Lasst uns Weihnachten im Herzen tragen

Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hesekiel 37,27)

Der Heilige Abend ist ein ganz besonderer Tag, das spüren auch die, die besonders lebhaft beteuern, dass er ein Tag wie jeder andere sei. Ist er nicht. Der 24. Dezember ist etwas Besonderes, das weiß ich seit ich auf der Welt bin, naja, vielleicht erst ein, zwei oder drei Jahre später. In einem Pfarrhaushalt groß geworden, war dieser Tag einer der schönsten und arbeitsreichsten.

Zu Hause war dann immer viel zu tun. Das Weihnachtszimmer war schon mit einem Betttuch verhangen, selbst durchs Schlüsselloch konnte man nicht mehr spinksen, aber überall drumherum war noch viel zu tun. Weiterlesen

O du fröhliche

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit! (Strophe 1: Johannes Daniel Falk 1816; Strophe 2 und 3: Heinrich Holzschuher 1829; Evangelisches Gesangbuch Nr. 44)

Viele freuen sich schon auf die kommenden Wochen. Endlich wieder Zeit, um die schönen Advents- und Weihnachtslieder zu singen. Zuhause, in der Kita,  im Chor, im Gottesdienst… Andere stöhnen bereits jetzt: „Alle Jahre wieder“ dieselben Lieder, diese Dauerberieselung auf den Weihnachtsmärkten; ich kann es nicht mehr hören. Eins dieser Lieder hat einen besonderen Stand. Es ist aus den meisten Weihnachtsgottesdiensten nicht mehr wegzudenken. Landauf, landab wird es jedes Jahr gesungen: „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!“ Weiterlesen

Bereitet dem Herrn den Weg

Bereitet dem Herrn den Weg… Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden… (Jesaja 40,3-5)

Ein Kirchenjubiläum wie dieses ist immer ein guter Grund, dankbar zurückzublicken, heute zu feiern und mit Hoffnung und Glaube den Blick in die Zukunft zu wagen.

Dankbar zurückblicken: Am 3. Advent 1894 wurde die Gnadenkirche eingeweiht, 35 Jahre später – am 3. Advent 1929 – ihr Turm und die erweiterte Kirche. Seit 125 Jahre haben Christinnen und Christen hier Gottesdienste gefeiert, gesungen und das Abendmahl geteilt. Immer standen die Worte der biblischen Schrift im Mittelpunkt. Denn sie sind für uns Protestanten entscheidend. Auch heute, wenn wir ein Kirchenjubiläum wie dieses feiern – entscheidend ist für uns herauszuhören, wie Gott uns heute durch das biblische Wort anspricht – egal wo, an welchem Ort. Weiterlesen

Aus der Dunkelheit zum Licht

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. (Jesaja 50,10)

Sie kommen abends nach Hause. Die Sonne ist jetzt im Winter längst untergegangen. Sie schließen die Tür auf, tasten nach dem Lichtschalter. Das Licht geht an und peng brennt die Birne durch. Sie stehen im Dunkeln. Die Hand ist vor Augen nicht zu sehen, Sie tappen durch die Finsternis, stoßen sich an einem Stuhl. „Das gibt einen blauen Fleck!“ denken Sie noch.

Sie tasten sich weiter, fegen dabei die Kaffeetasse vom Tisch, die Sie am Morgen in all der Eile nicht wegräumen konnten. „Jetzt bloß nicht in die Scherben treten!“ schießt es durch Ihren Kopf. Und als Sie endlich die Wand mit dem nächsten Lichtschalter erreicht haben, tastend nach ihm suchen, da hören Sie zu allem Überfluss, wie der Bilderrahmen von der Wand zu Boden geht. „Bestimmt der, den die Kinder mir – schön verziert – vor zwanzig Jahren geschenkt haben!“ Sie haben Recht!

Menschen, die das Gefühl haben im Dunkeln zu sein, nicht sehen zu können und nicht gesehen zu werden, hadern mit ihrem Schicksal. Das ging Menschen damals vor Jesus Geburt so und ist heute nicht anders. Weiterlesen

Orte voller Leben, Erinnerungen und Ruhe

Moos, der ganze Boden bedeckt. Ein grüner weicher Teppich. Meine Schritte federn. Ich wende meinen Blick vom Grün ins Blau, vom Boden in den Himmel. Weiße Wölkchen ziehen über den hellblauen Himmel. Die Vögel zwitschern, die Eichhörnchen huschen durch diese halb künstliche, halb wilde Natur. Es summt bei den Blüten und raschelt im alten Laub. Die uralte Buche trägt stolz ihre hellgrüne Krone. Unter meinen Sohlen knirschen die Bucheckern vom letzten Herbst.

Hier ist gut sein. Auf einer Bank in der Sonne oder voller Staunen unter dem riesigen Buchenschirm, wenn die Regentropfen prasseln. Hier ist es ruhig, aber gleichzeitig voller Leben von Tieren und Pflanzen. Hier ist ein Platz, den ich mag. Hier liegen die Toten. Weiterlesen

Erlöser, Befreier, Lebens-Stifter

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

Der November ist für viele Menschen kein guter Monat. Manche haben regelrecht Angst vor diesen Wochen: Es wird kalt, dunkel und nass; und spätestens mit dem Volkstrauertag und dem gemeinsamen Gedenken an unsere Verstorbenen am Ewigkeitssonntag legen sich Schatten auf die Seelen. Genau in diese Stimmung hinein spricht der Monatsspruch für den November: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25). Weiterlesen

Der Mensch denkt und Gott lenkt

„Naaa… was möchtest du denn mal werden?“ fragt die ältere Dame und tätschelt dem kleinen Jungen die Wange. „Lokomotivführer!“ strahlt er. So war das damals zu Zeiten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Anno 1960.

Ja, damals musste man sich bei der Berufswahl auch oft noch nach den Wünschen der Eltern richten. Heute ist der Traumberuf des Lokomotivführers mit einer viel umfangreicheren Ausbildung verbunden. Heute – im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung – ist die Welt viel kleiner geworden und die Auswahl der Berufe viel größer und komplexer. Weiterlesen

Mit Gelassenheit und Gottvertrauen

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal geschrieben: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Und er hat damit einen wunden Punkt angesprochen. Man sieht und merkt uns Christinnen und Christen, das Glück Gottes Kinder zu sein, oft nicht an. Eher befremdet es uns, wenn Menschen glückselig lächelnd von ihrem Glaubensglück erzählen und wir werden vorsichtig, ob da nicht einer bei einer Sekte gelandet ist.

Das ist vermutlich aber auch nicht, wonach Nietzsche gefragt hat. Es ging ihm wahrscheinlich um eine im Glauben gründende Gelassenheit – einen wahrnehmbaren Unterschied zur Getriebenheit des Menschen. Loslassen können ist eine Lebenskunst, die Jesus den Menschen nahegelegt hat: Sorgt euch nicht um die Zukunft, vertraut auf Gott. Weiterlesen

Unsere endgültige Heimat ist bei Gott

So mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gebe… Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt. (Josua 1,2-3.5-6a)

Das Thema „Heimat“ hat zurzeit Hochkonjunktur. Es ist so wichtig, dass es inzwischen sogar ein Heimatministerium gibt. Aber was macht Heimat eigentlich aus? Die Landschaft, in der ich geboren und aufgewachsen bin, die vertrauten Straßenzüge des Stadtteils, in dem ich wohne, die Menschen, die mir wohlgesonnen sind und mit denen ich mein Leben teile? Weiterlesen

Unterwegs im Leben! | Unterwegs #2

Noch vor der Geburt sind wir bereits unterwegs! Die Mutter sagt: „Bei mir ist etwas unterwegs“, wenn sie ausdrücken will, dass sie ein Kind erwartet. Und nach der Geburt geht es dann richtig los… bald ist das Kind unterwegs zur KiTa, in die Schule, zum Ballettunterricht, in den Fußballverein… Später sind wir unterwegs zum Arbeitsplatz, zum Einkauf, zum Urlaubsort und neuerdings sind wir auch sehr oft im Internet unterwegs.

Der Vielbeschäftigte ist dauernd unterwegs – häufig mit dem Handy am Ohr. Er hat wenig Zeit für Ruhe und Muße. Bisweilen ist man im Auto oder auf dem Motorrad mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Wenn unerwartet der Blitzer zuschlägt… ja, dann flucht man, drosselt das Tempo und ist vielleicht kurzfristig etwas langsamer unterwegs. Am Lebensende sind wir alleine unterwegs. Das Tempo bestimmen wir dann nicht mehr! Weiterlesen