Wir sind nicht allein

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20)

Gut lesbar steht dieses Wort auf dem Kreuz über dem Altar in der Borbecker Matthäuskirche und begleitet uns über die Jahre Tag für Tag. Es ist ein Wort, das uns die Nähe Gottes zuspricht, Geborgenheit schenkt, tröstet und Mut macht. Wir sind nicht allein – auch nicht in den tiefsten Tiefen unseres Lebens.

Dieses Wort auf dem Kreuz in der Matthäuskirche macht gerade in diesen Tagen deutlich, dass Gott uns in Jesus durch sein Leiden und Sterben ganz nahe war und ganz nahe ist. Gott ist ganz und gar Mensch geworden und hat bis in die tiefsten Tiefen hinein unser Leben durchlebt und durchlitten und uns dadurch seine unendliche Liebe gezeigt. Weiterlesen →

Was ist Wahrheit?

Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? (Johannes 18,37-38)

Am frühen Morgen des Karfreitags stellt Pontius Pilatus, der römische Statthalter in Jerusalem, im Gespräch mit Jesus die Frage nach der Wahrheit. Mich erinnert diese Szene sofort an die hinter uns liegende siebenwöchige Fastenzeit. Die Evangelische Kirche hatte sie unter das Motto gestellt: „Mal ehrlich – 7 Wochen ohne Lügen“. Sieben Wochen lang haben lang haben wir gemeinsam ergründet, was die Wahrheit eigentlich ist und wie wir sie erkennen. Jeden Tag mit einem neuen Impuls aus dem Fastenkalender. Kein Wunder also, dass ich an dieser Frage hängenbleibe. Weiterlesen →

Meine Ostergeschichte: Wie Gott mir das Ausreichend schenkte

Die Note in der Klassenarbeit war nur eine Zwei. Es war ein Flüchtigkeitsfehler, der eine Fehler zu viel – schlimmer als Dummheit sei das, sagte sie. Selbst schuld bin ich. Ich hätte mich nur mehr anstrengen müssen. Damals schlug sie noch zu.

Du hättest vorher besser überlegen sollen… das hätte man sich doch denken können… das hast du jetzt davon. Auf die Party war ich gegangen, statt für die Klausur zu lernen. Es war dieses Mal nicht mal mehr eine Zwei geworden. Meine Mutter steht vor mir – Wut und Hass nur mühsam unterdrückt. Ich habe sie enttäuscht. Sie sprach tagelang nicht mit mir. Musste ihr Valium nehmen.

Ich will doch gefallen. Ich will doch hineinpassen. Ich will doch Erfolg! Weiterlesen →

Zweige am Baum des Lebens

Holz auf Jesu Schultern, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten und lass uns auferstehn. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 97, Strophe 1. Text: Jürgen Henkys nach dem niederländischen Met de boom des levens von Willem Bernard)

„Holz auf Jesu Schultern“ gehört zu den Passionsliedern, denen ich viel abgewinne und die ich zudem gerne singe. Wie im bekannteren Lied „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“ (EG 98) wird auch hier schon auf Ostern angespielt, ohne die Bedeutung des Leidens Jesu für uns zurückzudrängen. Karfreitag und Ostern, Tod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. Ohne Ostern fehlt dem Tod Jesu Wesentliches und ohne den Tod Jesu macht Ostern wenig Sinn.

Jesus von Nazareth wurde zu Unrecht hingerichtet. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er die herrschenden Schichten offen und zielgenau kritisierte. Er bohrte in der Wunde des Widerspruchs von Anspruch und Wirklichkeit und überführte so die Intellektuellen und Führenden seines Volkes der Bigotterie und Heuchelei. Es tut weh, überführt zu werden. Und viele Menschen reagieren, wenn sie überführt werden, mit Wut auf den, der ihre Blöße offengelegt hat. Dann fragt man sich: Wie kann er mich nur so das Gesicht verlieren lassen? Weiterlesen →

Eine Botschaft, die befreit und ermutigt

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28,20)

Es gibt keine Taufe in unserer Kirche, in der wir diese Worte nicht hören. Denn dieser Satz, dieses Versprechen ist die Ermutigung für uns, uns auf den Weg zu den Menschen zu machen. Zu allen Menschen, denn „gehet hin in alle Welt!“ Der Grenzenlosigkeit der Verheißung entspricht die Grenzenlosigkeit des Auftrags.

Das sind große Worte. Ich weiß das genau. Es sind herausfordernde Worte, denen wir als einzelne, als Gemeinde, als Kirche weltweit niemals vollständig gerecht werden können. Und doch darf der Anspruch nicht kleiner werden. Denn die Liebe Gottes gilt jedem Menschen. Keiner bleibt hier außer Acht. Deshalb ist es befreiend, dass wir als Christen nicht von uns selber reden müssen oder reden sollen, sondern: „lehret sie halten alles, was ich – Jesus Christus – euch geboten habe! Weiterlesen →

Kleine Kraft mit großer Wirkung

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Zukunft hat. (Hebräer 10,35)

Müde sein, müde werden gehört zu unserem Menschsein. Abends werden wir müde, legen unsere Arbeit aus den Händen und legen uns hin, um im Schlaf wieder Kraft für einen neuen Tag zu sammeln. Müde sein ist normal, ist schöpfungsgemäß, und erschöpft darf ich mich voll Vertrauen in die Hände Gottes legen.

Aber es gibt neben der schöpfungsgemäßen Müdigkeit auch eine tiefe Lebens- und Glaubensmüdigkeit, die zur Folge hat, unser Vertrauen in Gott wegzuwerfen. Oder erst gar nicht damit zu beginnen. Weiterlesen →

Die Kraft der Worte

Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden besuchen wir an einem Dienstag das Elisabeth-Krankenhaus. Es geht darum, „Kirche am Lebensweg der Menschen“ zu entdecken. Das Krankenhaus ist solch ein Ort. Da kreuzen sich unsere Lebenswege mit einem Haus, wo man darauf vorbereitet ist, Menschen aufzunehmen, deren Lebensweg durchkreuzt wurde.

Mancher von uns wird dankbar sein, dass es an bestimmten Augenblicken die Klinik gab mit ihren Ärztinnen und Ärzten, dazu die effektiven Geräte und alle, die zum Pflegebereich gehören. Hin und wieder hören sie dort auch ein „Danke“, wenn sich ein Patient verabschiedet. Und das ist doch das Mindeste, was man seinen Helfern zurückgeben kann. Weiterlesen →

Europa – zweite Heimat

Heribert Prantl, der qualifizierte, bekannte Journalist der Süddeutschen Zeitung, hat mich schon vor vielen Jahren zum Nachdenken über dieses Thema angeregt. Mir ist als Kind einer Vertriebenenfamilie das Thema Heimat gleichsam mit in mein kindliches Lebensalter gelegt worden. Am 3. April 2011 hat Prantl die Weimarer Rede im Deutschen Nationaltheater zum Thema „Warum die Europäische Union für die soziale Gerechtigkeit sorgen muss“ gehalten. Er sagt:

„Europa ist das Beste, was den Deutschen, Franzosen und  Italienern, den Tschechen und Dänen, den Polen, den Spaniern, den Niederländern, den Briten und Griechen, den Bayern und Balten,  Wallonen und Württembergern, den Schotten und Sizilianern, den Basken wie Badenern und Thüringern ich ihrer langen Geschichte passiert ist. Europa ist die Verwirklichung so vieler alter Friedensschlüsse, die den  Frieden doch nicht gebracht haben. Die Europäische Union ist das Ende eines fast tausendjährigen Krieges, den fast alle gegen fast alle geführt haben. Sie ist ein unverdientes Paradies für die Menschen des ganzen Kontinents. EU ist das Kürzel für das goldene Zeitalter der europäischen Historie.“

Das ist Prantls Liebeserklärung an Europa, das sich einer nie dagewesenen, über siebzigjährigen Friedenszeit erfreut. Vielen ist dies alles nicht recht bewusst und viele wollen davon auch gar nichts hören. Ich schließe mich Prantl voll und ganz an. Weiterlesen →

Zweifel – Hoffnung – Glaube

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Johannes 11,26)

Ende Januar 2017 habe ich zu meinem Geburtstag das größte und wunderbarste Geschenk meines bisherigen Lebens von meiner geliebten Ehefrau geschenkt bekommen. Sie befand sich für einen experimentellen Heilversuch im Uniklinikum Würzburg und schrieb mir:

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„Liebster, das was ich hier erlebt habe, werde ich nie vergessen und es hat mich so sehr verändert. Letzte Woche Freitag, als ich hier angekommen bin, habe ich mich so schlecht gefühlt. Ich hatte Wasser in der Lunge und konnte kaum atmen. Ich war so schwach, der Krebs war überall. Sie sagten mir, dass ich nur noch ein paar Tage zu leben habe, wenn jetzt nichts passiert. Weiterlesen →

Die Tür steht offen

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein. (1. Samuel 7,3)

Über diesen Vers könnte ich viel Schönes oder auch Schmerzhaftes zum Stichwort „Herz“ schreiben, aber darum geht es hier nicht. Der Prophet Samuel spricht zu Menschen, denen Gott abhanden gekommen ist.

Damals hatten die Israeliten noch die Lade Gottes bei sich, ein heiliger hölzener Kasten, in dem die Gebotstafeln während der Wüstenwanderung mitgetragen wurden, und der die Gegenwart Gottes versinnbildlichte. Als diese Bundeslade auch im Krieg mitgeführt wurde, kam sie in feindliche Hände. Doch nun ist sie nach sieben Monaten wieder an ihrem Ort im Heiligtum der Stadt Silo. Und der Prophet ruft die Menschen dazu auf, sich wieder Gott zuzuwenden und die fremden Götter, die sie in der Zwischenzeit verehrten, beiseite zu legen. Weiterlesen →