Gut vorbereitet?

Der Deutsche an sich scheint ein reinliches Wesen zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass wir nun, mit Eintritt in die zweite Welle der Pandemie, schon wieder über einen Mangel an Toilettenpapier klagen müssen. Mich hat es schon im März und April irritiert, dass die Deutschen sich mit diesem besonderen Papier so eindecken, obwohl es bei Covid-19 nicht um eine Durchfallerkrankung geht. Aber so ist das halt, da ist eine große Sorge in vielen Menschen, dass die Umstände einen überraschen könnten. Die meisten von uns möchten vorbereitet sein, wenn sie womöglich eine Quarantäne trifft oder sie über einen längeren Zeitraum wegen eines Lockdowns die Wohnung nicht verlassen dürfen.

Und so erlebe ich auch viele Mitmenschen von mir: Man möchte vorbereitet sein auf den Fall der Fälle, man möchte sein Leben planen und nicht überrascht werden, man hat die Dinge, die einen selbst betreffen, am liebsten alle auch selbst im Griff. Weiterlesen

In Seiner guten Hand

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16,33)

Ich werde sterben. Nicht sofort, nicht heute. Und trotz der Bedrohung durch das Corona-Virus und der Tatsache, dass ich als Mann über sechzig, mit Schlafapnoe, dabei auch zur Risikogruppe zähle, lebe ich sehr wahrscheinlich noch, wenn Sie diese Zeilen lesen. Trotzdem habe ich Angst.

„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus. Ich werde sterben. Unser Leben ist  – auch ohne das Virus – tagtäglich gefährdet. Mir ist das durch die schwere Krebserkrankung meiner Mutter, die daran nach wenigen Monaten mit nur zweiundfünfzig Jahren verstarb, schon früh bewusst geworden. Und ich erlebe es ja oft in meinem Beruf als Pfarrer, wenn ich Menschen begleite, die sich von einem Angehörigen verabschieden müssen. Weiterlesen

Von erfüllten Wünschen und enttäuschten Hoffnungen

Dreißig Jahre Abitur und ein großes Fest ist geplant. Wie wird es sein, wenn man sich wiedersieht? Kenne ich noch alle Namen? Sind auch wirklich alle da? Immerhin: von 106 Absolventen haben sich 73 angemeldet. Das letzte Treffen war vor zehn Jahren. Die Erinnerungen daran sind noch sehr lebendig. Wer wird kommen? Wie wird die Stimmung sein? Manche leben jetzt weiter weg. Einige im Ausland, auch in anderen Bundesländern… ich selber wohne auch nicht um die Ecke. Wie ist das Leben für die Mitstreiter gewesen in den letzten zehn Jahren? Aufregend, eine Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit…

Und: was zieht man eigentlich an? Zehn Jahre zuvor war es ziemlich schick. In Anzug und Krawatte, manche im Kostüm. Und ehrlich gesagt, manche Gespräche waren auch ganz schön zugeknöpft und sich präsentierend: „Ich bin jetzt das und das…“, „Ich will noch das erreichen…“, „Ich habe das und das geschafft…“, „Ich werde das versuchen, ich bin jetzt fein raus…“ Feiner Zwirn, auch nach außen hin. Weiterlesen