Maria – mitten unter uns

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. (Lukas 1,30-32)

Der Mirjamsonntag ist ein besonderer Sonntag, der seit vielen Jahren in der Evangelischen Kirche im Rheinland gefeiert wird und der die Solidarität mit den Frauen in Kirche und Gesellschaft zum Thema macht. Dabei steht jedes Mal eine andere biblische Frauengestalt im Mittelpunkt der Betrachtung – in diesem Jahr ist es Maria: „Maria – mitten unter uns“.

Maria? Was hat sie mit uns zu schaffen? Spielt sie eine bedeutende Rolle für unseren Glauben? Oder ist sie nur eine überhöhte Gestalt, die keine Relevanz in unserem Leben hat? Maria – mitten unter uns? Weiterlesen

Ich will noch ins Licht!

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Unter normalen Umständen, also wenn es genauso laut auf dem Uniklinik-Campus gewesen wäre wie sonst, unter normalen Umständen hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gehört. Drei Mitarbeitende saßen im Freien und unterhielten sich und als ich vorbeikomme, höre ich, wie einer sagt: Am einfachsten ist es doch, wenn man immer die Wahrheit sagt.

Ich wollte schon vorbeilaufen ohne mich einzumischen, aber das habe ich dann doch nicht geschafft, bin also einen Schritt zurück, habe die drei Jungs angegrinst und gesagt: Genau! Klasse. Die Wahrheit ist immer gut!

Der, der das gesagt hatte, grinst zurück und sagt: ja, ne? Die Angst ist nämlich eine dunkle Macht – Ich habe keine Angst! Hast du Angst? Weiterlesen

Hat Jesus gelacht?

Die großen Feste des Kirchenjahres liegen hinter uns. Zu Pfingsten lacht Jesus vom Himmel herab und freut sich seiner Schar, die mit großer Freude nach Jerusalem zurückgekehrt war (Lukas 24,52). Das behaupte ich einfach so. Vielleicht tut uns das auch uns in unseren schweren Zeiten gut?!

Die Frage: „Hat Jesus gelacht?“ ist alt und immer neu. Heiterkeit, Freude, Humor, Lachen zeichnen uns Menschen aus. Aristoteles: Von den Lebewesen lacht allein der Mensch. Rund 2500 Jahre später bestimmt Papst Johannes XXIII. den christlichen Glauben einfach so: er ist heitere Gelassenheit und Hingabe an Gott. Weiterlesen

Gottes Liebe ist grenzenlos

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm… Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seine Geschwister liebe. (1. Johannes 4,16+21)

Gott beurteilt die Menschen nicht nach menschlichen Maßstäben. Jeder Mensch ist nach seinem Bilde erschaffen und ist sein geliebtes Kind. Gott schenkt uns seine Liebe vorbehaltlos. Und wir sollen diese Liebe auch an unsere Mitmenschen weitergeben. Das ist manchmal nicht einfach. Selbst nicht in unserer näheren Umgebung, bei Menschen, die uns nahe sein sollten. Sogar in der Gemeinde.

Denn es nun mal nicht so, dass Christinnen und Christen die besseren Menschen sind. Auch unter uns gibt es „sone und solche“. Weiterlesen

Gott sucht eine Wohnung

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. (Johannes 14,23)

Pfingsten heißt – kurz gesagt: Gott ist auf Wohnungssuche. Und wenn wir Pfingsten den Geburtstag der Kirche und der Gemeinde feiern, dann ist das sein Geburtstagsgeschenk für uns: Gott kommt zu Besuch. Und zwar nicht nur ein bisschen, mal eben auf ein paar Minütchen und ein Tässchen Kaffee. Nein, eher so richtig. Auch für länger. Auch über Nacht. Weiterlesen

Mit Gott verbunden bleiben

…auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. (Johannes 17,23)

Als Kind habe ich gerne am Feiertag Christi Himmelfahrt an dem ökumenischen Gottesdienst unserer Gemeinde teilgenommen. Besonders gut sind mir die anschließenden Ausflüge mit der gesamten Gemeinde in Erinnerung. Es wurde gesungen und gebetet, gespielt und geredet, gewandert und gefeiert. Wir wussten uns als Christen miteinander verbunden, egal ob katholisch oder evangelisch, Mann oder Frau, Kind oder Opa. In diesen Stunden erlebte ich mit allen Sinnen, was es bedeutet, dass „alle eins seien“. Weiterlesen

In Seiner guten Hand

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16,33)

Ich werde sterben. Nicht sofort, nicht heute. Und trotz der Bedrohung durch das Corona-Virus und der Tatsache, dass ich als Mann über sechzig, mit Schlafapnoe, dabei auch zur Risikogruppe zähle, lebe ich sehr wahrscheinlich noch, wenn Sie diese Zeilen lesen. Trotzdem habe ich Angst.

„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus. Ich werde sterben. Unser Leben ist  – auch ohne das Virus – tagtäglich gefährdet. Mir ist das durch die schwere Krebserkrankung meiner Mutter, die daran nach wenigen Monaten mit nur zweiundfünfzig Jahren verstarb, schon früh bewusst geworden. Und ich erlebe es ja oft in meinem Beruf als Pfarrer, wenn ich Menschen begleite, die sich von einem Angehörigen verabschieden müssen. Weiterlesen

Ein ganz besonderer Weg

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich. (Johannes 14,6)

Nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums wendet sich Jesus unmittelbar vor seiner Passion in einer Abschiedsrede an seine Jünger. Er kündigt seinen Abschied an mit den Worten: „Wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.“ Der Jünger Thomas antwortet fragend: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Darauf dann die Antwort Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Thomas stellt hier Jesus die Grundsatz-Frage nach der Orientierung des Lebens. „Wohin gehst du? Wohin sollen wir gehen, Jesus?“ Und Jesu Antwort ist von ebenso grundsätzlicher Bedeutung. Sie ist keine Ortsangabe für das eigene Lebensziel. Jesu Antwort meint vielmehr: „Verlasst euch in allen Wohin-Fragen des Lebens auf mich. Ich selbst bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Ich selbst bin die Antwort auf die Wohin-Fragen eures Lebens.“ Weiterlesen

Wie lange dauert Ostern?

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. (Johannes 21,12)

Vor einer Woche haben wir Ostern gefeiert. Doch was aber bleibt von Ostern in unserem Alltag? Wie lange dauert Ostern? Wahrscheinlich hat uns der Alltag auch über Ostern gar nicht losgelassen in dieser Zeit der Corona-Pandemie, mit den Sorgen, Nöten und Ängsten und eben auch den Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben? Ja, wo ist denn Ostern in der Welt?

Die Auferstehung hat ein kurzes Echo im Tal der Not, der Niederlagen, der Verzweiflung und des Todes, ein Echo, das uns glauben lässt, dass die Welt am Karfreitag einfach stehen geblieben ist. Ist Ostern eine Erfahrung, die sich überhaupt in unserem Leben niederschlagen kann? Weiterlesen

Wie ich über Gottes Gebote denke | In Zeiten von Corona #21

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. (Hosea 8,12) – Jesus spricht: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. (Johannes 18,37) | Herrnhuter Tageslosung für den 6. April 2020

Die furchtbarste Geschichte der Bibel ist die, in der Gott dem Abraham gebietet, seinen Sohn zu töten. Ein Gehorsamsakt wird gefordert – als Glaubensprüfung. So wurde mir diese Grausamkeit Gottes erklärt, die alle unsere Vorstellungskraft übersteigt. Wo Gott befiehlt, da haben wir zu gehorchen. Basta. Eine andere Wahl haben wir nicht, wenn wir Gott gefallen wollen, und das wollen wir doch, nicht wahr? Den Kindern Gottes bleibt eben keine Option außer Folge zu leisten, wenn der himmlische Vater seine Stimme zum Gebot erhebt. Weiterlesen