Meine Ostergeschichte: Wie Gott mir das Ausreichend schenkte

Die Note in der Klassenarbeit war nur eine Zwei. Es war ein Flüchtigkeitsfehler, der eine Fehler zu viel – schlimmer als Dummheit sei das, sagte sie. Selbst schuld bin ich. Ich hätte mich nur mehr anstrengen müssen. Damals schlug sie noch zu.

Du hättest vorher besser überlegen sollen… das hätte man sich doch denken können… das hast du jetzt davon. Auf die Party war ich gegangen, statt für die Klausur zu lernen. Es war dieses Mal nicht mal mehr eine Zwei geworden. Meine Mutter steht vor mir – Wut und Hass nur mühsam unterdrückt. Ich habe sie enttäuscht. Sie sprach tagelang nicht mit mir. Musste ihr Valium nehmen.

Ich will doch gefallen. Ich will doch hineinpassen. Ich will doch Erfolg! Weiterlesen

Stärkt die müden Hände!

…ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

Das Jahr war schnell, jedenfalls für mich – und nun fühlte sich die Adventszeit auch noch nicht so an wie sonst, was nicht nur am Wetter lag, aber vielleicht auch. Denn auch das macht mir deutlich, dass wir in schwierigen Zeiten leben. Als ich neulich bei einem Patienten war, der mich angerufen hatte. Oh – nicht was Sie jetzt denken, er wollte mich gar nicht sprechen, er war auf der Suche nach jemanden, der ihm eine Telefonkarte besorgen konnte, was ich getan habe, weil die Grünen Damen und Herren geradedurch waren und er sonst lange hätte warten müssen. Wir kamen dann aber ins Gespräch. Über den Beruf seines Sohnes landeten wir in der Autobranche; nein – mit all den Betrügereien hat er nichts zu tun, er forscht in einer anderen Sparte. Aber wir zwei machten uns Gedanken über die Welt und vor allem über unsere Umwelt.

Der Patient war schon älter und gab seiner Verwunderung Ausdruck, dass diese lange Periode der Trockenheit, die wir hier in Deutschland gerade erlebt hatten, anscheinend niemandem außer ihm zu denken gäbe. Er konnte nicht begreifen, dass nicht ein lauter Aufschrei durch unser Land geht – und nicht nur da. Er schaute mich an und meinte: Das Schlimmste ist, dass wir es gar nicht mehr aufhalten können. Es ist schon zu viel passiert, selbst wenn wir jetzt alle… Und dann schaute er mich an: Sie stehen doch in der Öffentlichkeit, können Sie nicht darüber sprechen? Weiterlesen

Siehe, es kommt die Zeit

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. (Jeremia 23,6)

Mit dem Advent beginnt auch ein Aufatmen. Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns – hinter uns liegen Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Wir haben unserer Schuld gedacht und die Verstorbenen Gott anbefohlen. Wir haben uns das eigene Sterben bewusst gemacht. Jetzt können wir aufatmen. Auch beim Singen. Die Melodien werden beschwingter, sogar tänzerischer. Selbst die biblischen Texte atmen durch und schauen in die Ferne. Siehe, sagt der Prophet Jeremia, es kommt die Zeit…

Jeremia führt uns in eine Zeit vor zweitausendsechshundert Jahren, weit zurück in das Alte Testament. Das Königreich Juda befindet sich kurz vor seinem Untergang. Und der Prophet meldet sich zu Wort. Weiterlesen

Gott schreibt mit uns Geschichte

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. (Matthäus 28,20)

110 Jahre – das ist ganz schön alt. Leicht melden sich da Gedanken wie: verstaubt, marode, veraltet, überholt, für die heutige Zeit unbrauchbar. Stimmt das für unsere Schonnebecker Immanuelkirche? Sie ist hell und sauber, klar und einladend und viele Menschen finden sie – auch heute noch – schön.

Und doch ist sie 110 Jahre alt. Es ist niemand mehr unter uns, der den gesamten Zeitraum überblickt, aber es ist deutlich, dass sich manches verändert hat, sowohl am Bau unserer Kirche wie auch im Gemeindeleben. Und das ist normal und gut so, denn Menschen, Zeiten und Gesellschaften entwickeln und verändern sich. Und wenn Kirche bei den Menschen bleiben will, muss sie sich auch verändern. Weiterlesen

Ankommen | Unterwegs #3

Ich bin gerne unterwegs, draußen, in der freien Natur, genieße die Sonne, den Wind, manchmal auch den Regen (welch kostbares Lebensmittel kommt da vom Himmel, frisch gereinigt und völlig kostenlos!). Wenn ich müde bin, freue ich mich darauf, anzukommen, sei es zu Hause oder wohin ich gerade unterwegs bin.

Schon seit vielen Jahren bin ich mir hin und wieder dessen bewusst, dass ich auf meinem Lebensweg unterwegs bin. Ich freue mich, dass jetzt schon 70 Jahre hinter mir liegen. Wenn ich an all das Gute denke, dass Gott mir in dieser Zeit geschenkt hat, bin ich erfüllt von Dankbarkeit. Weiterlesen

Unterwegs im Leben! | Unterwegs #2

Noch vor der Geburt sind wir bereits unterwegs! Die Mutter sagt: „Bei mir ist etwas unterwegs“, wenn sie ausdrücken will, dass sie ein Kind erwartet. Und nach der Geburt geht es dann richtig los… bald ist das Kind unterwegs zur KiTa, in die Schule, zum Ballettunterricht, in den Fußballverein… Später sind wir unterwegs zum Arbeitsplatz, zum Einkauf, zum Urlaubsort und neuerdings sind wir auch sehr oft im Internet unterwegs.

Der Vielbeschäftigte ist dauernd unterwegs – häufig mit dem Handy am Ohr. Er hat wenig Zeit für Ruhe und Muße. Bisweilen ist man im Auto oder auf dem Motorrad mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Wenn unerwartet der Blitzer zuschlägt… ja, dann flucht man, drosselt das Tempo und ist vielleicht kurzfristig etwas langsamer unterwegs. Am Lebensende sind wir alleine unterwegs. Das Tempo bestimmen wir dann nicht mehr! Weiterlesen

Ein Korn, eine Ähre, ein ganzes Feld

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein: wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)

Aus einem Weizenkorn wächst ein Halm mit zwei bis drei Ähren. Die ergeben zusammen ca. 120 Körner: Aus eins wird 120. Und wenn ich die 120 aussähe, ergeben sie schon 14.400. Und wenn wir das weiter fortsetzten, erhalten wir irgendwann ein ganzes Weizenfeld.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, sagt Jesus, bleibt es allein. Ein einzelnes Korn, gut gelagert, verdirbt nicht. Es bleibt so wie es ist, schön und unversehrt. Und das über Jahre, Jahrzehnte. Archäologen haben sogar Körner entdeckt, die nach Jahrhunderten noch keimfähig waren.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Es kann das, was in ihm steckt, seine innewohnende Kraft, nicht entfalten, und sich somit auch nicht einbringen und anderen zur Verfügung stellen. Es bleibt allein. Nur wenn es stirbt, so Jesus, bringt es Frucht, sogar viel Frucht. Weiterlesen

Ich bin der ich bin

Die „Mädchen“ meiner Altersklasse können sich bestimmt noch an diese Anziehpüppchen aus Pappe erinnern. Große Bögen mit verschiedenen Kleidungsstücken, die man sorgfältigst ausschneiden musste, wenn denn alles passen sollte. Die Püppchen sittsam in Unterwäsche vorgedruckt. Mit Hilfe kleiner Knicklaschen konnten wir dann unsere Puppenkinder so gestalten, wie es uns gefiel. Prachtkinder zum Selberbasteln. Manche Mutter, mancher Vater könnte sich mit dem Gedanken an Kinder, die immer so sind, wie man sie haben möchte, vielleicht anfreunden. Ist aber leider nicht, und das ist auch sicher besser so.

Allerdings – machen wir das bei unserer Vorstellung von Gott nicht manchmal ganz genauso? Biegen wir uns unsere Vorstellung von Gott so, wie es gerade am besten passt? Weiterlesen