücksmomente, die uns fast aus der Zeit heraus zu nehmen scheinen. Denn die Uhren des Herzens gehen anders als die Uhren der Physiker. Weiterlesen

„Gottes Gurkentruppe“

In unserem Gesangbuch gibt es das Lied „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“. In den Strophen zwei und den folgenden hat Martin Luther unsere Geschichte mit Gott so dargestellt: „Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hat mich besessen.“ Gott erbarmt sich und sendet seinen Sohn. Der nimmt unsere menschliche Gestalt an und verspricht uns: „Den Teufel wollt‘ er fangen.“ Tatsächlich hat der Reformator fest an den Teufel geglaubt. Und er befindet sich damit ganz in Übereinstimmung mit dem Alten und dem Neuen Testament. Weiterlesen