Orte voller Leben, Erinnerungen und Ruhe

Moos, der ganze Boden bedeckt. Ein grüner weicher Teppich. Meine Schritte federn. Ich wende meinen Blick vom Grün ins Blau, vom Boden in den Himmel. Weiße Wölkchen ziehen über den hellblauen Himmel. Die Vögel zwitschern, die Eichhörnchen huschen durch diese halb künstliche, halb wilde Natur. Es summt bei den Blüten und raschelt im alten Laub. Die uralte Buche trägt stolz ihre hellgrüne Krone. Unter meinen Sohlen knirschen die Bucheckern vom letzten Herbst.

Hier ist gut sein. Auf einer Bank in der Sonne oder voller Staunen unter dem riesigen Buchenschirm, wenn die Regentropfen prasseln. Hier ist es ruhig, aber gleichzeitig voller Leben von Tieren und Pflanzen. Hier ist ein Platz, den ich mag. Hier liegen die Toten. Weiterlesen

Von der Sehnsucht, in Frieden zu leben

Suche den Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)

Das neue Jahr 2019 hat begonnen und jede und jeder fragt sich: Was werden wir in diesem Jahr erleben, und wo werden wir am Ende des Jahres stehen? Für die Reise durchs neue Jahr bekommen wir eine Jahreslosung an die Hand. Die Jahreslosungen verdanken sich dem württembergischen Pfarrer und Liederdichter Otto Riethmüller, in Bad Cannstatt geboren. Otto Riethmüller begrüßte ursprünglich mit vielen anderen die nationalsozialistische Bewegung. Aber als er erkannte, wes Geistes Kind diese Menschen waren, wollte er den Parolen der Nationalsozialisten ein Bibelwort entgegenstellen. So rief er die Tradition der Jahreslosungen ins Leben. 1930 erschien die Erste. Sie lautete: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht.“

Die Tradition hat sich erhalten. Für dieses Jahr 2019 lautet die Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Jede und jeder von uns trägt in sich die tiefe Sehnsucht und Hoffnung, ihr und sein Leben in Frieden leben zu können. Das bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Dazu gehören auch wirtschaftliche Stabilität, tragende mitmenschliche Beziehungen, sinnerfüllende Tätigkeiten, Anerkennung. Diese und weitere Faktoren tragen zu einem inneren Frieden bei, den man auch als innere Ruhe oder satte Zufriedenheit bezeichnen könnte. Doch jede und jeder von uns weiß, wie zerbrechlich und flüchtig Frieden in unserem Leben ist. Weiterlesen

Vom Sehnen und vom Seufzen

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. (Psalm 38, 10)

Anfang Oktober feiern wir Erntedank. Ein schönes Fest, an dem wir Gott für die Erntegaben danken. Oft erinnern wir uns dann auch daran, dass wir Gott doch so viel mehr zu verdanken haben, als wir uns meist bewusst machen. Vieles nehmen wir für selbstverständlich, was uns an Gutem tagtäglich widerfährt. Auch Tischgebete, in denen wir Gott danken könnten, sind ziemlich aus der Mode gekommen. Wohl auch deshalb, weil wir uns kaum noch die Zeit nehmen, in Ruhe oder in Gemeinschaft zu essen.

Vor kurzem hörte ich einige Äußerungen junger Menschen, die in einem Interview auf der Straße zum Thema „Beten“ befragt wurden. Viele gaben an, dass ihnen Beten helfe, vor allem bei Problemen und in schwierigen Situationen. Eine der befragten Jugendlichen gab zu, dass sie manchmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn sie nur in Momenten bete, wenn es ihr schlecht gehe. Weiterlesen

Frei-Räume

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. (Psalm 31,9)

Der Sommer ist Festivalzeit. Ein Festival liegt schon länger zurück und dennoch beschäftigt es mich innerlich immer noch: Am letzten April-Wochenende hat das 3. KURZStummFilmFestival auf Zeche Carl stattgefunden. Das Festival ist aus der Arbeit mit gehörlosen bzw. hörgeschädigten Jugendlichen entstanden.

Die Stadt Essen ist nämlich eines der größten Bildungszentren für Hören und Kommunikation im gesamten Bundesgebiet. Obwohl das vielen nicht bewusst ist, gibt es hier bei uns in Essen ein herausragendes Angebot in der Aus- und Weiterbildung gehörloser und schwerhöriger Schülerinnen und Schüler. Im Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg für Hörgeschädigte in Frohnhausen streben etwa 900 Jugendliche und junge Erwachsene ihren Schul- oder Ausbildungsabschluss an. Mehr als ein Drittel dieser Schülerinnen und Schüler leben während dieser Zeit in den beiden Internaten des Diakoniewerks Essen für hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler, in der Curtiusstraße oder im Internatsbereich des Fritz-von-Waldthausen-Zentrums. Weiterlesen

Ich denk‘ an dich!

Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? (Psalm 8,5)

Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür. Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit. Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige? Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das: Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss. Es fühlt sich allein und verlassen. Weiterlesen

Diakonie. Gott sei Dank!

1. „Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.“ So beginnt der 146. Psalm, den ich als Predigttext für die Vesper um Vier am 8. Juli – zum Abschluss des Marktkirchenfestes der Diakonie in Essen – ausgewählt habe. Passt das für einen Tag wie diesen, an dem Kirchenmusik und Diakonie zusammenkommen?

Und wie das passt! Das Staunen über das Wunder des Lebens, die Freude über das Leben, das Lob Gottes steht doch am Anfang von allem. Wir antworten darauf mit unserer Musik. Aber noch mehr: Wir antworten darauf mit unserem ganzen Leben. Weiterlesen

Anleitung zum Beten

Menschen, die etwas mit Gott erlebt haben, sagen oft: „Gott hat mein Gebet erhört.“ Sie reden zu Gott und Gott gibt eine Antwort, indem das Gebetsanliegen eingetroffen ist. Das ist doch wunderbar! Doch viele sind verunsichert, wenn sie hören, dass man mit Gott einfach so reden und ihm alles sagen kann, was einen bewegt. Meine Erfahrung ist: Kindern fällt es leicht, zu Gott zu beten. Verlernen wir es denn beim Erwachsenwerden wieder? Um es wiederzuentdecken, hier ein paar Tipps, wie ein Gebet aussehen kann. Weiterlesen

Ein Psalm des Vertrauens

ER beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht. Schild und Schutz ist dir seine Treue. (Psalm 91,4)

Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht – Hunger, Verfolgung und Gewalt bedrücken sie. Mit Sorge sehen wir, dass die guten Gaben Gottes, Nahrung, Auskommen und Wohnung, Millionen von Menschen verwehrt sind.

Die Bibel ist voll von Geschichten der Flucht und der Migration: Jakob, der aus familiären Gründen flieht; oder Josef und Maria, die nach Jesu Geburt Schutz in Ägypten suchen. Die Geschichten weisen uns darauf hin, dass Flucht – und Migrationserfahrungen immer eine Herausforderung für den Glauben bedeuten.

Auch viele der älteren Menschen hier im Ruhrgebiet haben eine bewegende Fluchtgeschichte hinter sich. Die Vertreibung aus der Heimat, die Gefahren auf dem Fluchtweg und die schweren Anfänge in der neuen Umgebung sind für sie prägend geworden. Weiterlesen

Farbenpracht | Kirche und Farben #2

In dieser Sommerzeit bekennt die Natur Farbe. Wir Menschen und Tiere genießen die Farbenpracht, die der Dichter Paul Gerhardt mit dem unvergesslichen Sommerlied beschrieben hat: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“. Wenn man das Wort „Gaben“ durch das Wort „Farben“ ersetzt, erfreut sich unser Auge an der Farbenpracht des Sommers und letztlich erfreut sich auch unsere Seele. Weiterlesen

Eine lebendige Quelle, die nie versiegt

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist. (Paul Gerhardt, EG 324)

Die Ferienzeit ist da – für viele eine Zeit, um mal auszuspannen, Zeit zu verreisen, Zeit, um neue Kraft zu schöpfen. „Kraft schöpfen“ – in diesen Worten steckt eine alte Erfahrung: Wenn man erschöpft und durstig ist, vielleicht nach einem langen Fußmarsch, da gibt es wohl nichts Köstlicheres als einen tiefen Brunnen, an dem man rastet und aus dem man frisches Wasser schöpfen kann. Den Durst gestillt, die Füße gekühlt, so kommt auch langsam die Kraft zurück und man kann den Weg fortsetzen. Vielleicht stoßen Sie ja in ihrem Urlaub auf einen schönen Brunnen, wenn Sie in den Bergen wandern sind? Weiterlesen