Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes

Am 8. Mai 1945 endete der zweite große Krieg. Deutschland war besiegt. Eine Niederlage, die sich als Befreiung von einem verbrecherischen System erwies. Unsere Kirche hat dies sehr früh im Stuttgarter Schuldbekenntnis aufgenommen: „…aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

Persönlich habe ich über die Erfahrungen meines Schwiegervaters an dieser Zeit Anteil genommen. Er zog mit 17 Jahren in den Krieg und kehrte mit 27 Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Natürlich geprägt von der Idee, den Krieg verloren zu haben. Aber im Laufe der Jahre hat er die Niederlage als Befreiung verstanden. Mich hat beeindruckt, wie sehr er darauf aus war, auf seinen Auslandsreisen die Spuren der Vergangenheit zu suchen – und sich zu versöhnen. Weiterlesen →

Jubilate – Jubelt!

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. (Psalm 118,24)

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Jubilate“ – „Jubelt!“. Zu jubeln ist aber gerade das Letzte, wonach uns ist. Immer noch können wir unsere Lieben nicht treffen. In die Arme nehmen. Das Virus ist nicht besiegt. Und es fällt uns immer schwerer uns an Auflagen zu halten. Jeden Tag hören wir viel über Corona. Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten Vieles, dass uns Sorgen bereitet. Überall auf der Welt. Das ist schwer und wir wünschen uns wieder normale Tage. Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich Ihnen heute nichts von dem Schlechten erzählen will. Sondern Ihnen zeige, wie schön unser Leben auch jetzt ist. Weiterlesen →

Ein ganz besonderer Weg

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich. (Johannes 14,6)

Nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums wendet sich Jesus unmittelbar vor seiner Passion in einer Abschiedsrede an seine Jünger. Er kündigt seinen Abschied an mit den Worten: „Wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.“ Der Jünger Thomas antwortet fragend: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Darauf dann die Antwort Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Thomas stellt hier Jesus die Grundsatz-Frage nach der Orientierung des Lebens. „Wohin gehst du? Wohin sollen wir gehen, Jesus?“ Und Jesu Antwort ist von ebenso grundsätzlicher Bedeutung. Sie ist keine Ortsangabe für das eigene Lebensziel. Jesu Antwort meint vielmehr: „Verlasst euch in allen Wohin-Fragen des Lebens auf mich. Ich selbst bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Ich selbst bin die Antwort auf die Wohin-Fragen eures Lebens.“ Weiterlesen →

Alles Gnade

Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. (Römer 5,2)

Manchmal, am Ende eines Tages, wenn ich in Gedanken noch einmal alles durchgegangen bin, was der Tag so gebracht hat – die Arbeit und die Begegnungen, das, was noch auf dem Zettel ist und auf den morgigen Tag verschoben wird, das, was mich geärgert hat oder mir schwer auf dem Herzen liegt, wenn ich also alles das habe Revue passieren lassen, ehe ich die Augen für die Nacht schließen möchte, um zu neuer Kraft zu kommen, scheint mein Mann das zu spüren. Weiterlesen →

Einer geht mit

Ich war ängstlich und rief zu dem Herrn. Und er antwortete mir. (Jona 2,3)

Ängstlich sind viele von uns in dieser Zeit. Nun leben wir schon seit einigen Wochen mit der Pandemie, mit diesem neuen Leben, das sich niemand von uns je hätte vorstellen können. Wir haben ein Osterfest erlebt, das so anders war, Ferien, die sich nicht danach anfühlten. Und jetzt hätten sich viele sicher sogar gewünscht, dass die Schule wieder ganz normal hätte beginnen sollen, wenn unser Leben wieder normal sein könnte. Alle, die Abschlussprüfungen vor sich haben, sind verunsichert und die Lehrkräfte und Familien sind es natürlich auch.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, für mich war Ostern irgendwie so ein Datum, auf das vieles hinlief. Und als ich die Glocken aller Essener Kirchen am Ostersonntagmorgen läuten hörte und dazu in den strahlend blauen Himmel schaute, wurde mir ganz warm ums Herz. Und ich dachte, jetzt wird diese bedrückende Zeit bald ein Ende haben. Weiterlesen →

Gott lächelt uns an

Der HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat. (5. Mose 30,9) | Tageslosung für den 25. April 2020

Mein einziges Problem mit den Mund-Nase-Schutzmasken, die nicht nur mich, sondern vor allem auch meine Mitmenschen zumindest ein wenig mehr schützen können, ist: Ich sehe die Menschen nicht mehr lächeln – und ich kann niemanden mehr anlächeln. Dabei täte gerade doch gerade jedes Lächeln in diesen Tagen so gut. Also habe ich neulich an der Kasse unter meiner (selbstgenähten) Maske hervor zu der gestressten Kassiererin gesagt: „Ich lächle Sie gerade an, Sie können es nur nicht sehen.“ Weiterlesen →

Welch ein Trost!

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Manchmal ist das so, manchmal ist man trostbedürftig, so richtig, mit allem, was dazugehört: sich anlehnen oder ankuscheln, nicht viel reden, festgehalten werden, Nähe spüren und vor allen Dingen: nicht in Frage gestellt werden – einfach sein zu dürfen und alles an Zuwendung zu bekommen, was geht: von Schokolade angefangen über Streicheleinheiten bis hin zu: keine Ahnung. Manchmal ist das so. manchmal will man die Welt nicht mehr sehen, braucht man Trost um durchzuhalten.

Anlässe gibt es viele. Trauer über Verluste, Liebeskummer, Scheitern, enttäuschte Hoffnungen, leere Versprechungen, schmerzhafte Diagnosen… Als Kind scheint es mir fast einfacher zu sein, an Trost zu kommen, vielleicht liegt es daran, dass Kinder viel schützenswerter, viel zerbrechlicher wirken als Erwachsene. Weiterlesen →

Wirf deine Angst in die Luft!

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

Wir leben in unsicheren Zeiten. Jede und jeder spürt, wenn die nächste Meldung zur Entwicklung der Corona-Epidemie an uns herantritt: Unsicherheit, Angst und Panik machen sich bei vielen Menschen breit. Leergefegte Regale in den Supermärkten, abgesagte Messen, Großveranstaltungen und stillgelegte Kreuzfahrtschiffe sind ein Zeugnis dafür. Was passiert da gerade mit uns? Eine Viruskrankheit, die in China ausgebrochen ist, hat die übrige Welt erreicht. Es gibt bislang kein Medikament dagegen, nur Maßnahmen der Quarantäne. Weiterlesen →

Wie lange dauert Ostern?

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. (Johannes 21,12)

Vor einer Woche haben wir Ostern gefeiert. Doch was aber bleibt von Ostern in unserem Alltag? Wie lange dauert Ostern? Wahrscheinlich hat uns der Alltag auch über Ostern gar nicht losgelassen in dieser Zeit der Corona-Pandemie, mit den Sorgen, Nöten und Ängsten und eben auch den Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben? Ja, wo ist denn Ostern in der Welt?

Die Auferstehung hat ein kurzes Echo im Tal der Not, der Niederlagen, der Verzweiflung und des Todes, ein Echo, das uns glauben lässt, dass die Welt am Karfreitag einfach stehen geblieben ist. Ist Ostern eine Erfahrung, die sich überhaupt in unserem Leben niederschlagen kann? Weiterlesen →

Mit ihm sind wir auferstanden

Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht… (Kolosser 2,12-13)

Der erste Sonntag nach Ostern heißt Quasimodogeniti, das heißt übersetzt: wie die neugeborenen Kinder. Wie neugeborene Kinder, so sollen wir in diese Zeit nach Ostern gehen. So sollen wir die frohe Botschaft in uns aufnehmen und verbreiten. Die kommenden Wochen sollen eine Festzeit sein, in der wir die Befreiung der Auferstehung in uns spüren und auf uns wirken lassen sollen.

Schwierig in der Corona-Zeit. In einer Zeit, in der wir Angst haben vor einer noch unerklärlichen, sehr ansteckenden Krankheit. Schwierig in einer Zeit, in der wir nicht nahe beieinander lachen und weinen können; in einer Zeit, in der wir Menschen, die wir lieben, nicht umarmen können und alleine trauern um Menschen, die wir vermissen. Weiterlesen →