Ich denke, also bin ich

Das Denken und damit Nachdenken gehört zu unserem Menschsein. Dazu ist mir der Satz des Philosophen René Descartes wieder in Erinnerung gekommen: „Ich denke, also bin ich“ (cogito ergo sum). In seinem Nachdenken über sich selbst, kommt Descartes nach radikalen Zweifeln zu der Erkenntnis: „Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln.“ Deshalb sein Grundsatz „Ich denke, also bin ich“.

Bezogen auf unser Nachdenken im Raum der Kirche tut es gut, sich einen solchen Erkenntnissatz zu eigen zu machen und daran zu orientieren. Weiterlesen →

Hey Kinder, was denkt ihr über Gott?

In den Morgenkreisen unseres Familienzentrums kommen die Kinder über Gott und die Welt ins Gespräch. Unsere Kinder sind kleine Philosophinnen und Philosophen! Ihre Aussagen bringen uns zum Schmunzeln, deshalb ist ihnen nur wenig hinzuzufügen. Der Glaube der Kinder ist unerschütterlich, stark und richtig. Sie haben das „Weltwissen“ in sich. Sie finden mit ihren Worten eine Mischung und Zusammenführung ihres „Kinderglaubens“, der von Wahrheit, Erfahrungen, gewagter Theorien, Lebendigkeit, Phantasie und Vertrauen geprägt ist. Damit lassen sie uns an ihrer Welt teilhaben. Weiterlesen →

Habt Mut zur Veränderung!

500 Jahre Reformation – mit Blick auf den revolutionären Mönch aus dem 16. Jahrhundert eröffnet die Evangelische Kirche das Festjahr zum Reformationsjubiläum. Aber: Darf überhaupt eine Kirche feiern, deren Mitgliederzahlen rückläufig sind? Die nicht länger Volkskirche ist, sondern eine Minderheit der Gesamtbevölkerung abbildet, für die Glauben, Kirche und Gott wenig Relevanz hat?

Ich persönlich halte gerne dagegen: ja – wir haben allen Grund zu feiern. Im Mittelpunkt steht für mich die Lerngeschichte einer Kirche, die veränderungserfahren und veränderungsmutig ist. Weiterlesen →

Gott sprengt alle Bilder, die wir uns von ihm machen

Gott bin ich – und nicht Mann! (Hosea 11,9)

Gott ist Gott. Aber Gottesbild ist nicht gleich Gottesbild. Gott schuf die Menschen nach eigenem Abbild, als Mann und Frau schuf er den Menschen. Dem entsprechend haben Menschen verschiedene Vorstellungen von Gott und sprechen doch vom gleichen Gott.

Unsere Bilder von Gott sind überwiegend männlich. Prüfen Sie es selbst für sich: Welches Bild tragen Sie im Kopf? Wie sieht Gott aus? Ist er der Herr, der König, der Richter, der Gottvater? Etwa der Patriarch mit dem weißen Bart? Gott ist meist ER, nicht SIE. Weiterlesen →

Weil du es sagst, will ich es tun

Zeit ist Geld und oft, nur zu oft, muss alles ganz schnell gehen. Wenn man Sie kurz vor Dienstschluss um einen Gefallen bittet, dann wird hier und da schon einmal abgewogen, ob man es sich leisten kann, aufgehalten zu werden. Da kann es schon einmal heißen: Sorry, heute geht nichts mehr.

In Ihrem Job haben Sie viel Erfahrung gesammelt, keiner kann Ihnen so schnell etwas vormachen. Da kommt unerwartet ein Nicht-Fachmann und möchte gute Ratschläge geben. Auf den haben Sie gerade noch gewartet… Kann ich da noch hinhören? Weiterlesen →

Wesensbilder des Menschlichen

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein
Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9,9)

Die Tage der Advents- und Weihnachtszeit und des beginnenden neuen Jahres sind von besonderen Stimmungen und großen Gefühlen geprägt. Die kommenden Festtage und alles, was mit ihnen verbunden ist, werden uns dann doch wieder berühren. Alle Jahre wieder!

Aber in den Texten, Liedern, Bildern, Symbolen und Bräuchen zu Advent und Weihnachten sind sie ja auch verborgen, so wie in einer Flaschenpost aus der Tiefe der Zeiten: Die Hoffnungen und Visionen, die Sehnsüchte und Träume vom gelingenden Leben! Weiterlesen →

Bergpredigt 2.0

Aufgewachsen in einem Elternhaus, das auch in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts seine braune Verstrickung nicht wirklich überwunden hatte, kämpfte ich mich in meiner Pubertät mit Hilfe meiner Lehrer zu differenziertem und tolerantem Denken durch. Und kämpfte (oft vergeblich und mit Blessuren) an gegen die schamhaft verleugnende Intoleranz meiner Verwandten, mit der sie sich als rechtschaffene Bürger inszenierten.

Als Frau der Kirche fiel es mir später leicht, tolerant zu sein – war es doch ganz der Mainstream, zu dem ich nun gehörte. Weiterlesen →

Auf dem Friedhof

An den Gedenktagen im November führen uns unsere Wege öfter auf den Friedhof.

Gehe ich an den Gräbern vorbei, sehe ich nicht nur die herbstlichen Blumen, sondern noch viele andere Dinge. Muscheln und Steine, mitgebracht aus dem letzten Urlaub, eine einzelne rote Rose oder das selbst gemalte Bild, als letzten Gruß an die Oma. Weiterlesen →

Das schönste Wort

Ich gehöre zu den Menschen, die unterwegs in der Stadt alles Mögliche lesen. Früher dachte ich, das sei ganz normal. Aber inzwischen weiß ich, dass nicht jeder so tickt. Ich jedenfalls lese, was auf großen Plakaten und kleinen Schildern steht, an der Bushaltestelle, in Schaufenstern. Ich lese sogar die „Katze entlaufen“- und „Wohnung gesucht“-Zettel an Straßenlaternen und Fußgängerampeln, obwohl ich keine Katze gefunden oder Wohnung zu vermieten habe. Weiterlesen →

Vom Hausherrn und seinen Gehilfen

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. (1. Korinther 3,9)

Vor einiger Zeit kam ein Ehepaar in den Sonntagsgottesdienst, um etwas für die Trauung ihres Sohnes zu besprechen. Und zum Schluss meinte der Vater zu mir: „Das gehört sich ja so, dass man sich vorher mit dem Hausherrn in Verbindung setzt.“ Dann zögerte er einen Moment, sah mich an und korrigierte sich mit den Worten: „Nein, der Hausherr sind Sie hier nicht, Sie sind der Gehilfe des Hausherrn.“ Weiterlesen →