„Was willst du?“

Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. (Lukas 18,40-42)

Immer wieder treffen wir in den Heilungsgeschichten der Evangelien auf diese Frage Jesu. „Was willst Du?“ – „Willst du gesund werden?“ Ja – natürlich will er gesund werden: der Kranke, der mittlerweile schon 38 lange Jahre krank darnieder liegt. „So steh auf, nimm dein Bett und geh“, antwortet Jesus – und der Mann nimmt seine Matte und geht (Johannes 5,6ff.).– „Was willst du, dass ich dir tun soll?“, so fragt Jesus den Blinden vor dem Stadttor zu Jericho. „Herr, dass ich sehen kann“, antwortet dieser – und er wird sehend (Lukas 18,41ff.).

Wenn wir gefragt werden: Was willst du? Wie würde unsere Antwort ausfallen auf den vielen Wegen unseres Lebens? Wir wünschen und hoffen, wir arbeiten auf ein Ziel hin und verwerfen es wieder; wir treffen auf mancherlei verschlossene Türen. Sie lassen sich partout nicht öffnen – und wir zweifeln an uns, am Leben, es ist oft zum „Ver“-Zweifeln. Weiterlesen

Gott wohnt unter uns

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und ihr sollt mein Volk sein. (Hesekiel 37,27)

Dieser Spruch stammt aus einer sehr seltsamen, fast schon gruseligen Situation. Gott stellt Hesekiel, der zu dieser Zeit in der Verbannung in Babylon lebte, in einer Vision mitten auf ein großes Feld voller Skelette und Knochen. Wo er hinschaut, sieht er überall nur Totengebeine. Keine Ahnung, wie es ihm dabei zumute war. Angenehm empfand er es bestimmt nicht. Das sah wahrscheinlich wie auf einem Schlachtfeld aus.

Diese Totengebeine standen für das Volk Israel. Nach der Zerstörung des Nordreiches und der Verbannung des Südreiches waren zehn der zwölf Stämme so gut wie komplett ausgelöscht und die letzten beiden Stämme in Gefangenschaft im babylonischen Großreich. Es war eine absolute Katastrophe für Israel. Jegliche Hoffnung war zerstört. Weiterlesen

Gott ist ein Verschwender

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. (Matthäus 6, 26)

Ja, Sie haben die Überschrift richtig gelesen: Gott ist ein Verschwender. Mit vollen Händen teilt er aus. Schwindel erregend großzügig. Jesus sagt im Zusammenhang mit dem guten Hirten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge“ (Johannes 10,10).

Da steht er in einer Linie mit dem guten Hirten aus Psalm 23, „und schenkst mir voll ein“. Da kann ich gut sein. Auch der alte Weinbauer fällt mir ein, der andächtig eine pralle dunkle Traube in der Hand wiegt. Seine Augen strahlen. So lässt sich freilich wunderbar Erntedank feiern. Frucht in Hülle und Fülle! Weiterlesen

Gemeinsam auf dem Weg

Das Reformationsgedenk- und jubiläumsjahr kommt so langsam auf die Zielgerade. Seit dem Reformationsfest im vergangenen Jahr gab es unzählige Veranstaltungen zum Thema Reformation. Auch in unserer Gemeinde gab es Gottesdienste, Diskussionen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Mich persönlich hat am meisten der Gottesdienst mit dem Bischof der Altkatholiken in Deutschland, Dr. Matthias Ring, beeindruckt. Ich stand mit einem katholischen Bischof am Altar unserer Gnadenkirche, und wir haben gemeinsam Abendmahl gefeiert. Weiterlesen

Kaleidoskop des Glaubens

Leo Tolstoi erzählt eine alte russische Sage, „Die drei Greise“: Ein Bischof fährt mit einem Schiff über das Meer. Er hört von einer Insel, auf der drei fromme Greise wohnen, die dort ihr Seelenheil suchen. Er fragt den Kapitän, ob man einen Zwischenhalt einlegen könne, damit er die drei Alten besuchen kann. So nehmen sie Kurs auf die Insel, setzen Anker und ein Boot bringt den Bischof zur Insel.

Die Greise kommen und verneigen sich vor ihm. Er segnet sie und sagt. „Ich habe gehört, dass ihr, Greise Gottes, hier euer Seelenheil sucht … ich bin aber ein unwürdiger Knecht Gottes, durch seine Gnade berufen, seine Herde zu weiden; so wollte ich auch euch … sehen und euch, wenn ich kann, Belehrung erteilen. … Sagt mir, wie ihr euer Seelenheil sucht und Gott dient.“ Weiterlesen

Vom Wachsen und Werden

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das einer nahm und auf seinen Acker säte. Es ist zwar das kleinste unter allen Samenkörnern, aber sobald es hochgewachsen ist, ist es größer als alle anderen Gewächse und wird ein Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. (Matthäus 13, 31-32)

Die Sommerferien sind vorbei – und ich vermute, dass viele von Ihnen den „großen Sommerurlaub“ gerade hinter sich haben und dabei sind, sich wieder in den Arbeitsalltag einzufügen. Viele Leserinnen und Leser haben ihren Urlaub – zumindest einen Teil davon – sicher nicht hier in Essen verbracht, sondern in einer Umgebung, die mehr von der Natur als von der Stadt geprägt ist. Und so haben vielleicht auch Sie noch Bilder im Kopf von schönen Landschaften: vom Meer vielleicht oder von Bergen und Hügeln, von grüner Weite, von Wald und Feld, von Seen, von Bäumen… von so vielem, mit dem die Natur, mit dem Gottes Schöpfung uns beschenkt. Weiterlesen

Über das Verschwinden der Barmherzigkeit

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36)

Vor einiger Zeit ist ein sogenanntes „Lexikon der bedrohten Wörter“ erschienen. Denn es gibt nicht nur bedrohte Pflanzen und Tiere, sondern auch Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Wörter wie „Kleinod“ oder „hold“. Beide hören Sie im Alltag nicht mehr. Ebenso wenig wie das Wort „barmherzig“.

Wenn Konfirmanden beim Vorlesen aus der Bibel auf dieses Wort stoßen, dann stocken sie und betonen es mit ziemlicher Sicherheit auf der ersten Silbe. Sie sagen: „barm-herzig“. Daran merke ich, dass sie das Wort noch nie gelesen oder gehört, geschweige denn selbst gebraucht haben.

Mich beunruhigt das. Denn man sagt nicht zu Unrecht: Wenn ein Wort verschwunden ist, dann ist auch die Sache selbst verschwunden. Weiterlesen

Ein Gehorsam, der Mut und Freiheit bringt

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5,29)

Ein kritisches Programm des Christseins ist kaum kürzer zu fassen. Die Schlagworte eines Slogans könnten nicht besser gewählt werden. Der Satz klingt nicht nach einem Gebot, vielleicht mehr nach einem Befehl, jedoch ohne Zwang und ohne Bedrohung; ich würde sagen, wir hören ihn als eine Herausforderung.

Aber ist er das? Aber für wen? Und wie? Und was heißt das denn schon: „gehorchen“? Wird der Gehorchende, also der Gehorsame, nicht augenblicklich unfrei? Gehorsamkeit ist ein heute nur noch selten gebrauchtes, archaisch anmutendes Wort wie aus einer längst überkommenen Welt; es klingt nach Unterwürfigkeit und Obrigkeit, nach Missachtung und Strafandrohung. Aber die Antwort steckt schon im Wort selbst. Vor dem Gehorsam steht das Gehör: Das Hören der Worte desjenigen, dem wir angehören. Weiterlesen

Gott bezeugen

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. (Apostelgeschichte 26,22)

Er bezeichnet sich als Zeuge und ist doch der Angeklagte: Paulus steht vor König Agrippa. Er wird des Aufruhrs gegen die römische Herrschaft bezichtigt und verteidigt sich, erklärt, wie er vom Saulus und Christenverfolger zum Paulus wurde, der als Apostel durch die Lande zieht, in fremden Gegenden und ausländischen Städten besondere Plätze aufsucht, um den Menschen von Jesus Christus zu predigen. Weiterlesen

Gottes Liebe reich erfahren

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. (Philipper 1,9)

Eure Liebe möge mehr und mehr wachsen an Erkenntnis und Erfahrung: Das wünscht der Apostel Paulus in nicht gerade rosiger Lage der Gemeinde in Philippi. Diese erste Gemeinde auf europäischem Boden, die Paulus gegründet hat, lag ihm besonders am Herzen. Denn obwohl der Apostel gerade im Gefängnis sitzt, bittet er in seinen Schwierigkeiten nicht für sich, sondern für das Zunehmen göttlicher Liebe in der Philipper-Gemeinde.

Wenn ich mir unsere Welt heutzutage anschaue, denke ich, dass wir diesen Wunsch des aktuellen Monatsspruchs ebenfalls ganz dringend brauchen. Terror, Gewalt, Hass und Krieg scheinen immer mehr zuzunehmen, die Welt zu beherrschen – und gleichzeitig die Liebe und Fürsorge füreinander abzunehmen. Weiterlesen