Meine Gottesbilder | In Zeiten von Corona #19

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. (Psalm 115,2-3) – Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken. (Römer 1,20) | Herrnhuter Tageslosung für den 4. April 2020

„Lieber Gott mach, dass meine Oma wieder gesund wird“- ich war zwölf, als ich so betete. Es war das letzte Mal, dass ich mir ganz selbstverständlich Gott vorstellen konnte. Nicht lange danach und, obwohl meine Oma gesund geworden war, begann ich zu ahnen, dass da wohl kein metaphysischer Puppenspieler in einem wie auch immer gearteten Jenseits sitzt, dessen hilfreiches Eingreifen man durch Gebet heraufbeschwören könnte. Weiterlesen

Grund allen Seins, Schöpfungskraft | In Zeiten von Corona #7

Herr, du bist ‘s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist. (Nehemia 9,6) – Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. (Aostelgeschichte 14,17) | Herrnhuter Tageslosung für den 23. März 2020

Um Gottes kreativen Geist geht es in der heutigen Tageslosung. Immer schon haben die Menschen sich die Frage gestellt, wo denn das Leben herkommt. Israelit*innen, Jüd*innen und Christ*innen haben darauf die Antwort gegeben, dass es der transzendente Gott höchstpersönlich ist, der die Welt in einem äußerst kreativen Akt geschaffen hat.

Gleich zwei Schöpfungsberichte erzählen von der ungeheuren Schöpferkraft Gottes, der allein durch sein Wort und mit spielerischer Kraft, das hervorbringt, was kein Mensch je erzeugen könnte.  Hier spiegeln sich die Erfahrungen wider, die die biblischen Erzähler*innen mit der lebensförderlichen Nähe und Fürsorge Gottes gemacht haben. Weiterlesen

Klima hin oder her

Reden wir zunächst nicht über das Klima, für dessen Bewusstmachung die jungen Leute auf die Straße gehen. Ich denke zuerst mal an gesellschaftlich-mentale Befindlichkeiten, die uns zu schaffen machen. Und dann sind da ein paar Fragen:

Tagtäglich werden wir als Mitglieder dieser Gesellschaft mit ihnen konfrontiert: In welchem „Klima“ leben wir? Aber kann man das überhaupt beantworten? Ist „Klima“ nicht etwas Gefühltes, im Grunde Ungreifbares, das man mit Worten nicht einfangen kann? Es gibt ein „Klima der Angst“, ein „Klima der Unsicherheit“, ein „Klima der zunehmenden Aggression“. Wo soll man da bei einer genaueren Betrachtung anfangen? Wo hat man etwas Sicheres in der Hand? Weiterlesen

Die Kirche in der VUCA-Welt

1. Manchmal hat man den Eindruck, die Herausforderungen für die Kirche in Deutschland seien nicht nur groß, sondern einzigartig. So manche Reaktionen auf die Studie Projektion 2060, die das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Mai vorgelegt hat, legten diese Einschätzung nah. Die koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland bestätigte frühere Langzeitstudien. Sie zeigt, wie sehr „Kirche im Umbruch“ ist „Zwischen demografischem Wandel und nachlassender Kirchenverbundenheit“. Mir scheint, dass in den öffentlichen Reaktionen viel von der Stimmungslage und der Unsicherheit in unseren Gemeinden und der Kirche insgesamt aufscheint. Weiterlesen

Jona | Vom Aufbrechen #2

Aufbrechen und losgehen, das machen Menschen überall und zu allen Zeiten. Auch die Bibel erzählt davon, dieses unglaubliche Aufbruchsbuch. Sie erzählt von Leuten, die aufgebrochen sind, freiwillig oder unfreiwillig, ängstlich, zögerlich, mutig, begeistert. Drei von ihnen kommen hier in dieser Woche zu Wort – heute: Jona. Weiterlesen

Ein Haus für Gott

Weihnachten sind die meisten am liebsten zu Hause. Feiern zusammen mit der Familie. Studenten, die an entfernten Orten studieren, machen sich auf den Weg durch die halbe Republik, um zum Fest zuhause zu sein. Eine Umfrage bei den Konfirmanden „Was ist dir das wichtigste am Weihnachtsfest?“ ergab mit überwältigender Mehrheit: Mit der Familie zusammen zu sein und gemeinsam zu feiern. Geschenke waren sehr nachgeordnet. Familie: Eltern, Geschwister, wenn möglich Oma und Opa. Niemand soll, niemand will heute alleine sein. Man rückt zusammen, macht es sich gemütlich. Isst ein festliches Mahl, beschenkt sich, genießt die Zeit. Zuhause ist es am schönsten.

Für viele ist es so, aber nicht für alle. Manche flüchten von zu Hause, gerade jetzt, fliegen in die Sonne, suchen Abstand. Denn zu Hause an Weihnachten ist für sie schwer. Und leer. Zu viele Erinnerungen, zu viel Streit, enttäuschte Erwartungen. Alte Wunden brechen auf und schmerzen wie am ersten Tag. Und die Sehnsucht, sie schmerzt auch: die Sehnsucht nach einem Stück heile Welt, nach Frieden und Dazugehören, gerade heute Nacht, nach einem Ort der Geborgenheit und des Trostes. Nach Nähe. Nach dem Zauber der alten Geschichte vom Kind im Stall. Weiterlesen